TELITO_Jodschwefelbad, © Daniel Zangerl

Jodschwefelbad

Ein literarischer Spaziergang von Dr. Ingvild Richardsen

Das Jod-Schwefelbad Bad Wiessee hat eine lange Geschichte. Bis heute sprudeln hier Deutschlands stärkste und heilkräftigste Jod-Schwefel-Quellen. Entdeckt hat sie 1909 der niederländische Bergbauingenieur Adriaan Stoop, der an den Ufern des Tegernsees nach Öl bohrte. Das Heilwasser und die Investitionen Stoops machten aus dem Bauerndorf einen international florierenden Kurort. Der Spaziergang begibt sich auf die Spuren des Jod-Schwefelbads und stellt damit zusammenhängende literarische Werke und Illustrationen vor.

Der Spaziergang führt vom Jod-Schwefelbad (1) zum Hotel Terrassenhof (2) über die Adrian-Stoop-Straße 37 (3) in die Driessenstraße 35 (4). Vom Hotel Askania (5) über die Hirschbergstrasse zum Hotel Rex (6) und zum Lindenplatz (7). Von dort zur  Seepromenade zum Pavillon (8) weiter entlang am Strandbad Grieblinger über den Breitenbach in die Anton-von-Rieppel-Straße 7 (9). Von dort in die Wilhelminastraße mit Wilhelmina-(10) und Adrianus-Quelle (11).

Dauer:                       60 Min.

Länge:                       4,2 km

Höhenunterschied:   ↑32 m ↓23 m

1.Station: Jodschwefelbad

Das neue Jodschwefelbad Wiessee wurde Ende Juni 2020 eröffnet.

Gegenüber dem neuen Jodschwefelbad sieht man ein eingezäuntes Abrissgebiet liegen. Auf diesem Areal befand sich das frühere Jodschwefelbad, das über 100 Jahre lang in der Hand von niederländischen Eigentümern war. 2011 verkauften es die Eigentümer nach zehn Jahren Verhandlung an die Gemeinde Bad Wiessee, die es aber bereits seit 2001 von ihnen gepachtet hatte. 2018 wurde der Gebäudekomplex des ehemaligen niederländischen Jodschwefelbads Bad Wiessee nahezu komplett abgerissen. Fotografien vermitteln noch einen Eindruck davon, wie der vor dem Abriss zuletzt aussah. 

Stehenlassen hat man allein die 1935 erbaute „Wandelhalle“ und ein achteckiges weisses kleines Haus. Der Ort, an dem es steht ist geschichtsträchtig. Denn genau an dieser Stelle wurde 1909 erstmals Jodschwefelwasser in Bad Wiessee gefunden und die erste Jodschwefelquelle erbohrt, die sogenannte König Ludwig III. Quelle. Ihrer Entdeckung ist es zu verdanken, dass sich Bad Wiessee zu einem einzigartigen und international berühmten Kurort entwickelte, der von Gästen aus aller Welt besucht wurde.

Adriaan Stoop - Ein Schatzgräber

Vor dem Eingang des Jodschwefelbads steht eine imposante elegante Statue. Sie zeigt den Niederländer Adriaan Stoop (1856-1935), den Begründer des Jodschwefelbads Bad Wiessee. Diese aus früheren Zeiten stammende Statue wurde im Herbst 2020 als Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens an den niederländischen Begründer hier aufgestellt.

Nicht nur der Name Adriaan Stoop ist in Bayern in Vergessenheit geraten, auch die Tatsache, dass es am Tegernsee, in Bad Wiessee, einstmals ein Fleckchen Niederlande in Bayern gab, ein von Niederländern geführtes Jodschwefelbad.

Tatsächlich ist es dem 1856 in Dordrecht geborenen und 1935 in Bloemendaal verstorbenen Adriaan Stoop zu verdanken, dass Wiessee 1922 zu Bad Wiessee und einem international berühmten Kurort geworden ist. Adriaan Stoop war ein „Schatzgräber“, einer der Mitgründer von Shell. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte der bekannte niederländische Bergbauingenieur und berühmte Begründer der Erdölindustrie in Indonesien, in Gemeinschaft mit seiner Gesellschaft, der „Doordtsche Petroleum Maatschappij“, zuerst groß angelegte, auf die Erschließung von Erdöl zielende Tiefbohrungen am Westufer des Tegernsees, in Wiessee durch und wurde fündig. Wie kamen dazu?

Klein-Texas am Tegernsee von 1904 bis 1912

Das Vorkommen von Erdöl auf den Wiesen am Westufer hatten schon Mönche des örtlichen Bene-diktinerklosters Mitte des 15. Jahrhunderts entdeckt. Ehrfürchtig sammelten sie damals das „wundersame Heilöl“ ein. Nachdem sie es in einer dem heiligen Quirinus gewidmeten Kapelle in Wiessee geweiht hatten, brachten sie es unter der Bezeichnung „St. Quirinusöl“ als Heilmittel gegen allerlei Krankheiten von Mensch und Tier unter das Volk. In Kombination mit dem festen Vertrauen auf Gott und den Heiligen soll es geradezu Wunder gewirkt haben. Es blieb der Chemieforschung späterer Zeit vorbehalten, das wundertätige Öl als gemeines Erdöl zu entlarven.

Nach der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Tegernseer Benediktinerklosters 1803 versuchte erst der Staat, gefolgt von Privatunternehmen, durch Anlage von Schächten und Stollen, später auch durch Tiefbohrungen, größere Mengen des Erdöls zu erschließen. Tatsächlich führten all diese Arbeiten aber zu keinem durchschlagenden Erfolg. Der letzte Versuch erfolgte von 1904 bis 1912 durch den Niederländer Adriaan Stoop.

Im Oktober 1902 erfuhr der 46jährige Stoop durch einen Ingenieur, der die Bohrungen in Bad Wiessee in den 1880er Jahren geleitet hatte, von Erdölvorkommen am Tegernsee.

Stoop, der bekannt war als erfahrener Bergbauingenieur und berühmt als der Gründer der Ölindustrie in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien, gelang es nach komplizierten Verhandlungen die Bohrrechte in Bad Wiessee zu erwerben.

Schreie der Empörung erklangen damals im gesamten Tegernseer Tal, als bekannt wurde, dass die so oft gescheiterte Erdölsuche erneut aufgegriffen werden sollte – diesmal sogar von einer kapital-kräftigen und erfahrenen Gesellschaft aus den Niederlanden. Allen war klar, dass dieser letzte, ernsthafte Versuch über die Zukunft des Tegernseer Tals entscheiden würde.

Ende 1904 erfolgte unter der Leitung von Adriaan Stoop durch die Doordtsche Petroleum Maatschapyij die erste große Probebohrung in Bad Wiessee. Weitere Erdölbohrungen grossen Stils schlossen sich an. Zeitweise waren bis zu 60 Bohrmeister und Arbeiter beschäftigt.

Am Ufer des Tegernsee wurden die Bohrtürme 1-6 errichtet. 1907 wurde an sechs Bohrstellen gleichzeitig gearbeitet. 1908 wurde im Bohrturm 5 dann sogar im Tegernsee selbst gebohrt, wenn auch erfolglos. Tatsächlich sah es in Bad Wiessee damals aus wie in Klein Texas.

Aus der damaligen Zeit sind Fotos und Landkarten überliefert, die genau zeigen, an welchen Stellen gebohrt wurde und wie es Bad Wiessee damals aussah.

1907 wurde von Stoop auch die „Erste bayerische Petroleum Gesellschaft GmbH“ gegründet. Bis 1912 förderte sie das Schwarze Gold zutage, auch wenn die ausgestoßenen Mengen vergleichsweise gering waren. Das Öl aus den produktiven Quellen wurde zuerst in Tankwagen nach Gmund transportiert. Ab 1910 dann sogar mit Hilfe einer Pipeline zu einer Tankanlage in der Nähe des Gmünder Bahnhofs geführt.

Das Ende der Erdölära

Tatsächlich erwies sich der Ölhandel aber als teuer und kaum rentabel. Die erzielte Ausbeute an Erdöl war nicht groß genug, um die hohen Bohrspesen zu decken. 1912 stellte Adriaan Stoop die Bohrarbeiten ein. Die Bevölkerung im Tegernseer Tal atmete erleichtert auf. Sie konnten sich nun wieder ihrer Fremdenindustrie widmen, der die ungeliebten Tiefbohrungen bereits 1909 ungewollt einen neuen, absolut spektakulären Faktor hinzugefügt hatten:

Als man am 27. Mai in Bohrloch 3 nach Erdöl 1909 bohrte, erbohrte man stattdessen eine Jodschwefelquelle. Tatsächlich läutete dieses Ereignis das Ende der Erdölara und den Beginn der Jodschwefelbadära in Bad Wiessee ein, führte bald dazu, dass sich Bad Wiessee  innerhalb von nur wenigen Jahren zu einem im In- wie Ausland zu dem berühmten Kurort Bad Wiessee entwickelte.

Der Spaziergang begibt sich jetzt auf die Spuren des früheren Jodschwefelbades und seines Begründers Adriaan Stoop, sucht Orte auf, die mit ihm und seinem Bad verbunden waren und  noch heute Erinnerungsorte sind. (Zur Einstimmung beginnt er mit alten Werbe-Plakaten und Bildern, die im Terrassenhof in den 1930er Jahren zum früheren Jodschwefelbad entstanden sind.)

2.Station: Hotel Terrassenhof

Das Hotel Terrassenhof in Bad Wiessee, ein bekanntes Hotel-Restaurant und Tagungshotel, hat eine lange Geschichte hinter sich. Das Hotel ist in der Hand der Familie Gericke, die es auch gegründet hat. Alwin Gericke erzählt noch heute, dass sein Hotel, das in nächster Nähe zum früheren niederländischen Jodschwefelbad lag, eng mit ihm verbunden war. 

