Tanzlmusi 01, © Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)

Tegernseer Tanzlmusi

Heimatsound trifft auf die Welt

Sieben Männer, ein unverwechselbarer Sound und ganz viel bayerische Leidenschaft: Die Tegernseer Tanzlmusi steht seit 20 Jahren für handgemachte Volksmusik mit Herz, Humor und ordentlich Wucht. Ob Waldfest, Oktoberfest oder internationales Event – mit Flügelhörnern, Basstrompeten, Tuba, Gitarre und Steirischer Harmonika bringen die Musikanten aus dem Tegernseer Tal jede Bühne zum Klingen. Wer sie erlebt, spürt sofort: Hier wird nicht einfach Musik gespielt – hier wird bayerische Lebensfreude gelebt.

Steckbrief
Name: Tegernseer Tanzlmusi
Thomas Eberl und Hans Dießl am Flügelhorn, Josef Spiel („Sepp Spiel“) und Josef Stieglmeier an der Basstrompete, Josef Seestaller an der Tuba, Klaus Miller an der Gitarre sowie Klaus Leitner an der Steirischen Harmonika („Ziach“).

Worum geht’s? Bayerisches Lebensgefühl, in Musik transkribiert
Superpower: „Wir spielen unsere Musik und die Welt juchzt mit.“

Wir sprechen mit Thomas Eberl, Flügelhornist und Bandleader…

Viele unserer Gäste verbinden den Tegernsee mit Landschaft, Genuss und Tradition. Welche Rolle spielt Musik dabei?

Zu jedem Fest gehört eine gute Musik – und Feste gibt es viele am Tegernsee! Die Volksmusik hat hier eine lange Tradition. Am Tegernsee fanden schon 1930 mit von Kiem Pauli veranstalteten Preissingen vielbeachtete Sängerwettstreite statt. Dem Volksmusiksammler ist es auch zu verdanken, dass die Blas- und Volksmusik heute noch immer so lebendig ist. Sie spielt eine zentrale Rolle – von den See- und Waldfesten bis hin zum Rosstag, vom Hoagascht bis zur Musi auf der Alm.

Wie klingt der Tegernsee?

Wir haben glücklicherweise eine sehr vielfältige Musiklandschaft. Vom Oimara mit seinem Hit „Wackelkontakt“ über das Internationale Musikfest mit hochkarätiger Klassik bis zur echten Volksmusik ist alles vertreten. Jeder Ort hat seine Blaskapelle und auch in den Trachtenvereinen wird viel musiziert. Es gibt die Alphornbläser, Goaßlschnalzer, Dreigesang, Stubnmusik, Chöre… Da sind wir sehr gut aufgestellt und für jeden ist mit Sicherheit etwas dabei. Die Musikschule Tegernseer Tal ist gut besucht, sodass es auch an Nachwuchs nicht mangelt.

Tanzlmusi 02, © Jan Sauer
Tanzlmusi 02

© Jan Sauer

20 Jahre Tegernseer Tanzlmusi. Was ist euer eigener, ganz unverwechselbarer Sound?

Wir haben angefangen, mit zwei Basstrompeten zu spielen – das ist etwas ungewöhnlich und grenzt uns von den klassischen Tanzlmusik-Besetzung ab. Dadurch spielen wir nicht nur die bayerische alpenländische Volksmusik, sondern auch die Stilistik eines Ernst Mosch aus der Böhmischen Blasmusik und gehen in die Oberkrainer-Richtung. Wir sind so in der Volksmusik sehr breit aufgestellt.

Ist das euer Erfolgsrezept?

Warum das Ganze so erfolgreich ist, ist uns manchmal selbst ein Rätsel… (lacht)

Erzähl kurz was zur Gründungsgeschichte…

Wir waren damals schon ein Freundeskreis von Musikanten und haben in verschiedenen Musikgruppen gespielt. Irgendwann haben wir gesagt: Lasst uns doch was zusammen machen! Es gab eine Findungsphase und einen fließenden Übergang, bis wir auf diese heutige Besetzung gekommen sind. Dass es menschlich sehr gut passt, ist fast noch wichtiger, als perfekte Musik zu machen, weil wir so viel Zeit miteinander verbringen. Die ersten Noten für unser Zusammenspiel haben wir 2006 arrangiert. Daher können wir jetzt 20-jähriges Jubiläum feiern. 

