Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 6, © Isabelle Munstermann

Vroni Ettstaller

Bayerische Bierkönigin

Ein Tag im April, die Berge liegen in weißem Schneegewand am Südufer des Sees, halten die Natur noch im Winterschlaf, während auf Gut Kaltenbrunn bereits der Frühling ausgebrochen ist. Vroni Ettstaller kommt gut gelaunt in ihrem Bierköniginnen-Beetle zum Interview. Es ist das zweite an diesem Tag, zuvor war sie schon im München beim BR, und alle wollen von ihr wissen: Zwei ungewöhnliche Amtsjahre gehen zu Ende. Wie geht es ihr damit?

Steckbrief

Name: Vroni Ettstaller
Geburtstag:  20.03.1998
Geburtsort:  Tegernsee
Wohnort: Gmund
Worum geht’s? Bier

Normalerweise ist die Bayerische Bierkönigin ein Jahr im Amt. Die fröhliche Gmunderin durfte zwei Jahre regieren – Schuld daran war das böse C-Wort. Ganze 364 Termine hat sie im ersten Jahr der regulären Amtszeit absolviert, weitere 45 im zweiten Jahr, während sie zwischen dem Tegernsee, Mexiko, Namibia, Shanghai, Brüssel und Italien pendelte. Überall hat sie strahlend das Bayerische Bier und ihre Heimatregion präsentiert. Doch sie hat nicht nur mit ihrem Lächeln und ihrer sympathischen Ausstrahlung gepunktet oder eine gute Figur im Dirndlgwand abgegeben. Vor allem hat sie sich mit ihrer Neugier neue Welten und die Herzen ihrer Gesprächspartner erschlossen und mit ihrer Wissbegier und Kompetenz überzeugt. 

Erkennen dich die Leute auf der Straße? 

„Ja, besonders hier im Tal, und es freut mich, wenn die Leute sagen: Das ist unsere Vroni.“ Die Leute sprechen sie in den ungewöhnlichsten Momenten an. Einmal prosteten ihr begeistert ein paar Leute beim Vorbeifahren aus einem Auto zu, als sie an der Kreuzstraße vor dem großen Bierköniginnenplakat Fotos für ihre Social-Media-Kanäle machte. Es waren Franken, die kannten sie von einem Bierfest in ihrer Heimat. 

Wie viele Heiratsanträge hast du bekommen? 

„In den sozialen Netzwerken wird das schnell mal geschrieben: Magst mich heiraten?“, lacht sie. Echte Heiratsanträge hat sie tatsächlich auch bekommen: zwei sogar, einer in Bayreuth und einer beim Karpfhamer Fest. Völlig perplex, aber liebevoll hat sie den heiratswilligen Burschen dann erklärt, dass das nicht geht. 

Der verrückteste Ort während ihrer Amtszeit war das Oktoberfest in Namibia – samt Raubtierfütterung, Nilpferd-Safari und Schlangen streicheln. Roland Rauh, Kronkorkenhersteller in Küps, lud sie spontan ein, ihn zu begleiten, nachdem sie seine Fabrikation besichtigt hatte. Verrückt war auch ein Fotoshooting in Italien, mitten im Februar fröstelnd im Meer stehend mit dem Dirndlgwand – aber "eine Gaudi war's!".

Besonders beeindruckt hat sie ...

Kerstin Katalin von Wrede von der Schlossbrauerei Fürst Carl in Ellingen. „Mich hat fasziniert, wie sie mit enormer Frauenpower die Brauerei leitet“, erzählt Vroni. Bierbrauerei sei heute mehrheitlich eine Männerdomäne, „umso schöner, wenn dann Frauen in Führungspositionen kommen, die ihre Arbeit derart überzeugend machen“. Interessant und weitgehend vergessen ist nämlich, dass es einst die Frauen waren, die anfingen Bier zu brauen. Die Fürstin, die auch Biersommelier ist, wurde Vroni zum Vorbild. 

Wie hat sich dein Leben in den zwei Jahren verändert?

„Ich hätte mir zuvor nie zugetraut, allein auf eine Veranstaltung zu gehen, wo ich niemanden kenne“, erinnert sie sich. Jetzt hat sie keinerlei Berührungsängste mehr. Herausforderungen indes gab es immer wieder neue. „Mir ist wichtig gewesen, dass ich mir keinen Fauxpas erlaube und die Menschen dann sagen: Wie vertritt die denn unsere Heimat?“ Gar nicht so einfach mit so vielen Festen und reichlich Bier. Auf der Wiesn kann es passieren, dass abends gegen zehn Uhr jemand vom Fernsehen spontan ein Interview haben möchte. „Wenn man dann lallt, kommt das nicht so gut an“, zwinkert sie. Ihr Leitsatz: Dem Amt bestmöglich nachkommen und dabei normal bleiben.

Und was kommt jetzt? 

Ohne die Zeit als Bierkönigin hätte Vroni vermutlich einen anderen Weg eingeschlagen. So aber hat sie sich anstecken lassen von dem Zauber des goldgelben Getränkes, seiner Herstellung sowie von den vielen spannenden Begegnungen und Gesprächen. Inzwischen studiert sie im vierten Semester Brauwesen und Getränketechnologie. Nach dem Studium erhält sie ihren Braumeister- und Ingenieurstitel. Ihr Wunsch ist „der Brauereifamilie erhalten zu bleiben.“ Den Bierbotschafter hat sie bereits in der Tasche, die nächste Stufe ist der Biersommelier. Es ist einfach Vronis Neugier und Leidenschaft fürs Bier. 