Anfang der 1930er Jahren hatten Maria und Alwin Gericke an diesem Ort zuerst das Bierstüberl „Jodhütte“ übernommen, das für seine schöne direkt am See gelegene Terrasse schon damals berühmt war, womit der Terrassenhof seinen Anfang nahm. Wenig später kauften sie dann das gesamte Anwesen. Aus dem Bierstüberl Jodhütte wurde die Pension Terrassenhof, dessen Cafe-Restaurant aber vorerst weiterhin den Namen „Jodhütte“ trug. Hier im Terrassenhof, konnte man nicht nur eine Trinkkur mit Jodschwefelwasser machen, sondern auch gut essen, Wein und Bier trinken und in einem Tanzsaal das Tanzbein schwingen. In den 50er und 60er Jahren wurde der Terrassenhof dann um eine großzügige Cafe-Terrasse erweitert.

Arthur Roeslers Werbebilder

Es war der Münchner Illustrator und Karikaturist Arthur Roesler (1866-1934), der in der Pension Terrassenhof Anfang der 30er Jahre mit Versen und Gedichten versehene Bilder und Plakate anfertigte, die Bad Wiessee, das Jodschwefelbad und die Vergnügungen im Cafe-Restaurant Jodhütte bewarben. Mit diesen und anderen Illustrationen, die er den Gerickes überliess, erkaufte sich Roesler, der in München auch die Zeitschriften die Jugend und den Simplicissmus mit Illustrationen belieferte, damals seine Aufenthalte im Terrassenhof. In Erinnerung an A. Roesler trägt das Cafe-Restaurant des Hotels deshalb noch heute den Namen:  s´ Roesler.

Plakate und Bilder aus dem Terrassenhof am Tegernsee

Der Grossteil dieser Plakate und Bilder, die Werbung für Bad Wiessee, das Jodschwefelbad und die Jodhütte ist mit „Jodstube Bad Wiessee am Tegernsee“ oder „Jodbadstube Wiessee“ betitelt und macht Werbung für eine Verjüngungskur in Bad Wiessee, für Jodschwefel Trink- und Badekuren als Jungbrunnen und Allheilmittel, aber auch Erholung und Amüsement im Cafe-Restaurant  Jodhütte. 

Ein Plakat, das an das Märchen vom Hasen und dem Igel erinnert, präsentiert einen vor einer Alpen-Seekulisse stehenden Igel, der in der Hand das Ortsschild Nach Wiessee hält. Mit dem Ratschlag Auf eile zur Verjüngungskur. Die findest Du in Wiessee nur weist er einen offensichtlich lahmen, alten am Stock gehenden Hasen nach Bad Wiessee. 

Ein weiteres Plakat zeigt einen erschöpften Frosch am See. Gentlemanlike mit Weste, Hemd, Schlips und Mantel bekleidet, hält er in einer Hand Hut und Stock, mit der anderen wischt er sich Erschöpfung und Schweiß vom Gesicht. Er warnt den Erschöpften und Gestressten vor Herzinfarkt und nahem Tod, vor dem nur die Kuranstalt in Bad Wiessee retten könne. Unter der Illustration kann man lesen:

Wein und Liebe reiben auf

Beweis: so mancher Lebenslauf.

Das Herz wird schwach der Blutdruck steigt

Mein lieber Freund nimms nicht so leicht!

Rasch tritt der Tod den Menschen an

Ne Jodkur Dich nur retten kann

Drum schnüre dein Bündel komme bald

Nach Wiessee in die Kuranstalt.

Ein drittes Plakat zeigt ein schwungvoll in Tracht tanzendes lachendes Pärchen. Sie trägt Dirndl und Hut mit Feder, er Lederhose, Hemd, Wadensstrümpfe, Haferlschuhe und gleichfalls einen Hut mit Feder. Im beigegebenen Gedicht erfährt man, dass es einem genauso so gut wie den beiden gehen werde, wenn man eine Jod Trink- und Badekur mache, die Rheuma, Gicht und andere Wehwehchen zum Verschwinden bringe. Solcherart werde man wieder fröhlich tanzen und Wein trinken:

Wenn Rheuma, Zipperlein und Gicht

Dich quälen Nacht und Tag

Dann, lieber Freund verzweifele nicht,

Beseitigt wird die Plag!

Komm schleunigst nur nach Wiessee  her

Und trink und bade Jod

Dein Leiden schwindet immer mehr

Vorbei ist bald die Not!

Dann wirst Du wieder fröhlich sein

Und tanzen wie ein Kind

Auch trinken Rhein- und Moselwein

Komm also her geschwind.

Auf einem vierten Plakat sieht man einen volltrunkenen dicken Mann in Tracht am Tisch sitzen, in der einen Hand ein Weinglas, in der anderen eine Weinflasche. Eine weitere Flasche Wein steht auf dem Tisch. Das Gedicht erzählt von dem feuchtfröhlichen Vergnügen, dass man im Cafe Jodhütte nach den Anstrengungen des Tages geniessen kann:

Heut morgen hab ich Jodwasser getrunken,

Den Mittag bin ich im Wein versunken

Den Nachmittag hab ich der Arbeit geweiht

Jetzt lieg ich mit allen Dreien im Streit.

Das Jodwasser ist mir zwar gut bekommen,

Doch hab ich vom Wein zu viel genommen.

Die Arbeit war schwierig und brachte nichts ein.

Jetzt sitz ich feuchtfröhlich wieder beim Wein.

Ein fünftes Plakat präsentiert ein gemaltes Herz mit der Aufschrift: Ich liebe Dich. Auf ihm sieht man einen fröhlichen, mit Jacke und Hose bekleideten kleinen Spatz tanzend sagen:

Ich fühle mich wieder fidel wie ein Spatz

Die herzlichsten Grüsse mein lieber Schatz.

Ein sechstes Plakat führt einen in eine Badewanne steigenden Frosch mit Bauch vor. In dem beigegebenen Vers erfährt man, dass es sich um eine Wanne mit Jodschwefelwasser handelt, das einen wieder ganz schlank mache, wenn man häufig darin bade:

Willst Du schlank werden wie neTanne

Steig fleißig in die Jodbadewanne.

Ein siebtes Plakat präsentiert einen Mann mit Glatze, Stock und demolierten Fuß, der zeitungslesend von einem Sofa rutscht. Das beigegebene Gedicht preist eine Jodkur als Jungbrunnen und das  Allheilmittel:

Wenn Du die Jugend hinter Dir.

Und merkst dass Du wirst alt,

Dann nimm als Lebenselixier

Ne Jodkur recht bald.

Der Kalk in deinen Adern fest,

Der schwindet dann alsbald,

Mit ihm der letzte Krankheitsrest,

Du fühlst Dich nicht mehr alt.

Froh lachst Du die Philister aus.

Beim Klang des „Gaudeamus“

Schaust fröhlich in die Welt hinaus,

Singst:: „Herum bibamus“

Auf einem achten Plakat sieht man einen enthusiastischen Bergsteiger auf einem Berggipfel, der die Worte spricht: Frohsinn-Kraft in meine Glieder beides gab mir Wiessee wieder. Auf dem neunten Plakat der Bilderreihe wird man dann von einem Fuchs angeblickt, der eine Sektflasche entkorkt und dem Betrachter werbend mitteilt, wie gut es ihm doch wieder durch das Schwefelwasser gehe:

Jetzt bin ich wieder kerngesund

Und war doch ziemlich auf dem Hund

Das dank ich nur dem Schwefelquell

Der in Wiessee sprudelt warm und hell.

Nach diesem ersten Abtauchen in die Vergangenheit des Jodschwefelbades, begibt man sich der Spaziergänger jetzt in Adriaan Stoop Strasse 39. Hier erfährt man, was hier passierte als Adriaan Stoop 1909 nach Erdöl bohrte.

3.Station: Erinnerungsort - Wasser statt Öl, Adrian Stoop Strasse 37

Die Adriaan-Stoop-Str. 37 ist ein denkwürdiger Ort. Hier, wo heute das in den 70er Jahren    errichtete achteckige weiße kleine Pumphaus Haus steht, stand 1909 der Bohrturm Nr. 3.

Als Adriaan Stoop am 27. Mai in Bohrloch 3 hier nach Erdöl bohren liess, strömte statt Öl aus einer Tiefe von 676 Metern plötzlich unfassbar übelriechendes Wasser aus dem Bohrloch. Pro Minute rannen etwa 600 Liter in den See. Weiteres Bohren ließ den Strom beständig zunehmen, bis es unter intensivster Gasentwicklung mit solcher Wucht aus einer Tiefe von 713 Metern emporsprudelte, dass eine weitere Vertiefung des Bohrlochs nur unter schwersten Verhältnissen erfolgen konnte. Die Gase, in der Hauptsache Methan und Schwefelwasserstoff, durchzogen mit ihrem Gestank nach faulen Eiern die ganze Wiesseer Landschaft. Von diesem Ereignis sind faszinierende Fotos dem Jahr 1909 überliefert. Sie  zeigen, wie die durch ein zweizolliges Rohr sprudelnde weiße Quelle im Bohrturm damals aussah. 

Hatte sich die Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt mit den Erdölbohrungen, die noch bis 1912  erfolgten, bereits abgefunden, so lebte die Erregung gegen das Bohrwerk nun wieder auf. Man verklagte die Petroleumgesellschaft, die mit der Verunreinigung der gesunden Tegernseer Gebirgsluft – wie es damals hieß – den blühenden Fremdenverkehr dem Ruin entgegenführe. Der Umschwung erfolgte ein Jahr später.

