Carry Brachvogel, © Privatarchiv Ingvild Richardsen / Brachvogel

Carry Brachvogel

Schriftstellerin und Frauenrechtlerin

Karoline „Carry“ Brachvogel wurde am 18. Juni 1864 als Tochter des wohlhabenden jüdischen Kaufmanns Heinrich Hellmann geboren und wuchs in München auf. Sie wurde zur höheren Tochter erzogen und heiratete 1887 den Journalisten Wolfgang Brachvogel, die beiden bekamen zwei Kinder. Dieses Familienglück fand jedoch ein tragisches Ende, als Wolfgang Brachvogel 1892 im Tegernsee ertrank. Um den Lebensunterhalt für ihre Familie zu sichern, begann Carry Brachvogel zu schreiben. 1885 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Alltagsmenschen“, in dem sie das überkommene realitätsferne Frauenbild anprangerte und für den sie für ihre psychologische Scharfsinnigkeit und ihr Darstellungstalent gefeiert wurde. Es folgten zahlreiche Romane, Jugendbücher, Bühnenstücke, Zeitschriftenbeiträge, Novellen und Biografien, hauptsächlich von historisch bedeutenden Frauen, wie der Roman „Der Silberne Berg“. Sie befasste sich aber auch mit dem Leben einfacher Frauen und veröffentlichte im Sammelband „Im Weiß-blauen Land“ Feuilletons über Oberbayern, München und deren Bewohnerinnen.

Schon bald gehörte Carry Brachvogel zu einer der bekanntesten Schriftstellerinnen in München und der von ihr geführte literarische Salon „Teetisch am Siegestor“ in Schwabing wurde zum bedeutenden Treffpunkt literarischen Lebens. Der Kampf um die Emanzipation der Frau dominierte dabei neben ihrer Literatur auch zunehmend ihr Leben. Sie engagierte sich in der Frauenbewegung und arbeitete zunächst in dem von Ika Freudenberg gegründeten „Verein für Fraueninteressen“ mit. 1903 gründete sie zusammen mit Emma Haushofer-Merk den „Verein Münchner Schriftstellerinnen“, dessen Mitgliederinnen sich verpflichteten, ihre Arbeiten nicht unter Wert oder gar kostenlos anzubieten, um so eine angemessene Bezahlung schreibender Frauen durchzusetzen.

1933 wurde jedoch in ihrer Abwesenheit aufgrund ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit ihr Rücktritt vom Schriftstellerinnen-Verein beschlossen. Schließlich wurde der Verein aufgelöst und Carry Brachvogel erhielt Publikationsverbot. Sie lebte fortan zurückgezogen mit ihrem Bruder, bis beide 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Damals war Carry Brachvogel 78 Jahre alt, vier Monate später starb sie unter den verheerenden hygienischen Zuständen im KZ am 20. November 1942.

Insgesamt veröffentlichte Carry Brachvogel 39 eigene Werke und fünf Übersetzungen. Auf Betreiben des Arbeitskreises „Frauenleben in Bayern“ wurde 1992 im BürgerInnenhaus in der Schwabinger Seidl-Villa der „Carry-Brachvogel-Salon“ eingeweiht, um an die einstmals so bekannte Schriftstellerin zu erinnern.