Rathaus Gmund, ©️ Der Tegernsee, Dietmar Denger

Gmunder Originale

Ein literarischer Spaziergang von Dr. Peter Czoik

Das „Tor zum Tegernseer Tal“ Gmund hat einige erfolgreiche Literaten und literarische Figuren hervorgebracht, die teilweise vergessen sind. Auf dieser leichten, familienfreundlichen LiteraTour lernen Sie die Gmunder Originale an 8 Stationen kennen: vom „wilden Jager“ Johann Mayr, über die Heimatdichter Georg Stöger-Ostin und Wilhelm Diess bis hin zu den Dichterinnen Therese Sandbichler und Anny Schaefer, dem Gastwirt Max Obermayr und dem Multitalent Fred Rauch.

Der Spaziergang führt vom Bahnhof (1.) zum ehemaligen Jagerhaus (2.) am Bergfriedhof vorbei nach Bürstling (3.), weiter Richtung Eck (4.), nach Ostin über die Georg-Stöger- und Neureuthstraße bis zum Sternecker (5.) und Oberpartenhauser (6.) auf der Gasse. Über die Gasslerstraße zum Gasthof Herzog Maximilian (7.), dann über den Seeuferweg über Gut Kaltenbrunn zum Herzogweg (8.).

Das wunderschöne Gebäude des Bahnhofs der Gemeinde Gmund in den bayerischen Voralpen ist oft die erste Station von Gästen im Tegernseer Tal, © Dietmar Denger

1. Station: Bahnhof

Der Durchgangsbahnhof an der Bahnstrecke Schaftlach–Tegernsee wurde 1883 errichtet. Ursprünglich war geplant, die Vizinialtrasse bei Finsterwald enden zu lassen, weil man aus Kostengründen auf den Abstieg der Bahn in Gmund verzichten wollte. 1902 wurde die Bahnstrecke bis nach Tegernsee verlängert. Damit verlor auch der Bahnhof Gmund seine Rolle als Endbahnhof. Alle nötigen Einrichtungen für den Bahnbetrieb wurden nach Tegernsee verlegt.

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Jagerhaus, © Der Tegernsee, Sabine Ziegler-Musiol

2. Station: Jagerhaus

Seestraße 2

1822 erwarb Johann Baptist Mayer, der „Wilde Jager“ von Gmund, das Metzgerhaus, Gmund Nr. 37, das seitdem „Jagerhaus“ genannt wird. Der zweigeschossige Flachsatteldachbau mit ausgreifendem verschaltem Kniestock und Balustergiebellaube wurde 1793 vom Metzger Franz Quirin Auracher erbaut. Nach mehreren Besitzerwechseln konnte die Gemeinde Gmund im Jahre 1989 das Haus erwerben und unter strengen Auflagen sanieren. Die Gemeinde überließ es den Heimatfreunden Gmund mit der Maßgabe, darin ein Museum und Haus der Kultur zu beherbergen. Die Sammlungsschwerpunkte reichen von Gmunder Ortsgeschichte, Industrie und Handwerk, Trachten und Schützen über Exponate zu Gmunder Persönlichkeiten wie dem „Wilden Jager“ bis hin zur Alltagskultur der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1996 wurde das Museum offiziell eingeweiht. In den Galerieräumen finden wechselnde Ausstellungen, Vorträge und Konzerte statt.

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Gmund, Aussicht vom Bergfriedhof, ©️ Der Tegernsee, Dietmar Denger

3. Station: Bürstling

Die Einöde bei Ostin liegt in der Pfarrei Gmund. 1529 gab „Hans Mayr in dem Reith bei Wakersperg“ dem Gotteshaus Georgenried seinen Wiesengrund, genannt „der Pirsting“. Der Name Bürstling könnte demnach mit ‚pirsen‘ (jagen) zusammenhängen und „Besitz des Jägers“ bedeuten, da sich dieser nördlich auf der Ebene befindet. Unter Umständen ist er aber auch vom „Bürstlinggras“ hergeleitet, welches bei Nichtdüngung des Bodens wächst. (vgl. Gemeinden, S. 15)

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Gmund Aussicht, © Der TEgernsee, Dietmar Denger

4. Station: Auf der Eck 17

Das ehemalige Bauernhaus auf der Eck 17 (so genannter „Michlbauer in Hintereck“) ist ein zweigeschossiger Flachsatteldach-Blockbau mit umlaufender Balusterlaube und teilverschalter Giebellaube und stammt aus dem Jahr 1751. Der in Gmund lebende Schriftsteller Wilhelm Diess verbrachte zwischen 1944 und 1955 viele Jahre hier.

