Kreuth, © Der Tegernsee, Julian Rohn

Schillerndes Kreuth

Ein literarischer Spaziergang von Dr. Peter Czoik

Kaiser, Könige und Zaren kurten, sind nicht nur bedeutende Künstler verewigt, sondern auch Spuren literarischer Zeugnisse abzulesen. Auf dieser leichten, familienfreundlichen LiteraTour lernen Sie das schillernde Kreuth an 7 Stationen kennen: von den Schriftstellern Thomas Mann und Kurt Martens, über die Entstehung des Leonhardi-Umritts bis hin zur „Deutschen Bauernmesse“ von Anette Thoma und Volksmusik des Kiem Pauli.

Der Spaziergang führt vom Künstlerstein im Kurpark (1.) über die Weißach zur Kath. Kirche St. Leonhard (2.), über den Max-Rehle-Weg zum ehemaligen Hotel Blauberg (3.) bis zur ehemaligen Villa Taube in der Dr.-Wilhelm-May-Straße (4.). Über die Weißachauen weiter nach Wildbad Kreuth entlang dem Bremerweg auf die Schanz (5.), zur Kirche zum Hl. Kreuz (6.) und auf die Siebenhüttenalm (7.).

Einkehrmöglichkeiten: 
Restaurant Café Pension Haus Göttfried (Station 1); Gasthof zur Post in Kreuth (Station 2); Altes Bad – Gasthaus & Biergarten (Station 6); Almwirtschaft Siebenhütten (7). 
 

Künstlerstein in Kreuth, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

1. Station - Künstler-Stoa

Mit dem Denkmal erinnert die Gemeinde Kreuth an bedeutende Künstler, die in Kreuth und Umgebung längere Zeit wohnten oder gewirkt haben. Mittlerweile sind sechs Persönlichkeiten auf dem sog. „Künstler-Stoa“ (Künstlerstein) verewigt: die Maler Franz von Defregger, Willy Preetorius, Thomas Baumgartner und Josef Oberberger, der Musiker Kiem Pauli sowie der Schriftsteller Thomas Mann.

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Vor dem Leonhardstein im Hintergrund errichtet die Dorfgemeinschaft im Bergsteigerdorf Kreuth zum 1. Mai traditionell den Maibaum., © luftbuidl, Sebastian Ulmer

2. Station - Kath. Kirche St. Leonhard

Die 1184 von Abt Rupert Graf von Neuburg-Falkenstein erbaute Kirche ist dem hl. Leonhard, Schutzpatron der Gefangenen und Tiere, der Fuhrleute und Passstraßen in den Bergen, geweiht. 1490 wurde sie abgetragen und ein Jahr später im gotischen Stil neu errichtet. Nach einigen Veränderungen (1687 Barockisierung, 1776 Verlängerung und Leonhardszyklus, 1864 Regotisierung, 1955 Umgestaltung des Altarraums) und Renovierungen ist dieser Bau Pfarrkirche der eigenständigen Pfarrei St. Leonhard in Kreuth (vor 1809 war Kreuth eine Expositur des Klosters Tegernsee).

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Kreuth Morgenstimmung, © Der Tegernsee, Julian Rohn

3. Station - Ehemaliges Haus Blauberg

(früher "Haus Lauteren")

Das Haus Blauberg, ehemals Haus Lauteren, ist das Geburtshaus der 1943 in Tegernsee geborenen Kunstmalerin und Autorin Friederike Lauteren, Tochter des Malers Willy Preetorius. Hinter dem linken Erkerfenster hatte Preetorius sein Atelier.

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Der Blick über eine saftige Wiese auf den Ort Kreuth, © Julian Rohn

4. Station - Dr.-Wilhelm-May-Straße 17

(früher "Villa Taube", abgerissen)

Nicht nur in Abwinkl am Ringsee, wo er sich im Sommer 1918 für zwei Monate in die Villa Defregger einquartierte und sein Prosa-Idyll „Herr und Hund“ schrieb, sondern auch im weiter südlich gelegenen Kreuther Enterfels verbrachte Thomas Mann seinen Aufenthalt am Tegernsee in einer Villa. Als Junggeselle war er im Sommer 1902 und 1903 mehrere Wochen bei seinem Freund und Schriftstellerkollegen Kurt Martens (1870-1945) untergebracht. Dieser hatte sich 1902 von einem Baron namens Adolf von Taube die Villa Taube gemietet.

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Wildbad Kreuth, © Der Tegernsee, Sabine Ziegler-Musiol

5. Station - Haus auf der Schanz

„Auf der Schanz“ nahe Wildbad Kreuth – benannt nach früheren Befestigungen an dieser Engstelle des Kreuther Tals – ließ Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern (1884-1968) durch seinen Tegernseer Baumeister 1914 ein altes Holzhaus erweitern und 1920 mit einem Anbau im alpenländischen Stil vergrößern. Das Haus diente dem Herzog und seiner Gemahlin als Wohnsitz und ist heute nur von außen zu besichtigen.