BIERKÖNIGIN – schönes Beiwerk des Produkts?

Nicht mit Vroni. Von Anfang an war ihr klar, dass sie nicht nur neben dem Produkt stehen und lächeln wollte. „Manche Leute verwechselten es mit Schönheitskönigin“, lacht Vroni, „aber damit hat es ja überhaupt nichts zu tun“. Im Vorfeld hat sie Fachwissen angesammelt und zahlreiche Brauereien besucht. Es ist keine Voraussetzung für das Amt, so tief in die Materie einzutauchen, aber: „Als Frau musst du dich beweisen, auch beim Anzapfen.“ Und dann kommt eine lustige Episode, in der ein Schwergewicht von einem Mann mit einem riesigen Schlegel sie ungläubig auslachte. „I zapf wirklich o“ hat sie gesagt, und es einfach gemacht, mit zwei Schlägen. Hernach hat er sich bei ihr entschuldigt. „Das sind echte Botschaften, die du setzen kannst“, meint sie augenzwinkernd, „aber du brauchst schon enorm Schmalz und musst wissen, wie du draufhaust“.

Ob sie nach zwei Jahren ein bisschen amtsmüde ist? „Ich würde es auch sofort wieder machen, es hat mein Leben geprägt.“ Doch jetzt möchte sie sich auf ihre Zukunft konzentrieren. „Ich bin brutal ehrgeizig, eine kleine Perfektionistin, daher mache ich mir selbst viel Druck und deshalb ist es auch gut, dass nun der Druck abfällt, eine neue Bierkönigin kommt und ich kann mich auf mein Studium konzentrieren.“

Wir bleiben neugierig und wollen wissen, ob sich ihr Biergeschmack innerhalb der zwei Jahre verändert hat. Durch die ganze Bandbreite habe es Spaß gemacht, sich durchzuprobieren, meint die Gmunderin. Was sich tatsächlich verändert hat: Sie trinkt nicht mehr nur einfach so. Sie probiert zuerst, riecht, schmeckt, spürt nach, was sie herausschmeckt. Jede Jahreszeit hat ihr Bier: „Wenn‘s draußen kalt ist, trink ich gern ein Bockbier, das macht warm und passt zu Weihnachten, wie Brownies und Lebkuchen. 

Dass Regionalität bei Lebensmitteln das A und O ist, schlägt sich auch beim Essen nieder. Durch Corona ist Vronis Fokus auf Regionales noch geschärft worden. Ihre Botschaft in den sozialen Netzwerkwerken: "Kauft regional, unterstützt die lokalen Gastronomien, Metzgereien, Bäckereien und natürlich Brauereien – kauft in eurer Region und nicht irgendwas, wo ihr nicht wisst, wo es herkommt". 

Das ist für Vroni typisch Tegernsee:

Seefeste, Waldfeste, Weinfeste, das Lichterfest in Gmund - die ganzen Fest‘l gehören zum Tegernsee dazu, und die Berge: "Wenn man auf die Berge steigt und dann hinunter auf den See schaut, das ist typisch Tegernsee für mich. Unsere Wirtschaften – wir haben querbeet durchweg alles". Wenn sie länger unterwegs wäre, würde sie am meisten die bayerische Küche vermissen, „so einen Schweinsbraten…“

Wenn Besuch käme, beispielsweise von der Brauerei aus Namibia, würde sie in der Früh ein Weißwurstfrühstück mit Blick auf den See organisieren, dann auf einen Berg steigen, von dem man eine schöne Aussicht auf den See hat und eine "Gipfelhoibe" trinken, und dann auf d‘ Nacht irgendwo einkehren. ein Wald- oder Seefest wäre toll. Ansonsten eine Kutschfahrt um den Tegernsee, auf jeden Fall die wunderschöne Region herzeigen.

Privat entspannt sie gern „dahoam, im Garten mit Blick auf die Berge, "da ist es ruhig, oder auf der Alm. Da ist kein Netz, da kann man abschalten, auch mal offline sein“. 

Vroni's Lebensmotto:

„Wenn einer zu mir sagt 'das geht nicht', dann muss es unbedingt sein. Da schau ich auf Biegen und Brechen, dass es geht. 'Gähd ned' gibt’s in meinem Wortschatz nicht."

Entweder - Oder?
Weißbier oder Helles?
Dirndl oder Zivil?
Seefest oder Waldfest
Sommer oder Winter? Echt Zach, ich bin eigentlich beides. 
See oder Meer?
Berg oder See? (Berg, da kann ich auf den See schauen)
 

Impressionen

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller , © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller

© Isabelle Munstermann

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 6, © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 6

© Isabelle Munstermann

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 3, © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 3

© Isabelle Munstermann

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 1, © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 1

© Isabelle Munstermann

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 4, © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 4

© Isabelle Munstermann

Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 2, © Isabelle Munstermann
Bayerische Bierkönigin Vroni Ettstaller 2

© Isabelle Munstermann