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Gmund, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

5. Station: Sternecker-Hof

(Gasse 27)

Der „Sternecker“ ist ein stattliches Bauernhaus mit Nebengebäuden in der Gasse 27. Der Name scheint daher zu kommen, dass die Grundstücke rings um den Hof lagen, und ist im Lehensbuch von 1353 als Lehen der Stöckl von Ostin bereits erwähnt. (vgl. Gemeinden, S. 17) Der Flachsatteldachbau mit Blockbau-Obergeschoss und umlaufender Balusterlaube wurde Ende des 18. Jahrhunderts (1763) erbaut, der Dachaufbau ist dagegen jüngeren Datums. Der Bauer Josef Berghammer (1826-1900) errichtete den Hof im 19. Jahrhundert neu. Typisch für den Hof ist die (energiesparende) Ausrichtung vom See (bzw. Wind) weg wie bei den anderen Höfen in der Gasse. Beim Blick vom Hang hinunter kann man neben der großen Altane die sog. „Katzenlaube“ bewundern, jene kleine Altane unter der vorgezogenen Verschalung des Dachgeschosses. Die Gasse selbst ist ein ländlicher Ortsteil und eine kleine Straße, die „vom Kloster Tegernsee kommend bei St. Quirin das dort früher versumpfte Seeufer verließ und in nordöstlicher Richtung – als ‚Gasse‘ – über die Moränenterrassen anstieg und weiter nach Miesbach führte.“ Der Sternecker-Hof ist als Biohof der Familie Berghammer mit 19ha Grünland und 20ha Wald immer noch in Betrieb.

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Gmund Ortsansicht, ©️ Der Tegernsee, Dietmar Denger

6. Station: Oberpartenhauser-Hof

(Gasse 8)

Der Name Partenhausen dürfte von lat. ‚porta‘ (Pforte) kommen und bedeutet demnach „Pfortenhausen“. Ob die Ansiedlung schon damals an der heutigen Stelle in der Gasse lag, ist nicht sicher. 1250 ist Partenhausen mit zwei großen Höfen erwähnt. (vgl. Gemeinden, S. 10) Bis ca. 1454 gehörten der Oberpartenhauser- und der Unterpartenhauserhof als Eigentum des Klosters Tegernsee zusammen. Danach wurde er von der Familie Partenhauser bewirtschaftet, bis 1591 eine Tochter die Ehe mit einem Sohn der Familie Gschwandner einging. 1685 übernahm Kaspar Raab den Hof, 1876 kaufte ihn Florian Weiß. 1886 wurde der Hof abgerissen und wieder aufgebaut. 1954 erfolgte die Übergabe an Marinus und Anna Weinmayr, der Nichte von Florian Weiß. In den 1960er-Jahren wurden Wohnhäuser neu- bzw. angebaut. Seit 2007 wird der Hof von Johann Marinus Stückler bewirtschaftet.

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Gasthof Maximilian, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

7. Station: Gasthof Herzog Maximilian

(Tegernseer Straße 3)

Der Gasthof Herzog Maximilian ist erstmals 1339 urkundlich erwähnt und bezieht seinen Namen vom wittelsbachischen Herzog Maximilian (1808-1888), auch „Zither-Maxl“ genannt, dem Vater von Kaiserin Sissi (1837-1898). Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1618/48) wurde der Gasthof vom Kloster Tegernsee wiederaufgebaut und diente als wichtige (Post-)Station und Brückenmautstelle an der Straße von München nach Tirol. Nachdem König Max I. Joseph das Anwesen 1822 ersteigert und an den Metzgermeister Joseph Obermayr (1784-1832) weiterverkauft hatte, ließ dessen Frau Franziska (1799-1879) 1846 den bestehenden Bau durch den Maurermeister Joseph Poschner in Tegernsee und den Zimmermeister Franz Mannhart am Bürstling errichten. Der Wirtssohn Max Obermayr (1821-1898) gab ihm schließlich den heutigen Namen „Herzog Maximilian“.

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Gut Kaltenbrunn, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

8. Station: Am Ackerberg

(Herzogweg 6)

Am Ackerberg steht das Brechlbad, ein kleiner Blockbau aus dem 18. Jahrhundert, ursprünglich aus Niederhofen bei Bayrischzell, um 1960 modern aufgestellt. Das Brechlbad (je nach Region auch Badstube, Brechelhütte, Schwingerei oder Haarhaus genannt) diente der Gewinnung von Flachsfasern, die dort nach der Röste getrocknet wurden, bevor sie zu Leinen weiterverarbeitet werden konnten.