Stärkste  Jod- und Schwefelquelle Deutschlands

Die balneologische Untersuchung des Wassers in Wiesbaden, im chemischen Laboratorium Fresenius, die der Wiesseer Arzt Erwin von Dessauer veranlasste, sorgt für eine Sensation: es wird festgestellt, dass die in Wiessee entdeckte Quelle mit 34 mg Jod.Ion und 104 gr reinem Schwefel auf 1 kg Wasser als die stärkste Jod- und stärkste Schwefelquelle Deutschlands bezeichnet werden musste.

Bereits 1910 werden die ersten 1.000 Jodschwefelbäder in der Wärmestube der Bohrwerksbelegschaft abgegeben, wo man auf Anregung des Wiesseer Arztes Erwin Dessauer 2 einfache Badekabinen hatte einrichten lassen. 1911 steigt die Badefrequenz bereits um 100 Prozent. Auch wenn Stoop noch immer auf einen erfolgreichen Ölhandel hoffte, beschloss er ein Kurhaus bauen zu lassen.

Weg von der Ölförderung hin zum Bad - Das erste Badehaus

Tatsächlich findet 1912 der Wechsel von der Ölförderung hin zum gezielten Ausbau des Badebetriebes statt. Adriaan Stoop verfügt in diesem Jahr die Einstellung der Erdölbohrungen. Das Heilbadgelände wird Kurschutzgebiet. Nach Rücksprache mit Erwin Dessauer, der Stoop das Potential des Jodschwefelwassers voll bewusst macht, erteilt der geschäftstüchtige Niederländer, dem Gmunder Architekten Alois Degano den Auftrag das erste Badehaus mit 12 Badekabinen unweit der Jodschwefelquelle errichten zu lassen. Noch 1912 wird es eröffnet. Von diesem ersten Badehaus sind schöne Fotos und alte Idyllische Postkarten überliefert. 

Schon bald wird das Badehaus zu klein. Schon 1913 wird es erweitert. Die Anzahl der Badewannen wird auf 28 erhöht und die Anzahl der Bäder steigt auf 10.0000. In den folgenden Jahren wird es wiederholt umgebaut und erweitert um den Andrang zu bewältigen. In den ersten Jahren kommen die Kurgäste mit dem Zug zum Tegernsee. Ab der Haltestelle St. Quirin überqueren sie per Boot den Tegernsee zum Jodbad. Einige Jahre später, nachdem der Weg nach Gmund verbessert wurde, ist das Auto das beliebteste Transportmittel.

König Ludwig III. Quelle - Quellentempel

1913 wird der Bohrturm über dem Bohrloch 3 durch einen Quellentempel ersetzt, in dem nun das Heilwasser empor sprudelt. Die 1909 entdeckte Jodschwefelquelle erhält in diesem Jahr mit König Ludwigs III. Einverständnis den Namen „König-Ludwig-III-Quelle“. Stoop ersetzt jetzt den Namen „Erste Bayerische Petroleum Gesellschaft“ durch „Jod- und Schwefelbad Wiessee GmbH“, womit der Wandel von der Erdölförderung zum Heilbad definitiv vollzogen ist.

Hölzerne Trink-Wandelhalle

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, stagniert die Entwicklung des Jodbades kurzfristig. 1917 wird dann entschieden neben das Jodschwefelbad eine halb offene hölzerne 60 m lange überdachte Trink-Wandelhalle (mit integriertem Pavillon) zu bauen, in der die Kurgäste bei schlechtem Wetter das Jod-Wasser, das langsam spazierengehend getrunken werden muss, zu sich nehmen können. 

Diese hölzerne Wandelhalle, die 1934 abgerissen werden wird, stand dort wo heute die 1935 erbaute zweite Wandelhalle steht. Ein Restbestand, ein Pavillon, befindet sich heute noch an der Seepromenade 

Wiessee wird zu Bad Wiessee - Adriaan Stoop wird Ehrenbürger

Der 30. Juni 1922 ist ein denkwürdiger Tag: Die Kammer des Inneren erlässt den Bescheid: Im Einverständnis mit den Staatsministerien der Justiz und der Finanzen wird genehmigt, dass die Gemeinde Wiessee, Bezirksamt Miesbach, künftig den Namen „Bad Wiessee“ führt.

Anlässlich dieses festlichen Ereignisses entscheiden der Gemeinderat und der Bürgermeister Leonard Sanktjohanser, Stoop zum Ehrenbürger des neugeborenen Bad Wiessees zu machen „in Anerkennung seiner Verdienste um die Entstehung des Jod- und Schwefelbades Wiessee“. Henriëtte van Voorst Vader-Duyckinck Sander zufolge, hat ihr Urgrossvater Adriaan Stoop sowohl das Wappen als auch die Fahne von Bad Wiessee mitgestaltet und bezahlt.

In den 1920er Jahren entwickelt sich Bad Wiessee zu einem international berühmten Kurort, wird fortan von tausenden von Gästen besucht, darunter auch König Ferdinand von Bulgarien.

Adriaan Stoops 70jähriger Geburtstag - Theateraufführung

Anlässlich des 70. Geburtstages von Adriaan Stoop wird 1926 (zuerst in den Niederlanden in Bloemendaal) zu Ehren von Stoop ein Theaterstück aufgeführt, dass den Namen Wonderbron trägt, auf deutsch: Wunderbrunnen. Geschrieben hatte es Cor Langelaan-Stoop (1883-1965), die zweite Tochter von Adriaan Stoop. Das aus 6 Akten bestehende Theaterstück, das teilweise auf niederländisch, hochdeutsch und bayerisch verfasst ist, und zu dem auch stimmungsvolle Fotos mit Bad Wiessee Kulisse  überliefert sind, handelt von Stoops Entdeckung der Jodschwefel-Quelle, erzählt witzig und humorvoll die Geschichte der Entstehung des Jodschwefelbades in Bad Wiessee. Panoramaartig präsentiert es reale und fiktive Diskussionen, Geschehnisse und Persönlichkeiten aus dem damaligen Bad Wiessee, begleitet von musikalischen Darbietungen.

In den ersten beiden Akten erlebt man Siegmund, den hl. Quirinius, und den damaligen Bürgermeister Sanktjohannser. Im dritten Akt, der die Ablösung der Erdölära durch die Jodschwefelära vorführt, streiten Berggeist und Quellgeist, Bruder und Schwester, darüber, ob man den Menschen überhaupt die Schätze der Erde zur Verfügung stellen soll. Der Berggeist, Besitzer der Erdölquellen, will sie den Menschen in Bad Wiessee nicht geben. Er macht sich lustig über ihre letztlich erfolglosen Erdölbohrungen, die er blockiert hat um die Menschen zu ärgern. Demgegenüber ist der menschenfreundliche Quellgeist der Auffassung, dass die Schätze der Erde existieren, um den Bedürfnissen der Menschen zu dienen. Er entscheidet sich seinen Schatz, die Jodschwefelquellen, den Menschen zu ihrem Wohl zur Verfügung zu stellen. Im 4. Akt wohnt man dem Gespräch zwischen Prof. Fresensius aus Wiesbaden und der Hotelinhaberin Frau Beil über den Nutzen der neuentdeckten Wunderquelle bei. Im 5. Akt wird gezeigt, wie die neu entdeckte Wunderquelle, Kranke und Alte heilt. Vorgeführt werden verkrüppelte und krumme Bauern auf Stöcken, die ins neuerbaute Badehaus verschwinden und dieses wenig später jung und gesund wieder verlassen. Danach folgt noch eine lustige Geschichte über König Ferdinand von Bulgarien, der in Bad Wiessee im Kurbad die ewige Jugend sucht, und über die lokale Schönheit Lis'l, die sich bereits wie die Königin von Bulgarien fühlt. In der Zwischenzeit wird Stoop zum Ehrenbürger ernannt und es melden sich gierige deutsche Investoren, die das Bad für Goldmark kaufen wollen. Aber Stoop bleibt seiner Mission und bleibt Bad Wiessee treu.

Von diesem Theaterstück, dessen Setting von der Tegernseer Theatertradition beeinflusst ist, sind Fotos überliefert.

Wilhelmina Quelle  1930

Weil Stoop nicht von einer einzigen Jodschwefelquelle abhängig sein will, und ihm auch der wechselnde Wasserdruck der König Ludwig III. Quelle Sorgen macht, lässt er 1930 eine Tiefenbohrung an einer Stelle in der heutigen Wilhelminastrasse ausführen. Tatsächlich werden die Arbeiter in 632 Metern Tiefe fündig. Man erbohrt eine neue Quelle, die man „Wilhelmima-Quelle“ nennt, nach dem Namen von Stoops Frau und der niederländischen Königin Wilhelmina (1880-1962). In der Zusammensetzung gleicht die neuerbohrte Quelle der ersten, nur die Temperatur ist etwas anders. Fortan bezieht das Jodschwefelbad also aus zwei Jodschwefelquellen sein Heilwasser.

Vorausschauend erwähnt sei, dass man 1978 die Förderung der König-Ludwig-Quelle 1978 eingestellt wird. Als sie 1974 eruptiert und jede Menge Paraffin herausschleudert, legt man sie erstmals still, stellt den Förderbetrieb ein und sperrt das Gelände weiträumig ab. Als 1978 auch das Wasser nicht mehr selbstständig aus der König-Ludwig III. Quelle emporstrudelt und die Produktion aus der Pumpe so unregelmässig wird, dass die Förderung unmöglich wird, wird die Quelle versiegelt. Das in den 1970er Jahren errichtete charakteristische achteckige weisse Pumphaus steht aber noch heute hier in der Adrian-Stoopstrasse 37.

