Caro Machl DAV 004, © Ines Wagner

Caro Machl

Deutscher Alpenverein (DAV)

Die Leiterin der Geschäftsstelle Sektion Tegernsee ist Diplom Sportökonomin und arbeitet auch als Natur- und Gesundheitscoach. Wir waren mit ihr wandern und haben über die Schönheit, aber auch die Tücken der Tegernseer Berge gesprochen. Sie gibt Tipps zur Tourenplanung, Wanderausrüstung und dem Kartenmaterial. Außerdem erzählt sie von der Sektionsarbeit und der legendären Tegernseer Hütte. Zum Schluss gibt’s noch Tipps zum Stressmanagement: Ganz einfach, ab in die Berge! Warum? Steht hier…

Steckbrief:
Name: Caro Machl
Geburtstag: 03.11.1968
Geburtsort: Wolnzach
Wohnort: Tegernsee
Worum geht’s? Alpinismus und Naturschutz
Superpower: Kraft aus der Natur

Alpinistin, Bergsteigerin, Bergmensch – wie beschreibst du dich selbst?

Berg- und Naturmensch, das beschreibt mich schon ganz gut.

Wer hat deine Natur- und Bergliebe geweckt?

Ich bin hier im Tegernseer Tal aufgewachsen. Beide Elternteile waren sehr bergaffin – mein Vater eher der Sportliche und meine Mutter die Naturliebende, die mein Interesse für Pflanzen geweckt hat. Sie haben mich schon im Kleinkindalter mit in die Berge genommen, das hat mich geprägt. Nach dem Studium der Sportökonomie habe ich zuerst im sportlichen Bereich gearbeitet und der Bergsport war zunächst mein rein privates Steckenpferd. Später habe ich gemerkt, dass ich beides gern auch beruflich verknüpfen möchte.

Heute bist du die Geschäftsstellenleiterin der DAV-Sektion Tegernsee…

Ich war schon sehr früh Teil der Jungmannschaft des DAV und später mehrere Jahre Schriftführerin im Vorstand. Etwa 2017 wurde deutlich, dass die Aufgaben der Sektion ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen sind. Deshalb wurde eine Geschäftsführung eingerichtet. Nach und nach wurden immer mehr Aufgaben in die Geschäftsstelle verlagert und so ein zentraler Anlaufpunkt geschaffen. Heute befinden wir uns im Haus des Gastes Tegernsee, direkt neben der Tourist-Information.

Wofür steht der Deutsche Alpenverein?

Der DAV gehört mit 1,6 Millionen Mitgliedern mittlerweile zu den weltweit größten Bergsportverbänden. Beginnend mit dem Tourismus in den 1960er Jahren gab es einen rasanten Anstieg der Mitgliederzahlen. Immer mehr Bergsportbegeisterte suchten und suchen Anschluss an einen Verbund und Tourenangebote. Daraus ergeben sich auch immer mehr Aufgaben für den Alpenverein.

Die Sektion Tegernsee gibt es sogar schon bereits seit 1883. Was sind die Kernaufgaben?

Den Hauptanteil machen Hütten- und Wegebau aus, außerdem bieten wir ein Touren- und Ausbildungsprogramm an. Der Wegebau erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kommunen im Tal, insbesondere mit Kreuth – alle Wege südlich des Tegernsees liegen in unserer Zuständigkeit. Die Gemeinden und der Bundesverband des DAV unterstützen uns finanziell und mit Manpower, weil es rein ehrenamtlich nicht leistbar ist. Letztes Jahr gab es eine Wegebauaktion im Bereich des Schildensteins. Auch die Akazienstufen am Südanstieg zur Tegernseer Hütte wurden saniert – davon profitieren alle Wanderer. Außerdem betreiben wir als Sektion die Tegernseer Hütte auf 1.650 Metern Höhe.

Caro Machl DAV 001, © Ines Wagner
Caro Machl DAV 001

© Ines Wagner

Die Tegernseer Hütte gibt es seit 1903. Was hat sich im Laufe der über 120-jährigen Geschichte verändert?

Anfänglich war es eine winzige Übernachtungshütte, die dann stetig erweitert wurde. Nach einem Brand in den 1960ern wurde sie wiederaufgebaut. 2020 begannen umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen, weil die Bettenlager den Brandschutzanforderungen nicht mehr genügten. Die Lagerplätze wurden zugunsten der Übernachtungsqualität reduziert und Personalräume geschaffen – wer dort oben die ganze Saison lebt, braucht Privatsphäre. Heute gibt es zwei Lagerbereiche mit 10 und 11 Plätzen, zwei Stüberl und eine Terrasse, die 25 Personen Platz bietet. Außerdem haben wir eine Kleinkläranlage mit Grauwasserbehälter und Mikroorganismen eingebaut. Seit letztem Jahr haben wir auch einen neuen Pächter: Andreas Hauber.

Welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft beim Alpenverein?

Je nachdem, welche Interessen jemand mitbringt – beispielsweise die Möglichkeit, sich geführten Touren anzuschließen. Mitglieder erhalten in Berghütten des DAV vergünstigte Übernachtungspreise und oft auch ein günstigeres Bergsteigeressen. Weitere Vorteile sind der umfangreiche europaweite Versicherungsschutz in den Bergen und Vergünstigungen in den Kletterhallen. Die Mitglieder profitieren von der Infrastruktur und unterstützen den Alpenverein in seiner Arbeit – auch als anerkannten Naturschutzverband.

Caro Machl DAV 002, © Ines Wagner
Caro Machl DAV 002

© Ines Wagner

Landesweit gibt es 350 Sektionen des DAV – warum so viele und wie finde ich die passende Sektion?

Die Sektionen haben unterschiedlichen Kompetenzen und Schwerpunkte – je nach regionaler Gegebenheit. Die Angebote der Sektion Hamburg unterscheiden sich allein von den geografischen Möglichkeiten von denen in Berchtesgaden. Zu den Angeboten der Sektion Tegernsee gehört beispielsweise neben dem Ausbildungs- und Tourenprogramm auch ein wöchentlicher Klettertreff für alle Altersgruppen. Dort kann man seine Technik verbessern und in geselliger Runde trainieren. Die Sektionssuche richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen – oder ob man sich persönlich mit einer Region verbunden fühlt.

Welche Angebote gibt es innerhalb des Touren- und Ausbildungsprogramms und an wen richten sie sich?

Wir bilden Wanderer und Bergsportler dabei aus, noch mehr Kompetenzen am Berg zu entwickeln, um eigenverantwortlich und sicher unterwegs zu sein. Die wichtigsten Ausbildungsthemen liegen in den Bereichen Kletter- und Hochtouren sowie Lawinengefahr. Das Tourenprogramm bieten wir unseren Mitgliedern an, die sich schwierige Routen nicht allein zutrauen oder einfach gern in der Gemeinschaft unterwegs sind. Der Alpenverein betreibt als Dachverband auch eine Akademie und bildet dort bergsportaffine Leute in den unterschiedlichsten Bergsportbereichen als Tourenleiter aus.

Du hast den Naturschutz erwähnt – welche Themen beschäftigen euch im Speziellen?

Im Tegernseer Tal liegt der Schwerpunkt auf der Besucherlenkung und der Wahrung von Lebensräumen. Wir arbeiten Hand in Hand mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Gebietsbetreuern und Rangern, den Tourismusverbänden, dem Bundesverband des DAV und den anderen Sektionen im Landkreis. Es ist ein Spagat – den Naturnutzern den Raum zur Verfügung zu stellen und trotzdem der Natur den Raum zur Regeneration zu lassen. Wir gestalten im Rahmen von Natura 2000 des bayerischen Naturschutzgesetzes die Wald-Wild-Schongebiete zum Schutz der Raufußhühner, insbesondere der Birkhühner. Die Einhaltung ist freiwillig, darum informieren wir und appellieren an die Naturnutzer. 

Caro Machl DAV 003, © Ines Wagner
Caro Machl DAV 003

© Ines Wagner

Ihr beteiligt euch auch an einer Schwendaktion, was bedeutet das?

Das Schwenden ist eine alte Form der Weidepflege, um die Almweiden zu erhalten und vor dem Zuwachsen mit Büschen und Latschen zu bewahren. Würde man nicht schwenden, würde die Kulturlandschaft der Almen, wie wir sie kennen und lieben, rasant verschwinden. Das wäre auch fatal für die Birkhühner, deren Lebensraum sich im Übergang von Weide zu den Latschenwäldern befindet. Die Almbauern allein können das allein nicht mehr leisten. Wir arbeiten dabei mit der Urlaubsregion und den Rangern zusammen. Die Almen prägen unser Landschaftsbild und sind auch für den Tourismus sehr wichtig.

Welche Angebote habt ihr für Kinder und Jugendliche?

