Königsalm Mehringer, © Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)

Schwenden

Nachhaltige Almwirtschaft

Schwenden auf der Königsalm mit Almpächter Andreas Mehringer

Ohne das Schwenden würden die Almen in rasantem Tempo verschwinden – und mit ihnen eine ganze Kulturlandschaft.

Der jüngste Sohn vom Mühlauer Hof in Kreuth hat die Königsalm seit 2015 gepachtet. Andreas Mehringer kennt die rund 105 Hektar große Alm seit seiner Kindheit, als er seinen Vater bereits regelmäßig begleiten durfte. Heute unterstützt der Vater seinen Sohn tatkräftig. Auch der Rest der Familie hilft mit. „Allein würde es nicht gehen, nur miteinander“, so der junge Almpächter. Im Frühjahr beginnt die arbeitsintensive Vorbereitung: Zäune kontrollieren und reparieren, Wege freiräumen, Wasserquellen prüfen und Stall sowie Kavaliershaus herrichten. Ab Ende Mai weiden rund hundert Stück Jungvieh sowie einige Pferde auf der Alm.

Mit dem Almsommer kommen auch die Gäste. Sie kommen zu Fuß oder mit dem Rad, manche verbinden den Besuch mit einer Tour auf den Schildenstein. Bevor es zurück ins Tal geht, kehren sie ein und genießen frisch gebackenen Kuchen aus dem Holzofen oder eine zünftige Brotzeit. „Einfach und gut soll es sein“, ist die Devise von Andreas Mehringer. Dabei setzt er bewusst auf regionale Produkte: Der Topfen stammt aus der Naturkäserei, das Brot vom Bäcker Sanktjohanser, der Schnittlauch wächst üppig im Hochbeet, der Hollersirup ist selbstgemacht. Der gelernte Zimmermann hat letztes Jahr neue Tische und Bänke gezimmert, damit sich alle wohlfühlen auf dem gemütlichen, geschützten Platz zwischen Kavaliershaus und Stall – heute und auch noch in vielen Jahren.

Damit das so bleibt, reicht die gute Versorgung von Zwei- und Vierbeinern allein nicht aus. Eine der größten Herausforderungen für den Almpächter ist das sogenannte Schwenden: das Entfernen von aufkommendem Gehölz in aufwendiger Handarbeit. Ohne diese Pflege würden die Almflächen schnell verbuschen und schließlich zu Wald werden. Die Almwiesen sind keine natürliche, sondern eine über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft, die aktiv erhalten werden muss. Diese Landschaft ist nicht nur idyllisch, sondern auch ökologisch wertvoll – wegen der Artenvielfalt. Bis zu 400 Pflanzenarten wachsen hier, darunter seltene Arten wie der Schusternagel-Enzian. Zudem bieten die offenen Flächen Lebensraum für geschützte Tierarten wie Birkhühner und zahlreiche Schmetterlinge. Auch für den Klimaschutz spielen sie eine Rolle: Almwiesen können etwa doppelt so viel CO₂ speichern wie Wald.

Für Andreas Mehringer bedeutet das vor allem eines: dranbleiben. Was die Tiere nicht fressen, muss von Hand entfernt werden – Schritt für Schritt. „Wenn ich immer das große Ganze sehen würde, würde ich denken, das schaffe ich nie“, lacht er. „Aber wenn man jedes Jahr einen Teil schafft, bleibt man auf einem guten Stand.“ Gerade an Tagen mit weniger Gästen nutzt er die Zeit für Außenarbeiten. „Ich mach’s total gern. Man sieht danach einfach, was man geschafft hat.“

Aber er freut sich auch über Unterstützung. Bereits im letzten Jahr gab es eine öffentliche Schwendaktion zahlreicher Freiwilliger. Mit dabei waren unter anderem auch Gebietsbetreuer, Ranger, Bergwachtler und der Alpenverein. Gemeinsam wurde ein großes Stück entlang des Weges zur Geißalm freigeräumt. „In der Gemeinschaft entsteht eine Eigendynamik“, erläutert der junge Almpächter. „Jeder packt an, viele Hände schaffen viel.“ Zur diesjährigen Schwendaktion am 16. Oktober ist jeder eingeladen, der Interesse an Artenvielfalt und Naturschutz hat, gern am Berg ist, zupacken mag und etwas Sinnvolles machen möchte. Im Anschluss gibt es eine gemeinsame Brotzeit und man lässt den Tag miteinander ausklingen in einem guten Gefühl, etwas Sinnstiftendes getan zu haben.

Um den neu geschwendeten Bereich braucht sich Andreas Mehringer dann die nächsten fünf Jahre erst mal nicht zu sorgen, da reicht es, wenn die Viecher drauf weiden. Und abends, wenn es still wird auf der Königsalm? Dann sitzt Andreas Mehringer noch eine Weile draußen, schaut in den Sternenhimmel und denkt, dass alles passt, wie es ist: „Freiheit ist schon schön heroben“, sagt er. „Man merkt, dass man so wenig braucht, um zufrieden zu sein.“

Musi auf der Königsalm mit Nix Hoibat’s Nix Ganz‘: 22.08.2026 (VT: 29.08.2026)

Öffentliche Schwendaktion auf der Königsalm: 16.10.2026 (VT: 17.10.2026)

Impressionen

Schwenden 01, © Der Tegernsee (Ines Wagner)
Schwenden 01

© Der Tegernsee (Ines Wagner)

Schwenden 02, © Der Tegernsee (Ines Wagner)
Schwenden 02

© Der Tegernsee (Ines Wagner)

Musi auf der Königsalm, © Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)
Musi auf der Königsalm

© Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)