Adriaan Stoops Tod

Im Herbst 1934 besucht Adriaan Stoop Bad Wiessee das letzte Mal. Im September 1935 stirbt er mit 78 Jahren in Bloemendaal, ein halbes Jahr zuvor war seine Frau gestorben. An der Begräbnisfeier in Holland nimmt auch der damalige Bad Wiesseer Bürgermeister Josef Albrecht teil. Am 10. September fand in Bad Wiessee eine Trauersitzung und Gedächtnisfeier für Stoop in der 1935 neuerbauten Wandelhalle statt, die man von hier aus auf dem Abrissgelände noch stehen sehen kann. In einem Schreiben vom 8. September hatte Bürgermeister Josef Albrecht Kurgäste und Gemeindeangehörige zur Trauerfeier so eingeladen:

„Es wird bestimmt erwartet, dass dieser Weihestunde alle Gemeindeangehörigen in tiefem Dank-barkeitsgefühl und in Anerkennung der grossen Verdienste des Herrn Stoop beiwohnen. (Erscheinen in dunkler Kleidung, keine Uniform!)“

Adriaan Stoop wird als Wohltäter des Tegernseer Tal ehrenvoll allseits gewürdigt. Der Vorstand des Bezirksamts Miesbach, schrieb am 10. September in einem Beileidsschreiben:

„Der Verblichene, dessen Lebenslauf so eng mit der Geschichte des Bades Wiessee verknüpft ist und dessen unermüdlicher Tatkraft und Opferbereitschaft der Aufstieg und die Entfaltung des Bades zu einem der schönsten und wichtigsten Kurorte Deutschlands zu verdanken ist, war auch ein großer Wohltäter des ganzen Bezirks und dessen Anstalten. In tiefer Trauer und Erschütterung gedenkt daher auch die Bevölkerung des ganzen Bezirks des edlen Verblichenen und wir Alle werden das Andenken an diesen großen und seltenen Mann stets hoch in Ehren halten.“

Die Tegernseer Zeitung vom 10. September, widmete gleich eine ganze Seite dem Leben und den Errungenschaften Stoops, feierte sein Jodschwefelbad. 

Der Verkehrsverein Rottach-Egern e.V. dankt ihm für die Förderung der Fremdenverkehrs-interessen und die Mitfinanzierung der Wallbergstrasse:

„Ein schwerer Schlag hat Sie und die Gemeinde Bad Wiessee getroffen. Herr Generaldirektor Adriaan Stoop der weitblickende Förderer der Fremdenverkehrsinteressen und damit der Existenz der Bevölkerung auch von Rottach-Egern ist von uns gegangen. Noch in letzter Zeit hat er mit zielsicherem Blick den durch uns unternommenen Bau der Wallbergstraße durch materielle Unterstützung gefördert und damit seinen Namen mit diesem großen Projekt das in Zukunft dem allgemeinen Wohle dienen wird, für immer verbunden.“

Wie ging es ohne Stoop, nach seinem Tod weiter ? Diese Frage wurde in dem Theaterstück Meginharts Erbe, das 1954 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Jodschwefelbades in der  Wandelhalle aufgeführt wurde, in einer im Himmel spielenden Szene zwischen Petrus und Pater Meginhart so beantwortet:

Petrus Ja, ist denn dann nicht alles drunter und drüber gegangen, wie er abberufen wurde?

Meginh.           Oh nein! Stoop hatte von Anfang an einen Mitarbeiter, der ihn in allen Dingen unterstützte und sich mit aller Energie und ganzer Hingabe für das Gelingen einsetzte, André Driessen ist sein Name. Alle Mühe und Sorgen, die Opfer und dann die Arbeit des Aufbaues hat er mit ihm geteilt und als Stoop verschied, hat er das Werk fortgesetzt. Dass Wiessee sich so entwickelt, einen solchen Aufschwung genommen hat, ist auch André Driessens Verdienst.

4. Sation: Früheres Haus von André Driessen, Driessenstrasse 35

In der Driessenstrasse 35 stand früher das Haus des Niederländers André Driessen (1904-1956). Er war der langjährige Geschäftsführer des Jodschwefelbades vor Ort.  Driessens früheres Haus wurde vor einigen Jahren abgerissen. Wie es aussah, zeigt eine alte Fotografie. Auf ihr sieht man ein Idyllisches Haus im alpenländischen Stil. 

Der Geschäftsführer des Jodschwefelbades

André Driessen, der Direktor des Jodschwefelbades, war 1904 zuerst als Bevollmächtigter der Doordtschen Gesellschaft nach Wiessee gekommen. Seit der ersten Bohrung 1904 leitete André Driessen als Stoops Geschäftsführer, die täglichen Geschäfte der Gesellschaft und ab 1909 dann auch die Geschäfte des Jodschwefelbads. Ihm war es zu verdanken, dass es relativ gut durch den Ersten Weltkrieg kam. 

Die 1930er Jahre - Eine neue Wandelhalle

In den 1930er-Jahren waren auch führende Nationalsozialisten an den Tegernsee gezogen und hatten sich hier Wohnungen oder Häuser zugelegt, darunter auch Himmler. Auch sie kurten in Bad Wiessee. Als am 13. Juni 1934 in Bad Wiessee die sogenannte „Nacht der langen Messer“ stattfand, wurde SA Leiter Ernst Röhm, der damals im Hotel Hanselbauer logierte, hier von Hitler persönlich aus dem Bett geholt, verhaftet, ins Gefängnis nach München gebracht, dort verhört und dann ermordet, der sogenannte Röhm-Putsch.

Als am 19. Mai 1935 die Feier des 25-jährigen Gründungsjubiläums des Jodschwefelbads anstand, erfolgte anlässlich dessen 1934/1935 der letzte große Ausbau des Kurgeländes. Man plante die alte hölzerne Wandelhalle neben dem Jodschwefelbad abzureissen und durch eine neue moderne monumentale Wandelhalle zu ersetzen, mit angebautem Konzert- und Theatersaal und vorgelagerter Terrasse und einem prächtigen Ausblick auf See und Gebirge. Der Regierungsbaumeister und Münchner Architekt Bruno Biehler war diesmal der Architekt. Hausarchitekt Degano war zu teuer geworden und durfte nur den Theatersaal bauen. Der Bau der Wandelhalle erfolgte auch mit finanzieller Unterstützung der Nationalsozialisten.

Am 19. Juli 1935 wurde die neue Wandelhalle, die man noch heute auf dem früheren niederländischen Jodschwefelbadareal steht, mit großem Festzug in Bad Wiessee eingeweiht und eröffnet. In einem Artikel im Völkischen Beobachter vom 20. Juli „Ein Vierteljahrhundert Bad Wiessee – Feierliche Einweihung der neuen Wandelhalle“, in welchem der neue Bau bejubelt wurde, konnte man damals lesen:

Die neue Wandelhalle, die sich in ihrer Lage und Linienführung harmonisch der herrlichen Tegernseer Landschaft anpaßt und auch dem Stil der früheren Baulichkeiten vollkommen Rechnung trägt, stellt eine meisterhafte Verbindung von Kunst und Zweckmäßigkeit, von Monumentalem und bodenständiger Bauweise dar. (...) In seiner Gesamtheit entspricht der neue Bau, an dessen Gestaltung einheimische und Münchener Künstler und Firmen beteiligt waren, einer großzügigen Architekturauffassung und stellt einen würdigen Markstein zum ersten Vierteljahrhundert des Bades Wiessee dar.

Von dieser neuen Wandelhalle, die das Bad noch weiter aufwertete und beliebt machte, von ihren verschiedenen Räumlichkeiten, der Trinkhalle, dem Theatersaal, der davorliegenden Terrasse und den Mengen an Kurgästen, die sie in den folgenden Jahrzehnten bevölkerten, sind Fotos aus verschiedenen Jahrzehnten überliefert. (verschiedene Fotos von der Wandelhalle ) In der grossen Wandelhalle fanden fortan regelmässig Konzerte statt mit dem lokalen Kurorchester oder auswärtigen Musikern. Tatsächlich verzeichnete das Jodschwefelbad 1935 die höchste Badefrequenz vor dem Krieg: 156.000 Anwendungen wurden in diesem Jahr durchgeführt.

1938 adelte Königin Wilhelmina den Direktor des Jodschwefelbades, André Driessen, zum Ritter des Ordens „van Oranje-Nassau“. Im letzten Friedensjahr wurden 150.000 Jodschwefelbäder verabreicht, die Zahl der Kurgäste stieg auf 20.000, die Zahl der Übernachtungen auf 428.000.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Der folgende Krieg brachte auch Bad Wiessee empfindliche Rückschläge, aber das Jodschwefelbad Bad blieb vor Kriegszerstörung bewahrt und die günstigen Faktoren – Heilquellen, Klima und eine herrliche Lage – bleiben erhalten. 1944 steigt die Besucherzahl wieder auf 25.000, die der Übernachtungen auf rund 427.000. Bis 1944 ist das Jodschwefelbad in Bad Wiessee in Betrieb.

Die Nachkriegszeit führet dann allerdings zur Zweckentfremdung nahezu des gesamten Jodschwefelbades und dazugehörigen Beherbungsraumes. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1945 bis 1947, war das Bad, das sich seit 1946 in der Hand der Amerikaner befand, geschlossen. Erst 1956 wurde es wieder an die Holländer zurückgegeben. Der Wiederaufbau und die Wiedereröffnung unter dem früheren Direktor André Driessen erfolgten aber bereits 1948.

