Brennerin Textblock 2
Du bist quasi unter Obstbäumen aufgewachsen …
Dort am Hang steht mein Elternhaus. Die Destillerie befindet sich hier auf dem Hof meines Bruders und ringsum stehen viele Obstbäume. Meine Oma hatte eine Landwirtschaft mit drei Kühen, da haben wir als Kinder immer mitgeholfen, auch bei der Obsternte. Eigentlich gibt es nichts Schöneres für ein Kind, als auf dem Bauernhof aufzuwachsen. Die Obstbäume, ihre Zwetschgen, Äpfel und Birnen, sind meiner Oma heilig.
Wie bist du auf die Idee gekommen, den Beruf der Destillateurin zu ergreifen?
Ich war schon auf der Haushaltsschule angemeldet, da suchte Lantenhammer noch kurzfristig einen Azubi zum Destillateur. Und ich wollte ohnehin eine handwerkliche Ausbildung machen. Da haben sie mir angeboten, dass ich erst Destillateurin lerne und dann noch meinen Abschluss als Industriekauffrau dranhänge. So habe ich innerhalb von vier Jahren zwei Ausbildungen gemacht. Ich bin das ganz blind angegangen und es hat sich als großer Glücksfall erwiesen.
Ist Schnapsbrennen nicht eher eine Männerdomäne?
In der Berufsschule in Dortmund waren wir insgesamt fünfzehn Auszubildende in der Klasse, nur drei davon Mädels. Übrigens ist das die einzige Schule für den deutschsprachigen Raum, da waren auch Österreicher und Schweizer. Es ist ein Handwerksberuf, der kräftemäßig auch für Frauen gut machbar ist. Frauen sind allerdings eher selten in diesem Beruf.
Weil man beim Schnapstrinken auch eher an Männer als an Frauen denkt?
Bei den Führungen bei Lantenhammer stelle ich immer wieder fest, dass die Männer oftmals lieber zu Likörchen greifen und die Frauen eher Brände und Geiste verkosten. Die Männer mögen ja auch gern mal etwas Süßes. Vielleicht lässt sich das aber auch gar nicht so festlegen. Ich mag lieber Brände und Geiste und trotzdem gern mal einen Eierlikör. Der war lange tot oder galt zumindest als „Oma-Gesöff“, ist aber jetzt wieder total in.
Braucht man als Destillateurin eine besonders gute Nase und einen feinen Geschmackssinn?
Während der Ausbildung gab es das Fach Sensorik, da haben wir viel probiert. Anfangs habe ich noch keinen Unterschied zwischen Zwetschge und Williams herausgeschmeckt, aber das lernt man. Inzwischen bin ich Destillat-Sommelière und beim internationalen Spirituosenwettbewerb in der Jury. Die Verkostung und Bewertung erfolgen blind, da wird der Geschmack extrem gut geschult.





