Almabtrieb
Tradition & Brauchtum
Treib’ ma hoam
Der Almabtrieb gilt als Dank für einen guten Almsommer
Am Morgen hat Almbauer Rainer Bierschneider mit seiner Familie und Helfern die etwa 25 Rinder und Jungtiere zur Königsalm getrieben, nachdem sie den Sommer auf der Schönleitenalm waren. Jetzt wird „aufgebuscht“ – jeder Handgriff sitzt. Bereits seit Monaten hat Ehefrau Andrea Bierschneider in zeitaufwendiger Handarbeit unzählige Papierblüten gedreht und die Männer haben zuletzt noch Almrausch und Latschenzweige geschnitten. All das wurde gemeinsam zusammengefügt – entstanden sind die Aufstecker und Kränze für die Häupter, Bauchkränze, Kreuze und die große Krone, die das Leitrind trägt. Zuletzt werden noch die Glocken verteilt.
„Wenn die Tiere nach dem Schmücken ins Freie gelassen werden, wissen sie genau, dass es nach Hause geht“, sagt der Almbauer. Hinab gehen auch die Schafe, die ebenfalls Almsommerfrischler waren, und zwei der prächtigen Kaltblüter – Rainer Bierschneiders ganzer Stolz. Im Tal gibt es Kaffee und Kuchen für alle Helfer. Die Tiere werden abgeschmückt und dürfen noch drei bis vier Wochen auf die Duslau Alm unterhalb des Leonhardsteins.
Auf dem Hochleger in den Blaubergen hat ein Senner während des Sommers die Tiere versorgt und die Almwiesen gepflegt. Währenddessen hatte die Almbauernfamilie am Handlhof, der auf das Jahr 1512 zurückgeht, alle Hände voll zu tun: mit den Milchkühen, den kleinen Kälbchen und den Urlaubsgästen. Von denen kommen viele schon seit Jahrzehnten. „Aus Gästen sind Freunde geworden, die manchmal morgens um fünf im Stall helfen und auch beim Almabtrieb gern dabei sind“, freut sich auch Vater Sepp Bierschneider.
„Unsere Gäste dürfen teilhaben am echten Almbauernleben“, so Rainer Bierschneider. Auch zur Leonhardi ist das Gästehaus Eck am Handlhof die ganze Woche ausgebucht. Dann kommen die prächtigen Noriker Tigerschecken zum Einsatz, herausgeputzt mit traditionellen, federkielbestickten Zaumzeugen. „Das ist unsere Art, eine alte Nutztierrasse am Leben zu erhalten“, erläutert er. Almabtrieb und Leonhardiritt – das sind gelebte Bräuche, ganz im Sinne der Bergsteigerdorf-Philosophie. Ohne die Almbauern gäbe es sie schon längst nicht mehr.
Handlhof/Gästehaus Eck
Kirchberg 10, 83708 Kreuth
www.gaestehaus-eck.de