Zu seinem 70. Geburtstag und 45-jährigem Dienstjubiläum wird Driessen 1950 zum Ehrenbürger von Bad Wiessee ernannt.

50-jähriges Jubiläum des Jodschwefelbads

Am 3. September 1954 feierte Bad Wiessee, das in diesem Jahr in etwa 70 Prozent der früheren Frequenz an Kurgästen erreicht hatte, groß das 50-jährige Jubiläum des Jodschwefelbads – feierte den Begründer Adriaan Stoop und André Driessen, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Betriebsjubiläum erlebte. 50 Jahre seines Lebens hatte der Niederländer der Entstehung und Entwicklung des Kurortes Bad Wiessee gewidmet. Er, der 1904 als Bevollmächtigter der Doordtschen Gesellschaft nach Wiessee gekommen war, hatte die Geschicke des Jodschwefelbads maßgeblich beeinflusst und das Bad erfolgreich durch zwei Weltkriege geführt.

Eine literarische Fundgrube ist ein in mehreren Exemplaren gedrucktes Gedenkbuch, Gouden Jubiläum 1904-1954 , das Nachfahren von Adriaan Stoop anlässlich dieses Jubiläums erstellt haben. Hier finden sich nicht nur zahlreiche Dokumente und Fotos, die die Geschichte des niederländischen Jodschwefelbades erzählen, sondern auch Mengen an Fotos, Dokumenten und Texten, die das Jubiläum 1954 dokumentieren: Festprogramm und Festreden, Zeitungsartikel über Adriaan Stoop, André Driessen, das Jodschwefelbad und die Aktivitäten an den Jubiläumstagen. Des weiteren aber auch mehrere literarische Werke, die anlässlich dieses Jubiläums entstanden, aufgeführt oder vorgetragen worden: das Theaterstück Meginharts Erbe, ein Märchen und Gedichte.

In allen Festreden wird 1954 festgestellt, dass Bad Wiessee seit der Eroberung der Jodschwefelquelle durch Stoop einen beispiellosen Aufschwung erlebt hat: Vom Bauerndorf ohne nennenswerten Fremdenverkehr habe es sich zum meist besuchten Fremdenverkehrsort des ganzen Tegernseer Tals entwickelt und die Bevölkerung sich in 50 Jahren verzehnfacht. Dort, wo noch nicht lange zuvor blumenübersäte Wiesen an schilfbewachte Uferstreifen gegrenzt hatten, seien große moderne Hotels, Pensionen und Privathäuser entstanden.

Das Theaterstück Meginharts Erbe

Wie man dem Festprogramm entnehmen kann, fand am Freitag, den 3. Sep. 1954 im Kursaal des Jod- und Schwefelbads Wiessee auch ein grosser Festabend statt. Im ersten Teil wurde ein Klavier-Konzert dargeboten. Im zweiten Teil führte die Rottacher Lustspielbühne das Festspiel Meginharts Erbe auf. 

Geschrieben hatten das Theaterstück zwei am Tegernsee ansässige Autoren, der aus Rottach-Egern stammende Lickleder und Dr. Habersbrunner aus Schilling bei Kreuth. Meginharts Erbe ist ein humorvolles Theaterstück, in dem die Geschichte von Bad Wiessee und dem Jodschwefelbad, erzählt wird. Adriaan Stoop und André Driessen werden hier als die eigentlichen und wahren Begründer von Bad Wieseees Ruhm und Erfolg gefeiert. Das Stück, das auch Reminiszenzen an den Brandner Kaspar enthält, beginnt mit einer Szene bei Petrus im Himmel. Bei der Durchsicht der Papiere über die kürzlich Verstorbenen und die Neuzugänge im Himmel, wundert sich Petrus, warum speziell aus Bad Wiessee so wenige Tote kommen oder immer Jahre später als geplant. Der im Himmel herbeigerufene Pater Meginhart klärt Petrus über die besonderen Umstände in Bad Wiessee auf. Zuerst war es das im Mittelalter von Mönchen gefundene heilsame Quirinusöl welches das Leben der Menschen in Bad Wiessee verlängert hat. Jetzt ist es die von Adriaan Stoop zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefundene heilkräftige Jodschwefelquelle, die aus Wiessee einen berühmten Kurort und Jungbrunnen gemacht hat, durch den die hier lebenden Menschen nahezu unsterblich geworden sind oder später als andere Menschen sterben.

1956 stirbt dann auch André Driessen. Von der Wandelhalle aus wird der Sarg entlang einer Menschenreihe zur evangelischen Kirche getragen. Dort findet Driessen seine letzte Ruhestätte. 

5.Station: Hotel Askania

Das Hotel Askania in der Adrian-Stoop-Straße gehört zu den ersten Hotels, die als Wiessee 1922 zu Bad Wiessee avancierte, in der unmittelbaren Nähe des Jodschwefelbads errichtet wurden.

Heutiger Besitzer dieses aus den 1920er Jahren stammenden und noch immer authentisch eingerichteten Hotels ist Bernhard Kaiser. Seine Mutter Hermine Kaiser, hat viele Bücher über die Historie, Kultur und Literatur im Tegernseer Tal geschrieben.

Franz Kaiser

Bernhard Kaiser erzählt noch heute, wie sein Großvater, Franz Kaiser, ein Architekt und Bauunternehmer aus dem Saarland, in der Adrian-Stoop-Strasse 1926 sein Hotel eröffnete.

Franz Kaiser, der in Bad Wiessee zuvor Urlaub gemacht, Stoops Kurbad kennengelernt und sehr genossen hatte, witterte hier damals ein grosses Geschäft. Nachdem er mit Adriaan Stoop gesprochen hatte, beschloss er, all seine Ersparnisse und Rücklagen in ein Hotel an diesem Ort zu investieren. Wenn es hier kein Geld zu verdienen gebe, dann wisse er auch nicht mehr. Franz Kaiser hatte Recht. Kurze Zeit später wurde in der Adrian-Stoop-Strasse ein Hotel nach dem anderen eröffnet, denn das Jod-Schwefelbad zog Mengen an vermögenden Gäste an. An einer Wand im Hotel Askania hängt noch heute eine bronzene Plakette auf der man Franz Kaiser sehen kann.

Ein alter Werbeprospekt

In einem alten Werbeprospekt aus dem Jahr 1931 Jahre, findet man eine von Franz Kaiser aufgegebene Werbe-Anzeige mit Panoramabild, die für den Aufenthalt im Hotel Askania wirbt, es als Haus ersten Ranges bezeichnet, ausgestattet mit jeglichem Komfort. Angepriesen werden die unmittelbare Nähe zum Jodschwefelbad, Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser wunderbare Betten, eine gute Küche, schöne Zimmer, Terrassen, Balkone und Garagen. Auch die Preise in den verschiedenen Saisonzeiten werden genannt:

Kurhaus Pension „ASKANIA“ Bad Wiessee

Telefon Tegernsee 4698   Haus 1. Ranges

200m ebener Weg zum Jod-Schwefelbad/Aller Komfort, Lift, fließendes Warm- und Kaltwasser, Zentralheizung. Schöne Gesellschaft- und Speisezimmer, Terrassen, Balkone/ Vornehmer, behaglicher Aufenthalt/Beste Betten mit Roßhaarmatrazen und Daunensteppdecken/Anerkannt reichliche und gute Küche, and Wunsch Diätküche./Garagen

Pensionspreis: Juni bis August 10-13 RM, Mai und September 9-12 RM, Oktober 8-11 RM

Auskunft und Prospekte durch die Direktion Askania Bad Wiessee. Besitzer Franz Kaiser. Architekt, Saarbrücken.

Mit dem aus den 1920er Jahren stammenden Mobiliar weht im Hotel Askania noch immer das Flair der 1920er Jahre. In der authentisch eingerichteten, dunkelbraunen Gaststube hat sich in den letzten 80 Jahren wenig verändert, sagt Bernhard Kaiser.

Allans Krieg

Erwähnt sei, dass das Hotel Askania auch eine Rolle in einem Buch des Franzosen Emmanuel Guibert spielt. Es trägt den Titel Allans Krieg. Die Erinnerungen des GI Alan Cope und wurde 2010 zuerst in Frankreich veröffentlicht.

Das Buch, eine graphic novel, die 2010 auch auf Deutsch erschienen ist, erzählt die Geschichte, Erlebnisse und Erinnerungen des amerikanischen GI Alan Cope im Zweiten Weltkrieg, den Guibert persönlich kannte. Auch Bad Wiessee und das 1945 von den Amerikanern beschlagnahmte Hotel Askania, in dem Alain Cope damals logierte und das auch abgebildet ist,  kommen  darin vor.

Guibert hat die damalige Ankunft des GI in Bad Wiessee und sein Unterkommen im Hotel Askania 1945 so beschrieben:

„In den frühen Morgenstunden erreichten wir ein kaum beleuchtetes Dorf. Wir sind da. Fahr geradeaus zu deiner Unterkunft. Halt an - hier ist es. Ich hatte in nur einer Nacht Autofahren gelernt. Ich war zufrieden mit mir. Ein Soldat soll den Jeep parken. Nimm dein Zeug und ruh dich aus. Okay danke. Ein Unteroffizier empfing mich. Wie geht’s? Komm mit, du kannst dir ein Zimmer aussuchen. So freundlich hatte schon seit Beginn des Krieges niemand mehr mit mir gesprochen. Vom den Unteroffizieren war ich eher Gemeinheiten gewohnt. Es gibt noch zwei oder drei leere Zimmer. Schau sie dir an und such dir eines aus. Dieses hier hat einen Balkon. Das nehme ich. Beim Einschlafen dachte ich: „Ich muss im Himmel sein“. Ich wachte auf, es war schon früher Nachmittag. Als ich hinunterging, sagte mir der Unteroffizier, der See heiße Tegernsee und das Städtchen Bad Wiessee. Wir waren am südlichsten Zipfel Bayerns, nahe der österreichischen Grenze.“ (S. 198f.)