Wir haben eine sehr schöne, umfangreiche Jugendarbeit, beginnend mit einem Angebot für Familien mit kleineren Kindern, die etwa einmal monatlich miteinander unterwegs sind. Als nächstes kommt die „Kraxlgang“ mit Kindern ab der zweiten und dritten Klasse bis etwa zwölf Jahre. Mit ihnen macht unser Jugendleiter Ausflüge und Wanderungen oder sie gehen gemeinsam zum Klettern. Die Jugendlichen ab etwa 15 bis 25 Jahre sind unsere „Gipfelkraxler“. Für sie gibt es unterschiedliche Angebote, von Klettern – Indoor und Outdoor – über Skitouren bis Wanderungen…

Der Bergsport hat rapide zugenommen und damit auch die Unfälle. Wo lauern in den Tegernseer Bergen unterschätzte Tücken?

Am meisten unterschätzt wird die Frühjahrssituation. Wenn es in München schon seit Wochen warm ist, liegen in den Bergen oberhalb von 1.500 Metern oft noch Schneefelder. Manche Wege sind nur mit entsprechender Ausrüstung passierbar. Das A und O ist, sich über das Ziel und die Wegebeschaffenheit gründlich zu informieren. Besondere Aufmerksamkeit erfordern im Frühling Halserspitze und Wolfsschlucht, die Tegernseer Hütte nordseitig und der Schinder. Will man diese Touren gehen, muss man sich gut vorbereiten. Informationen erhält man bei uns, bei der Bergwacht und in den Tourist Informationen.

Frühling, aber in den Bergen liegt noch Schnee – was heißt das konkret, wie muss ich mich ausrüsten?

Festes Schuhwerk, das heißt knöchelhohe Bergschuhe mit gutem Profil, Grödel sind hilfreich, auch Stöcke sind sehr nützlich. Eine warme Jacke, dazu erste Hilfe-Set, Stirnband oder Mütze, Handschuhe, Brotzeit, Getränk, ein vollgeladenes Handy, um notfalls einen Hilferuf absetzen zu können – das ist alles ganz wichtig. Übrigens gilt das meiste davon nicht nur im Frühling, sondern immer. In den Bergen kann es jederzeit schnell und überraschend zu einem Wetterumschwung kommen. Deshalb ist das A und O die Tourenplanung.

Welches Kartenmaterial empfehlt ihr?

Wir empfehlen die „alpenvereinaktiv App“. Es gibt eine kostenlose Version und eine Bezahlversion. In beiden sind Alpenvereinskarten hinterlegt, auch im offline Modus. Die App bietet Tourenvorschläge und man kann Touren planen. Der Vorteil ist, dass man anhand der Höhenlinien eine realistische Geländeformation erkennt: Wo ist Fels, wo ist das Gelände steil? Das sieht man bei Komoot oder OpenStreetMap nicht und da liegt die Gefahr. Die meisten Leute, die sich versteigen, sind mit dem falschen Kartenmaterial unterwegs. Unsere App berücksichtigt Streckenlänge und Höhenmeter und somit die realistische Zeit. Damit kann man die Dauer der Tour einschätzen und welche Ausrüstung man braucht.

Caro Machl DAV 007, © Ines Wagner
Caro Machl DAV 007

© Ines Wagner

Im Oktober findet jährlich das Internationale Bergfilm-Festival Tegernsee statt – was ist euer Part und was erwartet die Besucher?

Die Sektion ist von Anfang an dabei – seit mehr als 20 Jahren! Wir kümmern uns um alle Ehrenamtlichen und stellen die Kassenkräfte. Wir bringen uns auch im Rahmenprogramm mit einer Bergwanderung mit Heimatführer Toni Wackersberger ein und sind bei der Mountainlounge mit einem Stand vertreten. Das Bergfilm-Festival zeigt jedes Jahr etwa 80 Filme verschiedener Kategorien: von Extremsportabenteuern bis zu Filmen über Natur und Menschen samt ihrem teils kargen Leben in Bergregionen auf der ganzen Welt. Neu in diesem Jahr ist ein Filmförderpreis für Nachwuchsfilmer.

Neben deiner Stelle als Geschäftsstellenleiterin der DAV-Sektion Tegernsee bist du noch selbständig …

… als Gesundheits- und Naturcoach sowie als Dozentin für unterschiedliche Akademien im Bereich Coaching und Gesundheitssport, darunter auch bei der Akademie vom Bundesverband des DAV. Dort werden Trainer und Tourenleiter ausgebildet. Außerdem bin ich mit eigenen Kunden und Klientinnen unterwegs im Coaching und im Gesundheitstraining. Beispielsweise führe ich Bergtouren, bei denen es schwerpunktmäßig um Stressreduktion geht.

