Dora Stieler

Dichterin und Hüterin des Stielerhauses

Dora Stieler wurde als Tochter des Dichters Karl Stieler am 27. Juni 1875 geboren. Nach dem Tod des Vaters zog sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern nach Augsburg, doch das Stielerhaus am Tegernsee blieb der Mittelpunkt des Familienlebens. 1910 kehrte Dora Stieler endgültig wieder an den Tegernsee zurück und hütete von da an das Stielerhaus in der Seestraße 74 direkt an der Point in Tegernsee, welches von ihrem Großvater, dem bayerischen Hofmaler Joseph Karl Stieler, nach Erwerb des Grundstücks 1829 als eines der ersten Stadthäuser am Tegernsee erbaut wurde. Das biedermeierliche Sommerhaus war Vorbild für weitere Ansiedelungen bedeutender Künstler im Gefolge des königlichen Hofes im Tegernseer Tal.

Von ihrem Vater erbte Dora Stieler das dichterische Talent und schrieb mehrere Gedichtbände in Mundart und Hochdeutsch. 1901 veröffentlichte sie ihre erste Gedichtsammlung mit dem Titel „Gedichte“, anschließend folgten „Nussen“ und „Erdhauch“. Dabei handeln die Gedichte neben dem Glauben auch von der Liebe zur Natur. Der offizielle Nachlass, der in der Bayerischen Staatsbibliothek liegt, umfasst mittlerweile 68 Blätter, wurde aber bisher nicht erschlossen.

Dora Stieler hatte zeitlebens mit einer schwachen gesundheitlichen Kondition zu kämpfen. Aufgrund einer Augenkrankheit und Nervenleiden verbrachte sie mehrere Monate in Isolation. 1957 verstarb die Dichterin und wurde auf dem Tegernseer Friedhof begraben. Heute befindet sich in dem Stielerhaus das Westerhof-Café, in dem Lesungen, Konzerte, kulinarische Themen-Abende sowie Vorträge und Präsentationen stattfinden.