Der Autor Emanuel Guibert hat auch selbst im Hotel Askania logiert, als er die Recherchen für sein Buch über den GI Alan Code machte. Er schreibt:

„Immer noch in Bayern, diesmal im Süden, logierte ich im Kurheim Askania am Ufer des Tegernseers, das 1945 von der amerikanischen Armee beschlagnahmt worden war, und dessen heutiger Besitzer der Enkel des damaligen ist. Alan hatte dieses Hotel in sehr lebendiger Erinnerung behalten, vor allem die spektakuläre Aussicht über den See.“

Vom Hotel Askania geht man jetzt durch die Hirschbergstrasse zum Hotel Rex.

6.Station: Hotel Rex

Wie das Hotel Askania ist auch das Hotel Rex ein traditionsreiches Hotel, dessen Geschichte und Erfolg eng mit dem Jodschwefelbad verbunden sind. Das Hotel Rex, das zuerst Pension Beil hiess, wurde von der Familie Beil um 1900 gegründet. Bis heute ist es in den Händen der Beils, die auch weiterhin ihr Traditionshaus lenkt und in die Zukunft führt.

Die Pension Beil wird zum Hotel Rex

Die Geschichte beginnt mit Maria Beil. Sie war es, die 1901 mit ihrem Mann Michael die „Pension Beil“ am Tegernsee gründete, durch den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik führte.

In den 1920er Jahren, nachdem aus Wiessee 1922 der Kurort geworden war, änderte auch das Hotel seinen Namen. Aus der Pension Beil wurde das „Kurheim Rex“.

Dazu gibt es eine schöne Geschichte. Als König Ferdinand von Bulgarien in den Jahren 1920 bis 1923 gleich dreimal zur Sommerfrische und zum Kuraufenthalt ins Jodschwefelbad an den Tegernsee kam, logierte er in der Pension Beil, wurde „Stammgast“. Zu Ehren des berühmten Gastes benannte Maria Beil die Pension Beil nun in Kurheim „Rex“  um. Rex ist der lateinische Begriff für „König“. Damals wurde also das heutige „Hotel Rex“ geboren.

In der schon erwähnten Werbebroschüre des Jodschwefelbades aus dem Jahr 1931 findet man auch eine Werbe-Anzeige für das Hotel Rex. In der Anzeige präsentiert Maria Beil das Kurheim Rex vor einer atemberaubenden Kulisse, preist es als „führendes Haus am Platze“ an und zählt all seine Vorzüge auf, die moderne Ausstattung, die Nähe zum Jodschwefelbad, den herrlichen Blick auf Berge und See und eine vorzügliche diätische Küche: 

Kurheim Rex - Bad Wiessee

Telefon 4351 Amt Tegernsee – Telegr.-Adr.: Rex Bad Wiessee - 5 Min. zum Badehaus des Jod- und Schwefelbades. Das führende Haus am Platze mit neuest. Komfort in staubfeiner, ruhiger Lage, herrliche Aussicht auf See u. Gebirge. Garten, Freiterrasse, Glasveranda. Modern eingerichtet Schlafzimmer mit geräuschlos fließendem Warm- und Kaltwasser, Warmwasserheizung, Liegebalkons, Gesellschaftsräume, Lift. Anerkannt erstklassige, diätetische Küche. Gespeist wird an kleinen Tischen. Zimmer inkl. Pension von R m 8. – an. Besitzer M. Beil

In dem bereits erwähnten Theaterstück Wonderbron aus dem Jahr 1926 kommen auch Frau Beil und ihr Hotel Rex vor. Im vierten Akt erlebt man ein Zusammentreffen von Prof. Fresenius aus Wiesbaden und der Pensionsinhaberin Frau Beil. (Szene-Foto: Theater 4. Akt) Prof. Fresenius, der das Wasser der Jodschwefelquelle in Wiesbaden balneologisch untersucht hat, kommt nach Bad Wiessee um die Wunderquelle mit eigenen Augen zu sehen. Zufällig landet er bei Frau Beil. Als er von ihr wissen will, wo sich die Wunderquelle befindet, weisst sie ihn zum Bohrturm, sagt, dort werde er das stinkende Wasser finden, dass einen ohnmächtig mache. Fresenius klärt sie darüber auf, dass das Wasser, welches Herr Stoop angebohrt und analysiert hat, tausendmal mehr wert sei als die Erdölquelle:

Zittern Sie nicht mein Kind - zittern Sie nicht. Sie sind die Erste, die es hört: Nutzen Sie es zu Ihrem Vorteil.

Nun, dies ist die Quelle, von der in allen Sagen und Mythen gesprochen wird. Hören Sie zu:

Dies ist die Quelle der Schönheit, denn wer darin badet, bekommt eine makellose weiße Haut und Frauen. . . hm ... Frauen, die sonst ein Rasiermesser brauchen, können damit in Zukunft Karotten kratzen.

Es ist der Jungbrunnen. Weil, wer krumm und verbogen von Feuchtigkeit und Alter und abgehalfterten Gliedern sich hierhinschleppt, der wird bereits nach dem zweiten Bad in diesem jugendlichen Gewässer, schnell wie eine Gämse und unternehmungslustig wie der Alpenjäger nach Hause zurückkehren.

Es ist die Quelle des Lebens. Denn diejenigen, deren Tage gezählt sind, werden, dieses Wasser trinkend, dieses Elixier, das vom Tag der Schöpfung an bis zum heutigen Tag die wundersamsten Kräfte von Mutter Erde absorbiert hat, wieder Zukunft vor sich sehen.

Als Frau Beil von Fresenius erfährt, dass Wiessee zum Badeort werden soll, macht sie das nicht  lange traurig, sie beschliesst schnell daraus Vorteil zu schlagen. Ganz in der Nähe des  Jodschwefelbades will sie ihr Hotel Rex führen. Während sie sich ihren Zukunftsträumen hingibt, singt sie das Lied Mutterseelen allein (https://www.youtube.com/watch?v=0SCmVdRHB4A)

„Frau Beil singt (Musik "Mutterseelen allein"):


Es war so still stets in Wiessee
Nun wird die Ruh' zerstört
Und unser schöner Tegernsee
Wird bald ein Bade-ort.

Ich baue schnell ein gut's Hotel
Ganz nahe an dem Quell'

Und kommen hohe Gäste zu mir
So nenn' ich's Pension Rex! Ha Rex soll es sein, Der Name ist fein!
Die Gäste ziehen ein ...

Ich schenke den Wein

Bin nicht mehr allein!

Das ganze Hotel nenn' ich mein!

Vom Hotel Rex begibt man sich nun in die Ortsmitte zum Lindenplatz.

7.Station: Mönchsboot am Lindenplatz

Mitten im Herzen von Bad Wiessee, an der Ostseite des Lindenplatzes, befindet sich ein Kunstwerk, eine 6 m lange und 15 Tonnen schwere Skulptur, die der Valleyer Bildhauer Karl Jakob Schwalbach (*1937) geschaffen hat: die Brunnenanlage „Boot des Mönchs“. 

Dieses Monument, das am 20. Mai 2000 in Bad Wiessee feierlich eingeweiht wurde, lädt zum Sitzen und Verweilen ein. Es greift die historische Entstehung und Entwicklung Bad Wiessees zum Kurort auf, stellt seine Alleinstellungsmerkmale in den Mittelpunkt und Zusammenhang. Es erinnert an die Entdeckung des Erdöls durch einen Mönch im Mittelalter und an die Pionierleistung von Adriaan Stoop, der Bad Wiessee durch die Erbohrung der Jodschwefelquelle zu einem florierenden Kurort gemacht hat.

Zu sehen sind: Ein tonnenschweres, zweiteiliges Granitboot mit einer Bodensonnenuhr und einem Trinkwasserbrunnen, drum herum sechs Sitzsteine. Im April 2020 wurde das zweiteilige Boot aus österreichischem Granit mit einem 50 Tonnen Autokran installiert.

Zwei Meilensteine

In einer Inschrift in der Bodensonnenuhr auf der linken Seite werden die beiden Meilensteine genannt, die Bad Wiessee verändert haben: Wie 1430 (1441) ein Mönch in seinem Boot im gegenüberliegenden St. Quirin einen schlierigen Streifen auf dem Spiegel des Tegernsees entdeckte – eine Legende, wie sie auch oben an der Quirinuskapelle bei Rohbogen dargestellt ist, – und wie der niederländische Bergbauingenieur Adriaan Stoop im Jahr 1909, Deutschlands stärkste Jodschwefelquelle entdeckt hat, was zur Grundlage der Entwicklung Wiessees zum Heilbad wurde:

Im Jahr 1430 sah ein Benediktinermönch nach der Abendmesse in St. Quirin einen leuchtenden Streifen am Westufer. Er ruderte über den See, folgte den Ölschlieren und fand eine Steinölquelle. Dieses Oleum sancti Qurini wurde von der Klosterapotheke bis zur Säkularisation im Jahre 1803 mit grossen Heilerfolgen vertrieben. Nach der Klosteraufhebung bohrten viele nach Öl. Der holländische Mineningenieur Adrian Stoop wurde im Bohrloch III. im Mai 1909 bei 714 Meter Tiefe fündig. Statt Petroleum spritzte ein Jod-Schwefel-Sprudel aus der Bohrung. Diese Jod-Schwefel-Quellen wirken auch heute noch.