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Literatur (Auswahl):

Beni Eisenburg: Max Obermayr. Viehzüchter und Wirt von Gmund (Gmunder Heft Nr. 2). Gmund: Mairinger Druck GmbH 1992. 

Ders. [Red.]: Georg Stöger-Ostin (Gmunder Heft Nr. 16). Gmund: Mairinger Druck GmbH 2005. 

Ders.: Originale und Persönlichkeiten aus der Gmunder Geschichte. Teil 2 (Gmunder Heft Nr. 7). Gmund: Mairinger Druck GmbH 2006. 

Ders.: Fred Rauch 1909-2009 (Gmunder Heft Nr. 20). Gmund: Mairinger Druck GmbH 2009. 

Michaela Firmkäs: Mayer Johann. Revierjäger in Gmund 1783-1834 (Gmunder Heft Nr. 22). Gmund: Mairinger Druck GmbH 2012. 

Fred und Irmgard Rauch Stiftung (Hg.): Fred Rauch. Radiomoderator, Liedtexter und mehr. Auf den Spuren von „Mr. Wunschkonzert“ [Red.: Annette Lehmeier]. Miesbach: Mayr Miesbach GmbH 2009. 

Gemeinden Gmund a. Tegernsee und Dürnbach sowie Kath. Pfarramt Gmund zur 900-Jahr-Feier 1975 (Hg.): 900 Jahre Pfarr-Gemeinde Gmund a. Tegernsee. Festschrift [Red.: Rupert Berlinger u.a.]. Hausham: Fuchs Druck 1975. 

Hans Göttler: Wilhelm Diess (25.6.1884 – 13.9.1957). Ein eigener Mensch und Dichter. In: Alfons Schweiggert und Hannes S. Macher (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Dachau: Bayerland Verlag 2004, S. 118-120.

Hans Halmbacher: Das Tegernseer Tal in historischen Bildern. 3 Bde. Hausham: Fuchs Druck 1980-1987.

Anna Mayer-Bergwald: Freudentage am Tegernsee. Eine Rückerinnerung an den Sommer 1897. München: Verlagsbuchhandlung Seitz & Schauer 1898. 

Sepp Mohr: Tegernseer Sagen. Nacherz. und mit Holzschnitten illustr. München: Volk Verlag 2016. 

Museum Tegernseer Tal (Hg.): Das königliche Tal. Auf den Spuren der Wittelsbacher am Tegernsee [Red.: Roland Götz; Edmund Schimeta]. 2. Aufl. Weißach: Druckerei Stindl 2016. 

Waldemar Rausch [Red.]: Anekdoten um Gmunder Originale (Gmunder Heft Nr. 1). Gmund: Mairinger Druck GmbH 1992. 

Ewald Rosenberger: Max Obermayers weiteres Wirken (IV). In: FLECKVIEH Welt 1 (2008), S. 4-12. 

Anny Schaefer: Aus die boarisch’n Berg. Gedichte in oberbayerischer Mundart. Mit Ill. von W. Graf Bülow von Dennewitz. München: Kunst- und Verlags-Anstalt Dr. E. Albert & Co. 1891. 

Willibald Schmidt: Sagen aus dem Isarwinkel. 2. Aufl. Bad Tölz: Verlag Günther Aehlig 1979. 

Karl Smikalla: Thomas Manns heimliche Liebe zum Tegernsee oder Die Entstehung des Denkmals. Starnberg: Druckerei Weixler 2001.

https://jagerhaus-gmund.byseum.de/ (14.03.2021). 

https://oberpartenhauserhof.de/ (14.03.2021). 

https://tegernseer-bio-weiderind.de/ (14.03.2021). 

https://www.gasthof-maximilian.de/wirtshauszeitung.html (14.03.2021). 

https://www.literaturportal-bayern.de/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&pnd=118678337 (14.03.2021). 

https://www.literaturportal-bayern.de/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&pnd=11696300X (14.03.2021). 

https://www.literaturportal-bayern.de/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&pnd=117095990 (14.03.2021).

https://www.literaturportal-bayern.de/nachlaesse?task=lpbestate.default&id=1403 (14.03.2021). 

https://www.tegernseer-buergerstiftung.de/content/regional/125-jahre-bahnhof-gmund.html (14.03.2021).