Andreas Vogt Artikel 2

Wann hast du mit den Eseln angefangen?

Das war 2008. Ich war mittlerweile von Bonn an den Tegernsee gezogen und mein Traum war immer noch, mit Eseln zu arbeiten. Am 8. September steckte in meinem Briefkasten das „Gelbe Blatt“ mit einer Anzeige, dass ein Esel zu verkaufen ist. Ich war der Einzige, der sich darauf gemeldet hat. Das war der Caruso. Im Jahr drauf kam der nächste. Die Bedingung der Besitzerin war: „Ich verkaufe Ihnen den Esel nur, wenn er sie haben möchte.“ Sie hatte vier Tiere und wir kamen aufs Feld: „Wer von euch möchte mit Herrn Vogt mitgehen?“, fragte sie. Da hob Dumbledore seinen Kopf und kam auf mich zu.

Inzwischen hast du fünf Esel – jeder hat seine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit?

Dumbledore ist ein reiner Irischer Esel mit typischem geflecktem Fell, mittelgroß und der Chef der ganzen Truppe. Caruso ist größer – ein grauer, deutscher Hausesel. Er stolpert, ist ungeschickt und ein Hans-guck-in-die-Luft. Dann habe ich zwei Zwergesel, Jana und Bella. Jana hat auch das typisch gefleckte Fell vom Irischen Esel. Bella ist ein grauer Esel mit schwarzer Nase. In früheren Zeiten wäre sie ein typischer Schmuggler-Esel gewesen, weil ihre Nase nachts nicht leuchtet. Ludwig ist ein Großer Katalane und sanftmütig. Und dann gibt es noch ein spanisches Muli, Elli. Sie ist eine Kreuzung aus Großem Katalanen und dem Charakter nach muss noch ein „Feuerpferd“ reingekreuzt sein. Sie ist bei den Gebirgsjägern unter Haflinger aufgewachsen und hält sich für einen Haflinger.

Kannst du sie am I-a Schrei erkennen?

Ja, alle! Beispielsweise schreit Ludwig wie eine Schiffsirene und Dumbledore hat einen lauten, langanhaltenden Schrei, mit dem er morgens um sechs Uhr die ganze Umgebung aufweckt.

Was erwartet die Leute, die eine Eselwanderung buchen?

Der Mensch gibt nicht mehr die Geschwindigkeit an, mit der er angekommen ist oder die typisch für ihn ist. Wenn wir starten, weiß der Esel nicht, wo wir hingehen und wie lange es dauern wird. Deshalb wählt er eine Geschwindigkeit, mit der er gleichmäßig den ganzen Tag gehen kann. Wichtig ist festes Schuhwerk und die Bereitschaft, auch ein bisschen schmutzig zu werden, weil die Esel sich gern im Staub wälzen, aufgrund der natürlichen Fliegenabwehr. Auch das Kuschelbedürfnis von Esel und Mensch ist nicht zu unterschätzen. Das ist beiderseitig, auch wenn man sich das zuvor nicht vorstellen kann, und wächst mit der Tour. Außerdem wettergemäße Kleidung, etwas zu trinken, Insektenschutz.