Grete Weil um das Jahr 1932 auf einem Berggipfel in den Bayerischen Alpen, © Literaturportal Bayern / Archiv Monacensia im Hildebrandhaus

Grete Weil

Schriftstellerin mit bewegter Geschichte

Grete Weil wurde am 18. Juli 1906 in Egern in Oberbayern geboren. Sie wuchs in einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus in München auf und studierte an verschiedenen Universitäten, darunter in Frankfurt, Berlin, München und Paris. 1933 heiratete Grete Weil den jüdischen Edgar Weil, promovierter Germanist und Dramaturg an den Münchner Kammerspielen, der jedoch noch im selben Jahr ins holländische Exil ging. Grete Weil folgte ihm 1935 nach Amsterdam und arbeitete dort als Fotografin bis zur Besetzung der Niederlande im Mai 1940 durch deutsche Truppen. 1941 wurde ihr Ehemann Edgar Weil im Konzentrationslager ermordet. Grete Weil schloss sich dem „Jüdischen Rat“ an, einer Kollaborationseinrichtung im Dienst der deutschen Besatzungsmacht und versteckte sich dann bis Kriegsende, um einer Deportation zu entgehen.

In ihrem Versteck entstand auch das Theaterstück „Weihnachtslegende 1943“, in dem sie eigene Erfahrungen aus Exil und Untergrund einbrachte. Es folgte die Erzählung „Ans Ende der Welt“, ein erstes literarisches Zeugnis der Deportation holländischer Juden durch die Nazis, welches zunächst nur in Ostberlin erschien und im Westen trotz guter Kritiken erst 1962 einen Verleger fand. Die ausbleibende Anerkennung hielt Grete Weil zunächst davon ab, weiter zu schreiben. 1947 kehrte sie nach Deutschland zurück und zog zu ihrem Jugendfreund Walter Jockisch, den sie 1961 heiratete. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland entschied sie sich, „gegen das Vergessen anzuschreiben“:

„Es gab nur noch die eine Aufgabe, gegen das Vergessen anzuschreiben. Mit aller Liebe, allem Vermögen, in zäher Verbissenheit. Vergessen tötet die Toten noch einmal. Vergessen durfte nicht sein. Und so schrieb ich weiter. Und immer häufiger wurde ich gelesen, und das war ein schwacher Abglanz von Glück.“

– Grete Weil

1963 veröffentlichte sie den Roman „Tramhalte Beethovenstraat“. Ihren literarischen Durchbruch erreichte sie 1980 mit dem Roman „Meine Schwester Antigone“. Beflügelt von der Rezeption und Anerkennung, die ihr daraufhin zuteilwurde, veröffentlichte sie mehrere Romane und Erzählbände. In dem autobiografischen Roman „Generationen“ verarbeitete sie den touristisch-industriellen Wandel der oberbayerischen Landschaft und in ihrer Autobiographie „Leb ich denn, wenn andere leben“ spielten ihre Jahre und Erlebnisse im Tegernseer Tal eine große Rolle.

Im Alter von 92 Jahren verstarb Grete Weil. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Neuen Gemeindefriedhof in Rottach-Egern.