Die Blasmusik- oder Volksmusikszene ist mittlerweile unwahrscheinlich groß geworden, das war nicht immer so…

Als wir damit angefangen haben, war die Blasmusik in der professionellen Musikwelt zunächst eher belächelt oder gar etwas verpönt. Mittlerweile ist sie bei jedem angekommen, auch bei den klassischen professionellen Blechbläsern. Wir haben viele große Fans und Freunde, die in weltbekannten Orchestern spielen – und unsere Musik feiern. Wenn mal Not am Mann ist, helfen uns beispielsweise auch mal Freunde vom Gärtnerplatz-Theater oder der Staatsoper München aus – und haben die größte Freid‘ dabei.

Woher kommt der neue Boom der Blasmusik?

Es ist generell ein Trend, wieder das zu schätzen, was man daheim hat. Das sieht man auch an dem Boom der Tracht. Beispielsweise sieht man auf unseren Waldfesten keinen Einheimischen mehr in Jeans. Alle haben eine g‘scheite Tracht an. Und zu dem Heimatgefühl gehört die Musik dazu. Auch die großen Festivals wie das Woodstock der Blasmusik haben einen Hype ausgelöst. Da kommen etwa 100.000 Leute und feiern – das ist quasi das Rock am Ring der Blas- und Volksmusik! Wahnsinn, was da abgeht. Wir sind jedes Jahr mit dabei.

Ihr habt einen äußerst berühmten Fan: Mick Jagger! Wie kam es dazu, dass ihr an seinem Geburtstag für ihn gespielt habt?

Das war tatsächlich ein Riesending für uns! Wie es zustande kam, darf ich nicht erzählen, aber wir sind ganz gut vernetzt (schmunzelt). Es sollte vorher nichts an die Öffentlichkeit kommen – unsere Musikanten haben bis zur Abfahrt selbst nicht gewusst, wo es hingeht. Wir haben dann im Hotel in Düsseldorf für ihn gespielt und er hat es in seinen Social-Media-Kanälen gepostet. Der Wahnsinn war auch die Presse, die hat sich danach auf uns gestürzt.

Tanzlmusi 05, © Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)
Tanzlmusi 05

© Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)

Ein anderes Highlight im letzten Jahr war das „Bierle in da Sun-Festival“ am Tegernsee, initiiert vom Oimara…

Wir kennen den Oimara seit der Kindheit, wir sind ja quasi alle ein Jahrgang. Er macht zwar ganz andere Musik, aber ihm gefällt auch, was wir machen. Für das Festival auf Gut Kaltenbrunn war das auch eine super Mischung: Zu Beginn der traditionellere Part mit unserer Musik – wir haben dem Publikum schon mal richtig eingeheizt. Dann ging‘s weiter mit dem Oimara – das war eine Megastimmung und mit etwa 6.000 Leuten das größte Festival, das das Tegernseer Tal bisher gesehen hat! Es wird nächstes Jahr wieder stattfinden und wir sind auch wieder mit am Start.

Ihr seid weit über Bayern hinaus unterwegs – wo denn beispielsweise?

Unser Hauptgebiet ist der Alpenraum – Bayern, Tirol und Südtirol. Aber inzwischen bekommen wir immer mehr Anfragen aus Mitteldeutschland, Saarland und dem Westerwald – dort hat jedes Dorf seine eigene Blaskapelle oder einen Musikverein. Hier am Tegernsee spielen wir einen Tag beim Waldfest in Ostin, ansonsten sind die Waldfeste eher Sache der Vereine und örtlichen Blaskapellen. Beim Oktoberfest sind wir auch immer mal wieder dabei. Wir waren oft auf der Oidn Wiesn, aber auch im Käferzelt. Die Oktoberfestzeit ist generell eine heiße Phase. Da ist unser Terminkalender voll mit vielen Veranstaltungen, die im Umfeld des Oktoberfestes stattfinden.