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Zum Heiligen Kreuz, © Der Tegernsee, Sabine Ziegler-Musiol

6. Station - Kirche zum Hl. Kreuz

Abt Bernhard Wenzel ließ 1696 in „thermis Kreuthensibus“ ein steinernes Haus mit angebauter Kapelle errichten, die Kirche zum Hl. Kreuz. Sein Nachfolger Abt Quirin IV. Millon weihte die Kapelle 1707 ein, vergrößerte sie und übertrug eine im Kloster Tegernsee hoch verehrte Kreuzigungsgruppe: Schwebende Engel fangen das Blut Christi auf. Ein Holzrelief mit der Auferstehung Christi und eine Berührungsreliquie in Form einer hl. Lanze zieren die rechte Seitenwand.

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Siebenhütten, © Der Tegernsee, Julian Rohn

7. Station - Siebenhütten

Südlich des Parks von Wildbad Kreuth liegt eine Niederalm an der Hofbauernweißach, die früher beliebtes Ausflugsziel für die Gäste des Kurbads war und heute für Familien und Sportler ist: die Siebenhüttenalm. Ihren Namen hat sie von den sieben Hütten, die ursprünglich hier standen und den sieben Bauern von Pförn gehörten. Geblieben sind noch drei Hütten, von denen zwei als Lager und eine als Brotzeitstation genutzt werden. Die Blockbauten (Kaser, Geißstall, Heustadel) stammen alle aus dem 19. Jahrhundert. Auf einem heute noch existierenden Fußweg wurden einst Fässer mit Ziegenmolke für Heil- und Schönheitsbäder ins nahegelegene Wildbad Kreuth geliefert.

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Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern: Die Jagd im Gebirg. Ill. von Ludwig Hohlwein. 3. Aufl. Sulzberg: Jagd- und Kulturverl. 2006. 
Marga Berck: Sommer in Lesmona. Mädchenbriefe. Mit einem Nachw. von Hans Harder Biermann-Ratjen. München: Langen Müller 1998. 
Michael Josef Eisler: KURT MARTENS: Schonungslose Lebenschronik. 1870-1900. Rikola-Verlag, Wien, Leipzig, Berlin und München 1921. In: Imago 11 (1925), S. 201-203. 
Hans Halmbacher: Das Tegernseer Tal in historischen Bildern. 3 Bde. Hausham: Fuchs Druck 1980-1987.
Dirk Heißerer: Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern. 2. Aufl. München: C.H. Beck 2006.  
Stefan Hirsch: Die Kreuther Leonhardifahrt. Legende und Kult des „altbayerischen Herrgotts“. In: Der Tegernsee. Hg. von Annette Lehmeier und Dieter Vogel. Vilsbiburg: Kiebitz Buch 2014, S. 76-78. 
Friederike Lauteren: haut aus glas. plätze und befindlichkeiten. Freiburg: Kaiser & Kaiser 2002. 
Kurt Martens: Schonungslose Lebenschronik. 2. Teil: 1901-1923. Wien u.a.: Rikola-Verlag 1924. 
Sepp Mohr: Tegernseer Sagen. Nacherz. und mit Holzschnitten illustr. München: Volk Verlag 2016. 
Museum Tegernseer Tal (Hg.): Das königliche Tal. Auf den Spuren der Wittelsbacher am Tegernsee [Red.: Roland Götz; Edmund Schimeta]. 2. Aufl. Weißach: Druckerei Stindl 2016. 
Heinz Neumaier: „Es ist nicht rückständig, etwas Lebendes zu pflegen...“ Wittelsbacher Mäzene und ihre Leidenschaft für die bayerische Volksmusik. In: Musik & Tradition, H. 11, Februar 2010, S. 30-32. 
Karl Smikalla: Thomas Mann und seine Liebe zu Kreuth. Gmund: Mairinger Druck GmbH 2003.
Elisabeth Tworek: Sehnsucht Oberbayern. Spaziergänge durch das Alpenvorland der Literaten, Musiker und Maler. München: Allitera Verlag 2018. 
o. Vf.: Die „Deutsche Bauernmesse“ von Annette Thoma. In: Marktblatt Siegenburg 12/16 (Dezember 2016), S. 18f.
https://www.tegernsee.com/a-katholische-kirche-sankt-leonhard (10.03.2021).
https://www.tegernsee.com/kiem-pauli (10.03.2021).
https://www.tegernsee.com/a-kirche-zum-heiligen-kreuz-wildbad-kreuth (10.03.2021).
https://www.tegernsee.com/a-siebenhuetten (10.03.2021).
https://www.tegernsee.com/a-wildbad-kreuth-von-der-heilquelle-zum-tagungszentrum (10.03.2021).