Andreas Vogt
Eselwanderungen
Das Tempo herausnehmen, mit Eseln entschleunigt durch die Landschaft spazieren und dabei die sympathischen Langohren und sich selbst ein bisschen besser kennenlernen – das ist das Konzept von Andreas Vogt vom „Eseltreff am Tegernsee“. Er bietet geführte Eselwanderungen an. Im Interview erklärt er, warum Esel keinesfalls „störrisch“ sind und was wir von ihnen lernen können. Er erzählt, was Gäste seiner Eselwanderungen erleben – und wie er mit Yaks, Wasserbüffeln und Ziegen naturverträgliche Landschaftspflege betreibt.
Steckbrief:
Name: Andreas Vogt
Geburtstag: 02.11.65
Geburtsort: Reutlingen
Wohnort: Tegernsee
Worum geht’s? Eselwanderungen im Bergsteigerdorf
Superpower: Tierflüsterer
Wie bist du auf „den Esel“ gekommen?
Inspiriert hat mich vor vielen Jahren ein Bericht im Fernsehen über einen Franzosen, der mit seinem Esel und einem Muli alte Handelswege quer durch Europa gegangen ist. Damals habe ich in Bonn gelebt und dort gab es eine alte Mühle, die war noch ganz traditionell in Betrieb, ohne Lastenlift: Esel haben die Getreidesäcke über eine Stiege hinaufgetragen. Schon dort hatten mich die Tiere fasziniert – ich wollte sie aber nicht als Lastentiere, sondern zur Landschaftspflege und zum Gehen. Daraus sind schließlich die Eselwanderungen entstanden.
Wie alt werden Esel?
Zwischen 40 und 50 Jahre – das älteste Muli bei der Gebirgsjägerkompanie in Bad Reichenhall war 78 Jahre alt. Esel anzuschaffen, ist eine Entscheidung fürs Leben. Du kannst sie nicht einfach wieder abgeben, du wirst Teil der Herde. Meine Esel habe ich so ausgewählt, dass wir zusammen alt werden.
„Du dummer Esel“ heißt es manchmal umgangssprachlich, und „störrisch wie ein Esel“. Sind Esel so, wie es der Sprachgebrauch nahelegt?
Ein Irrtum. Esel sind nicht störrisch, sondern vorsichtig. Sie gehen immer auf 100 Prozent Sicherheit. Wenn ich einen Weg gehen möchte und der Esel möchte erst die unbekannte Situation analysieren, bleibt er so lange stehen, bis er alles eingeordnet hat. Vorher lässt er sich nicht von der Stelle bewegen. Einmal sind die Esel stehengeblieben, als aus dem Wald ein Traktor kam – an sich nichts Ungewöhnliches. Aber er zog Baumstämme hinter sich her. Die Esel hat das Schleifgeräusch irritiert, lange bevor ich es wahrgenommen habe. Erst als sie gesehen haben, was es ist, gingen sie weiter.
Was ist das Besondere an Eseln? Was zeichnet sie aus?
Sie sind loyal und haben ein großes Herz. Es ist beinahe unerklärlich, was die Esel mit den Menschen machen, da läuft etwas im Schwingungsbereich ab. Die Esel schaffen durch ihre Art einen Ausgleich – egal welches Thema die Leute mit sich herumschleppen: Stress, Trauer, Zwänge. Ich hatte bei der Eselwanderung schon Gäste dabei, die sich nicht schmutzig machen wollten, aber am Ende haben sie „ihren“ Esel herzlich umarmt.