Wie bringt ihr das alles zeitlich unter einen Hut? Ihr habt alle noch Berufe – und Familien?

Keiner von uns macht die Musik hauptberuflich, wir arbeiten alle. Ich bin beispielsweise Musiklehrer für die Blechbläser in der Musikschule Tegernseer Tal bei Erich Kogler. Unsere Familien halten uns den Rücken frei. Sie müssen aber oft zurückstecken und das belastet sie natürlich auch. Neider übersehen manchmal, dass wir die halbe Zeit unseres Familienlebens verpassen. Ich sage daher auch oft: Das Geld, das wir mit der Musik verdienen, ist ja nicht fürs Musikmachen – das machen wir gerne. Wir werden für die Zeit bezahlt, die wir nicht mit unseren Familien verbringen. Die Wochenenden, speziell im Sommer, sind immer mit der Musik ausgebucht.

Wie habt ihr dieses Jahr das Jubiläum gefeiert – 20 Jahre Tegernseer Tanzlmusi?

Zwanzig Jahre sind auf der einen Seite erschreckend, denn das ist eine lange Zeit und wir sind alt geworden (lacht). Unsere große Jubiläumsfeier war im Juni am Niemandsbichl in Ostin, da waren jede Menge Leute da. Das war richtig viel Arbeit, aber Freunde und Wegbegleiter haben uns geholfen. Beim Fest selbst sind wir ja alle die ganze Zeit über beim Arbeiten. Wir haben ein großes Festzelt komplett selbst auf- und abgebaut und von der Kasse bis zum Bierausschank alles mit unseren Freunden selbst gestemmt. Es war eine megatolle Stimmung, wir haben g‘scheit gefeiert!

Wo erlebt man die bayerische Lebensfreude im Tegernseer Tal am authentischsten?

Das Paradebeispiel sind bei uns die Waldfeste – das ist schon fast eine Marke. Da sind Schuahplattler da, Goaßlschnalzer, die Blasmusik, die Trachtentanzgruppen – Maß Bier, Hendl …. mehr Bilderbuchbayern geht eigentlich nicht.

Tanzlmusi 04, © Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)
Tanzlmusi 04

© Der Tegernsee (Thomas Plettenberg)

Musik und Genuss gehören am Tegernsee oft zusammen: Was darf nach einem gelungenen Auftritt auf keinen Fall fehlen?

A guads Bier und a guads Essen! Mehr braucht‘s nicht, und das muss auch keine Sterneküche sein. Ein guter Obazdn und a Brezn dazu, mehr braucht es gar nicht.

Wenn du den Tegernsee in wenigen Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Bilderbuchbayern. Mehr Bayern geht nicht.

Warum ist das so?

Wo hast du auf so engem Raum alles, was man sich vorstellen kann? Kultur, Tradition, Partys, Riesenfeste einerseits – du kannst aber auch deine Ruhe in der Natur haben, beim Wandern oder mit dem Mountainbike. Da wird es wenig Orte auf der Welt geben, wo du all das beieinander hast.

Welche Plätze im Tegernseer Tal würdest du Gästen empfehlen, die das „echte Tegernsee-Gefühl“ erleben möchten?

Sie sollen ins Bräustüberl gehen, auf ein Waldfest und einmal auf den Berg hinauf. Dann haben sie auf der einen Seite mal den Trubel gesehen, aber auf der anderen Seite auch Natur erlebt. Sie sollten nicht unbedingt mit der Wallbergbahn hochfahren, sondern mal selbst zu Fuß auf einen Berg hochgehen, wo nicht so viel los ist.

Weitere Infos gibt’s auf der Seite der Tegernseer Tanzlmusi.

Impressionen

Tanzlmusi 06, © Urs Golling
Tanzlmusi 06

© Urs Golling

Tanzlmusi 07, © Dominik Schachten
Tanzlmusi 07

© Dominik Schachten

Tanzlmusi 08, © Jan Sauer
Tanzlmusi 08

© Jan Sauer