Tegernseer Hütte Textblock 4
Kann man die Tegernseer Hütte in eine Mehrtageswanderung einbinden?
Viele gehen eine größere Runde von etwa einer Woche: über Tölzer Hütte, Lenggrieser und Tegernseer Hütte und von hier aus weiter über Gufferthütte, Blecksteinhaus, Rotwandhaus… Man kann auch eine Teilstrecke gehen: Lenggrieser Hütte – Tegernseer Hütte – Gufferthütte, oder eine Dreitagestour mit Übernachtung auf der Gufferthütte und der Tegernseer Hütte. Manche kommen von der Tutzinger Hütte zu uns, das ist dann ein langer Tagesmarsch. Außerdem gibt es eine Variante der Alpenüberquerung nach Sterzing, da machen auch einige bei uns Station über Nacht.
Was bietet ihr kulinarisch und wer bekommt ein Bergsteigeressen?
Tagsüber gibt’s einfache Speisen und eins, zwei Gerichte auf der Tageskarte. Der kalte Fleischklassiker ist der Wurstsalat. Käse- und Wurstbrot gehen immer gut, bei den Kindern Wiener und Landjäger. Wir haben auch eine Suppenauswahl und wenn es heiß ist, gibt’s mehr kalte Speisen. Vor zwei Wochen hatten wir das erste Mal ein Weißwurstfrühstück. Die Brezn hat Andi frisch vom Bäcker Sanktjohanser geholt, da ist er wieder um vier in der Früh aufgestanden, der Verrückte! Das Bergsteigeressen ist eine vergünstigte Mahlzeit speziell für DAV-Mitglieder.
Die Tegernseer Hütte wird von der Sektion Tegernsee des DAV betrieben und wurde 2020 bis 2023 aufwändig modernisiert. Was hat sich geändert?
Aus Brandschutzgründen wurden die Lager umgebaut. Vorher waren es 38 Lagerplätze, jetzt sind es 21. Dadurch hat sich die Qualität der Übernachtungen wesentlich erhöht – auch für uns. Wir haben erstmals Personalräume bekommen. Diese Privatsphäre ist sehr wichtig und wir bitten auch darum, alle Räume zu respektieren, auf denen „privat“ steht. Außerdem wurde eine Kleinkläranlage mit Mikroorganismen eingebaut. Unser Wasser ist Regenwasser vom Dach, seit 2020 haben wir einen 15.000-Liter-Tank. Trotzdem kann es auch mal knapp werden, wenn es länger nicht regnet, deshalb achten wir darauf, Wasser zu sparen.
Stichwort Wasserknappheit – bemerkt ihr hier oben etwas vom Klimawandel?
Dass Trockenheit immer häufiger vorkommt, bemerken vor allem die Almbauern, weil die Quellen austrocknen. Wir sehen aber auch, wie die Berge auseinanderfallen. Immer wieder kommen Brocken herunter, weshalb auch öfter mal Kletterrouten gesperrt werden müssen. Auch die Gewitter werden intensiver. In diesem Jahr haben wir außerdem zum ersten Mal erlebt, dass zum Saisonstart keine Schneefelder mehr da waren – das gab es die letzten 16 Jahre nicht!
Welche Ausrüstung und Kondition sind wichtig für den Aufstieg zur Tegernseer Hütte?
Eine Überausrüstung braucht man nicht, keine steigeisenfesten Schuhe – aber Bergschuhe oder Berglaufschuhe sind gut, Stöcke auch. Was die Kondition betrifft, man kann sich ja Zeit lassen, vor allem wenn man früh startet. Es kommt aber auch auf das Können an.
Seit Corona zieht es mehr Menschen und vor allem mehr Ungeübte in die Berge, nehmt ihr das so wahr?
Wir haben oft den Eindruck, dass wir für einige Gäste die erste Berghütte sind, die sie in ihrem Leben besuchen. Das Publikum wird weiblicher, jünger, internationaler. Die Leute sind schick angezogen, sie fotografieren sich für Instagram… Aber immerhin, sie schaffen es hochzukommen, das freut uns. Aber besser wäre es, wenn sie sich mehr Gedanken machen und vorbereiten würden. Kürzlich waren drei Leute da, von denen zwei noch nie eine Bergwanderung gemacht haben. Sie sind über den seilgesicherten, steilen Südanstieg gekommen und haben unterwegs Panik gehabt. Aber hinterher waren sie superstolz auf das, was sie erreicht haben. Das ist natürlich gefährlich, weil zwei Faktoren zusammenkommen: Unerfahrenheit und schlechte bis keine Ausrüstung.