Warum ist die Natur so hilfreich, um den Stress zu reduzieren?

Es wirkt absolut beruhigend, in Bewegung zu sein, besonders draußen in der Natur. Dort wirken die Sinneseindrücke durch Geräusche, Farben und Gerüche in Kombination mit der Bewegung noch stärker als Drinnen. Bewegung reduziert nachweislich Stresshormone. Die Stille und Ruhe kommen noch on top.

Wieso ist die Tegernsee-Region besonders gut geeignet?

Weil das hier definitiv ein besonderer Ort ist, der die Berge und den See vereint – nicht umsonst haben die Mönche im Mittelalter das Kloster hierhin gebaut. Auch die Tegernseer Hütte liegt besonders exponiert, wie ein Adlerhorst am Berg. Warum? Ich denke, dass unsere Vorfahren noch ein besseres Gespür für gute energetische Orte in der Natur hatten. Das ist ein Teil meines Coachings – wieder mehr ins Empfinden zu gehen und sich selbst und die Natur wieder mehr wahrzunehmen. Und das gelingt besonders gut bei den Bergtouren.

Was verändert sich für deine Klienten bei den Bergtouren?

Oft bekomme ich die Rückmeldung, dass es ein besonderes Gefühl ist, auf den Gipfel gegangen zu sein, das geschafft zu haben! Aus eigener Kraft heraus. Das wird in der Begleitung noch einmal bewusster. Dazu tragen auch die Wahrnehmungsübungen bei – Atem, Geräusche… bewusstes schauen, mal die Gangart wechseln, das Handy ausschalten, auf sich selbst besinnen, ohne viel zu fotografieren, aber auch ohne das Alltagsgedankenkarussell.

Caro Machl DAV 006, © Ines Wagner
Caro Machl DAV 006

© Ines Wagner

An wen richten sich deine Angebote?

An Menschen, die wieder mehr Zugang zu sich selbst finden wollen – unabhängig von den Einflüssen aus Beruf, Familie und Gesellschaft. … die wieder mehr ins Gespür kommen möchten, was sie in ihrem Leben erreichen und realisieren wollen – beruflich, privat, auch manchmal projektbezogen. Meist gibt es hohe Anforderungen von außen, Stress und Druck vom Arbeitgeber oder die Arbeit macht keinen Spaß mehr, familiäre oder gesellschaftliche Themen. Es gibt viele Gründe, warum man aus einer negativen Gedankenspirale von allein schwer wieder herausfindet. Da unterstütze ich.

Welche Ideen treiben dich sonst noch um?

Ich möchte möglichst viele Leute erreichen, die sich drauf einlassen, einmal unter einem ganzheitlichen Aspekt in die Natur zu gehen. Die Berge als Konsumgut zu betrachten hat sich in den letzten Jahren immer stärker entwickelt – auf den Gipfel zu gehen, um ein Selfie zu machen oder den Berg als Sportgerät zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass die Leute wieder mehr Dankbarkeit entwickeln, Demut und Wertschätzung dem gegenüber, was wir hier zu bieten haben. Es wäre cool, wenn uns das gelänge.

Verrätst du uns noch deinen Lieblingsplatz im Tegernseer Tal?

Ich habe nicht den einen Lieblingsplatz – es gibt vielmehr viele Lieblingsplätze am See und auch im Wald. Wenn ich im Wald und den Bergen unterwegs bin, finde ich für mich ein unglaublich schönes Verbunden-sein, eine enorme Stille und Ruhe.

Was empfiehlst du Besuchern des Tegernseer Tals?

Die Neureuth, weil sie schnell und gut auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen ist, mit einer tollen Aussicht und Einkehr. Ich empfehle denjenigen Menschen, die die anspruchsvolle Wanderung schaffen, natürlich auch unsere Tegernseer Hütte. Da sind sogar die Schweizer begeistert, und das will etwas heißen! Auch auf den Wallberg zu fahren oder zu gehen ist immer wieder eine tolle Erfahrung, weil man dort so einen ganz anderen Blick auf den See hat und das ganze Tal zu Füßen liegt.

Dein Motto?

“Be who you were created to be and you will set the world on fire.” Dieser Satz von St. Catherine of Sienna begleitet mich durch‘s Leben.

Weitere Informationen zur DAV-Sektion Tegernsee finden Sie hier.

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