Vom Lindenplatz aus begibt man sich jetzt an den See und biegt zur linken Hand in die Seepromenade ein.

8. Station: Pavillon an der Seepromenade

Entlang der insgesamt etwa 5 Kilometer langen Seepromenade von Bad Wiessee, wohl einer der schönsten am Tegernsee, liegen die beiden Schifffahrtsanlegestellen Abwinkl und Ortsmitte.

Nachdem Bad Wiessee dank Adriaan Stoop 1922 Kurort geworden war und damit einhergehend  ein beständiger Ausbau des Ortes stattfand, schuf man Jahr 1929 auch eine Seepromenade. Es war auch das Jahr, in dem der Betriebsdirektor des Jodschwefelbads André Driessen sein 25jähriges Betriebsjubiläum feierte und Adriaan Stoop Ehrenmitglied des Roten Kreuzes in Tegernsee wurde.

Der Pavillon, der heute an dieser Stelle steht, hat eine lange Geschichte. Auch er stellt einen Erinnerungsort an das Jodschwefelbad der Niederländer dar. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und die Entwicklung des Jodbades damals stagnierte, entschloss man sich dann 1917 direkt neben das Jodschwefelbad eine halb offene hölzerne Wandelhalle zu bauen. In ihr sollten die Kurgäste bei schlechtem Wetter das Jod-Wasser, das langsam beim Spazierengehen getrunken werden musste, zu sich nehmen können.

Von dieser ersten Wandelhalle, die bis 1934 neben dem Jodschwefelbad stand, sind einige Fotos überliefert. 

Als Anfang der 1930er Jahre die Kurbehandlungen auf über 120.000 angestiegen waren, stellte man fest, dass die alte Holzhalle zu klein geworden war. Anlässlich des 1935 anstehenden Jubiläums entschied man sich wie bereits erwähnt für den Bau einer neuen Wandelhalle. Bevor diese 1934/35 von dem Architekten Bruno Biehler gebaut wurde, riss man die alte hölzerne Wandelhalle ab und verlegte sie hierher an die Seepromenade, wo die Überdachung noch bis in die 80er Jahre stand, dann aber abgerissen wurde. Übriggeblieben ist heute allein der früher in die Wandelhalle integrierte Pavillon. Noch heute steht er hier, renoviert und etwas verändert. 

Vom Pavillon aus geht man weiter an der Seepromenade entlang bis man zum Strandbad Grieblinger kommt. Hier führt der Weg über den Breitenbach  in die Anton-von-Rieppel Strasse.

9. Station: Früheres Haus Jungbrunnen, Anton-von-Rieppel-Straße 7

Geht man die Anton-von-Rieppel Stelle so lange, bis sie in die Wilhelmina Strasse mündet, und blickt von dort nach oben auf die Anhöhe, sieht man dort einen Neubau stehen. Genau an dieser Stelle stand früher das sogenannte Haus Jungbrunnen, das 2010 abgerissen wurde. 

1926 hatte Adriaan Stoop ein Grundstück neben dem Franzosenwald mit einem Blick über das Tegernseer Tal und in der direkten Nähe des Kurbads erworben. Noch im gleichen Jahr liess er dort ein gemütliches Landhaus im voralpenländischen Heimatstil nach den Plänen des Gmunder Architekten Alois Degano errichten. Es sollte als Ferien- und Gästehaus für den Gründer und Haupteigentümer des Jodschwefelbads Adriaan Stoop und seine Familie sowie für weitere Teilhaber der Jodschwefel GmbH dienen.

Es wurde damals auf den Namen „Jungbrunnen“ getauft und ein Schild mit diesem Namen an das Haus angebracht.

Neben der Haustür von Haus Jungbrunnen, befand sich damals auf einem weiteren Schild ein schönes niederländisches Gedicht, mit dem die Kinder der Stoops ihren Eltern zu Ehren das Haus einweihten. Das Bestreben der Eltern Stoop, andere glücklich zu machen, wurde hier mit der Wasserquelle verglichen, die unerschöpflich, warm und wolltätig entspringt: 

Aan onze ouders

Gelyk de bron die warm en weldoend 

Opwelt, zich niet uitput in het geven,

Zoo is, met nooit verflauwend streven

De geest waaruit dit huis ontstond:

Een liefde die haar volst beleven

Steeds in’t geluk van anderen vond.

Auf Deutsch: An unsere Eltern

So wie die Quelle, die warm und wohltuend

Aufwallt, sich nicht erschöpft im Geben,

So ist, mit nie nachlassend‘ Streben

Der Geist, aus dem dies‘ Haus entstand:

Eine Liebe, die ihr vollstes Erleben

Stets im Glück von anderen fand.

(Übersetzung Allard Everts)

Der Name Jungbrunnen

Dass Adriaan Stoops Haus auf den Namen Jungbrunnen getauft wurde, verwundert nicht. Tatsächlich taucht der von einem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren stammende Name Jungbrunnen, schon damals immer wieder als ein poetisches Synonym für das Jodschwefelbad auf. Überlieferte Prospekte aus den 1920er und 1930er Jahren setzten bei der Bewerbung des Jodschwefelbads am Tegernsee nicht nur auf die Einzigartigkeit seiner Heilquellen im deutschlandweiten Vergleich, sondern zogen noch einen weiteren Trumpf aus der Tasche: den vom „Jungbrunnen“, der vorzeitigem Altern vorbeuge und das Leben verlängere. 

Eine klare Parallele zu unseren modernen Zeiten, in denen das Streben nach Alterslosigkeit höchste Priorität hat. Der Traum von der ewigen Jugend ist einer der ältesten der Menschheit. Recherchiert man heute die Begriffe „Wellness“, „Entspannung“, „Kuren“ oder auch „Erholung“, so trifft man auch heute stets auf den Terminus des „Jungbrunnens“, der inzwischen für alles Mögliche herhalten muss.

Tatsächlich hat man es beim Motiv des „Jungbrunnens“ mit einer jahrtausendealten Vorstellungswelt und Geschichte zu tun. Grundlage dafür ist ein in vielen Kulturen entwickelter Schöpfungsmythos, in dem das Wasser eine Hauptrolle spielt. Aus ihm entstand alles Leben, es ist lebensbestimmend und -erhaltend. Mit dem Wunsch, die naturgemäße Alterung und den Verfall aufzuhalten, Schönheit, Gesundheit, blühendes Leben aufrechtzuerhalten, sind seit jeher Vorstellungen von Wasser als Symbol eines elementar verjüngenden Mediums verbunden und Leben, Wasser und Brunnen eng miteinander verknüpft. Dies spiegelt sich in verschiedensten Kulturen in zahlreichen Badeanlagen und -riten bis hin zu heutigen Orts- und Flurnamen.

Haus Jungbrunnen nach 1935

Als Adriaan Stoop 1935 starb, erbten seine Kinder das Haus. Von 1938 bis 1946 bewohnte es die Van Duyckink Sander Familie mit Tochter Henriette, spätere niederländische Historikerin. Henriette van Voorst Vader, die in Bad Wiessee in ihrer Jugend lebte, weil ihr Vater hier als Prokurist des Jodschwefelbades arbeitete, war diejenige, die 1995 eine Biographie über ihren Urgrossvater Adriaan Stoop schrieb und unter dem Titel: Leven en Laten Leven veröffentlichte. Auf Deutsch: Leben und Leben lassen. Dieses Motto war laut Nachfahren von Adriaan Stoop auch die Lebensphilosophie von Adriaan Stoop und seiner Frau. 
 

Nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1946 bis 1955, beschlagnahmten und bewohnten amerikanische Offiziere das Haus. Erst 1956 wurde es wieder an die Stoop Familie zurückgegeben. Bis in die 1970er Jahre nutzten die Nachfahren und Erben Stoops sowie weitere Teilhaber das Landhaus als Gästehaus und als Zeichen ihrer Verbundenheit mit Bad Wiessee. Schliesslich siegte die Reiselust der Familie über die Nostalgie. Ferne Urlaubsziele wurden attraktiver. Haus Jungbrunnen wurde von ihnen verkauft und stand über 10 Jahre leer. Im Frühling 2010 wurde ganz abgerissen. Versuche es unter Denkmalschutz zu stellen, blieben erfolglos. Übrig geblieben sind viele Fotos und Gemälde.

Hierauf folgend geht man nun an die Orte, an denen sich die beiden Jodschwefelquellen befinden, aus denen das Jodschwefelbad bis heute sein Jodschwefelwasser gewinnt. Dazu begibt man sich in die Wilhelminastrasse und läuft sie in Richtung See herunter.

10. Station: Königin Wilhelmina Quelle

Wie schon der Name nahelegt, findet man in der Wilhelminastrasse die Wilhelmina Quelle, die 1930 von Adriaan Stoop als zweite Jodschwefelquelle erbohrt und nach seiner Frau und der niederländischen Königin Wilhelmina benannt wurde. Das kleine mehreckige Holzhaus mit der Aufschrift Wilhelmina Quelle hat 1930 der Gmunder Architekt Alois Degano errichtet, derjenige, der auch das Badehaus des Jodschwefelbades und Haus Jungbrunnen gebaut hat. 

Direkt an der Strasse steht ein grosses blaues Metall Schild, auf dem man über alle relevanten Daten zu dieser Quelle informiert wird: wann sie erbohrt wurde, in wieviel Meter Tiefe und wie ihr Jodschwefelwasser gefördert wird, aus welchen Kat- und Anionen dieses Heilwasser zusammengesetzt ist, und gegen welche Leiden es alles wirkt Wilhelmina Quelle:

Benannt nach der niederländischen Königin Wilhelmina. Erbohrt im Jahr 1930, erschlossen in 632 Meter Tiefe - renoviert im Jahr 1989. Förderung aus ca. 371 Meter Tiefe durch die Tiefkolbenpumpe mit Hilfe eines sogenannten Pferdekopfpumpenbocks und Elektromotors, Ergiebigkeit 80 l/min. Deutschlands stärkste jod-, Schwefel und fluoridhaltige Natrium-Chlorid-Quelle.(…) Die Kurindikationen des Heilwassers sind: Erkrankungen des Herz-, Gefäß- und Kreislaufsystems, Erkrankungen des rheumatischen Formkreises, Gelenke, Wirbelsäule, Muskulatur, Erkrankungen der Atemwege, Augenkrankheiten, Hautleiden. Abgabe ausschliesslich im Kurmittelhaus der Jod-Schwefelbad Wiessee GmbH.

Bereits ab Mitte der 1920er Jahre hatte der wechselnde Wasserdruck in der König Ludwig III. Quelle Adriaan Stoop Sorgen bereitet. Weil Stoop nicht mehr von einer Quelle allein abhängig sein wollte, liess er im Jahr 1930 zur Absicherung des Bades eine zweite Tiefenbohrung an diesem Ort ausführen. Tatsächlich erbohrte man dabei in 632 Metern eine neue Quelle. (altes Foto, dass den Bohrturm der Wilhelmina Quelle zeigt) Man stellte fest, dass die neuentdeckte Wilhelmina Quelle in der Zusammensetzung der König Ludwig Quelle glich und nur die Temperatur eine andere war. Sie betrug 17,1 Grad, die der König-Ludwig-Quelle hingegen 21 Grad.) Seit 1930 stand das Jodschwefelbad also auf zwei Füssen.

1989 wurde die Wilhelmina-Quelle zuletzt saniert. Man brachte neue Stand- und Förderrohre in das Bohrloch ein und installierte eine neue Pferdekopfpumpe. Die Arbeiten waren zeitweise sehr heikel. Letztlich aber ging alles gut.

Gefunden 1930, erschlossen in 632 Meter Tiefe, renoviert im Jahr 1989, fördert die Wilhelmina -Quelle bis heute aus ca. 371 Meter Tiefe das Jodschwefelwasser durch Tiefkolbenpumpung mit Hilfe eines sogenannten Pferdekopfpumpenbocks und Elektromotors und einer Ergiebigkeit von 80 l/m.

Geht man von der Wilhelmina Quelle auf der rechten Strassenseite weiter in Richtung See, erreicht man nach nur wenigen Metern die Adrianus-Quelle, die sich gegenüber dem heutigen neuen Jodschwefelbad in dem schwarz getönten Glashaus befindet.

11.Station: Adrianus Quelle

Die Adrianus-Quelle und die sie fördernde Pumpe befinden sich direkt gegenüber dem neuen Jodschwefelbad in einem schwarzen Glashaus. (Schild) Nach der König Ludwig-Quelle (1909) und der Wilhelmina-Quelle (1930) wurde die Adrianus-Quelle als dritte Jodschwefelquelle im Jahr 1978 erbohrt.

Auch über die Adrianus-Quelle informiert ein blaues Metallschild über alle relevanten Daten: Entdeckung, Name, Art der Förderung, Zusammensetzung und Heilwirkungen:  

Deutschlands stärkste jod-, Schwefel und fluoridhaltige Natrium-Chlorid-Quelle

benannt nach dem niederländischen Bergbauingenieur Adrian Stoop, Begründer des Jod- und Schwefelbades Wiessee: Erbohrt im Jahre 1978, erschlossen in 634 Meter Tiefe. Förderung aus ca. 394 Meter Tiefe mit Hilfe von einer sogenannten Pferdekopfpumpe. Hubzahl 16 pro Minute Ergiebigkeit 96 l. pro Minute.(…)

Die Kurindikationen des Heilwassers sind: Erkrankungen des Herz-, Gefäß- und Kreislaufsystems, Erkrankungen des rheumatischen Formkreises-, Gelenke, Wirbelsäule, Muskulatur, Erkrankungen der Atemwege, Augenkrankheiten, Hautleiden. Abgabe in Form von Wannen- und Sprühbädern, Viercellenbädern, Inhalationen, Augen-Aerosol Iontoersebädern ausschließlich im Kurmittelhaus der Jod-Schwefelbad Wiessee GmbH.

Wie schon bei Station 3 erwähnt, musste das Jodschwefelbad 1974 einen herben Rückschlag hinnehmen: Die König-Ludwig-Quelle eruptierte, jede Menge Paraffin wurde herausgeschleudert. 1978 wurde der Förderbetrieb dann ganz eingestellt und es gab nur noch die Wilhelmina Quelle.

Zur erneuten Absicherung des Bades führte man wie zuletzt 1930, auch diesmal wieder eine neue Bohrung durch und wurde fündig. In 643 Metern Tiefe erbohrte man an hier an diesem Ort nun die sogenannte „Adrianus-Quelle“, benannt nach und zu Ehren des niederländischen Bergbauingenieurs und Begründers des Jodschwefelbades Bad Wiessee Adriaan Stoop. Bereits 1979 wurde sie in Betrieb genommen.

Mit der Adrianus-Quelle hatte das Bad seit 1979 also erneut zwei Standbeine. Die Adrianus-Quelle und die Wilhelmina-Quelle, sind noch heute in Betrieb. Sie sind es, von denen auch das neuerbaute Jodschwefelbad Wiessee sein Wasser erhält.

Schliessung des traditionsreichen Jodschwefelbad durch die Niederländer

1988 stellte sich als erfolgreichste „Nachkriegsjahr“ des Jodschwefelbads heraus. Mit der Gesundheitsreform im Jahr 1989, die das Ende vieler Bäder in Deutschland einläutete, ging es dann bereits ein Jahr später stetig mit dem niederländischen Schwefelbad bergab. Die Zahl der Anwendungen nahm ab und das Gesundheitszentrum Jod-Schwefelbad GmbH rutschte in die roten Zahlen.

1997 war dann in mehrerlei Hinsicht ein einschneidendes Jahr. In ihm feierte der Kurort das 75-jährige Jubiläum seiner Bad-Ernennung. 1997 wurde es zudem möglich, in unmittelbarer Nachbarschaft des Bads, im Hotel Terrassenhof, das ganze Jahr über Jod- und Schwefelbäder zu nehmen. 1997 war aber vor allem auch das Jahr, in dem die holländischen Eigentümer ihr traditionsreiches Bad schlossen.

Bereits ein Jahr später wurde es allerdings mit Unterstützung der Gemeinde und einer Solidargemeinschaft durch einen privaten Betreiber wiedereröffnet. 2001 übernahm dann die Gemeinde Bad Wiessee als Pächterin das Jodschwefelbad in Eigenregie mit Unterstützung einer Solidargemeinschaft.

Verkauf des Jodschwefelbads an die Gemeinde Bad Wiessee

Im Herbst 2011 verkauften die niederländischen Eigentümer (nach zehn Jahren Verhandlungen) dann schliesslich das komplette Areal um das Jodschwefelbad für zwölf Millionen Euro an die Gemeinde Bad Wiessee.

Am 12. Oktober 2011 informierten Bürgermeister Peter Höß und die Fraktionssprecher Fritz Niedermaier (FWG), Bernd Kuntze-Fechner (SPD) und Kurt Sareiter (CSU), der Architekt und Städteplaner Eberhard von Angerer darüber, dass die Gemeinde den Grund kaufen würde. Das Areal umfasste rund 100.000m2. Dazu gehörten das Jodschwefelbad, der Badepark, die Wandelhalle, die Tennisanlage sowie alle Nebengebäude und weitere Flächen inklusive eines Seegrundstücks am Strandbad. Auch die Gesellschaften, die Jodschwefel GmbH und die Jungbrunnen GmbH, wurden gemeinsam mit den Quellrechten übernommen. Entstehen sollte nun ein neues Bad mit Hotelanlage. Von Anfang an plante man dabei den größten Teil des alten niederländischen Jodschwefelbads abzureissen. Stehen lassen wollte man allein die alte Wandelhalle. Eberhard von Angerer sah in ihr die zukünftige Keimzelle eines neuen Areals. Park und Pavillon mit Blick zum See sollten ebenfalls unangetastet bleiben.

Der Südtiroler Architekt Matteo Thun entwickelt 2013 ein neues Kurviertel- Konzept

Auf einer Pressekonferenz am 12. Juni 2012 wurde bekannt gegeben, dass der Südtiroler Architekt Matteo Thun und die österreichische Firma PKF für die weitere Entwicklung des Bads verantwortlich zeichnen sollten. Nicht weniger wichtig als Architektur und Wirtschaftlichkeit sah man in Bad Wiessee die zukünftige medizinische Ausrichtung als von Bedeutung. Man war der Auffassung, dass die in vielen Behandlungsmethoden entfaltete Wirkung des stark basehaltigen Wassers wieder in den Mittelpunkt gerückt und genutzt werden sollte. Um dies zu erreichen, wollte man sich von Ärzten verschiedener Fachbereiche beraten lassen.

Abriss des alten Jodschwefelbads 2018

2013 entwickelte Matteo Thun ein neues Kurviertel-Konzept. 2018 erfolgte der Abriss des alten Jodschwefelbads. Am 17. Mai 2018 wurde der erste Spatenstich für das neue Jodschwefelbad zelebriert. Der eigentliche Baustart auf dem Gelände fiel auf die Woche ab dem 8. November 2018. Im Juni 2020 wurde das Jodschwefelbad Wiessee neu eröffnet.