Federkielsticker Textblock 2

Pfauenauge, sei wachsam – was ist die besondere Herausforderung beim Sticken mit Federkielen im Vergleich zum Sticken mit Garn?

Ein Faden ist rund, ein geschnittener Federkiel flach. Aus einem Federkiel erhalte ich vier Teile. Diese „Fäden“ sind nur so lang, wie der Federkiel lang war. Ich muss also häufiger einen neuen Federkiel nehmen. Die Anfänge und Enden müssen perfekt übereinandergelegt werden, auf der Rückseite ist ein kleiner Knopf, ein Knoten. Beim Sticken muss der Federkiel immer mit der glänzenden Hornseite nach oben liegen. Das ist eine Methode, die der Flachstickerei ähnelt. Nur, dass ich keine Nadel habe. Mit einer feinen Aale steche ich Löcher ins Leder und fädele den Kiel hindurch. Die Löcher dürfen sich nicht berühren, sonst sticht man den vorhergehenden Stich ab. Das erfordert viel Übung.

Sie können nicht direkt mit dem Sticken loslegen, zuerst bereiten Sie das Leder vor. Wie genau?

Ich benötige einen Stickgrund: Die Rückseite des Leders bekommt einen Leinenstoff. Weil es so viele Stiche auf engstem Raum gibt, ist die Gefahr groß, dass das Leder abgestochen wird. Das bedeutet, es könnte kaputt gehen oder reißen, weil es durch die eng aneinandergesetzten Stiche perforiert und daher instabil wird. Das Gewebe schützt und stabilisiert das Leder von der Rückseite. Zwischen Stoff und Leder kommt eine Lage Karton, damit das Ganze eine gewisse Steifigkeit hat.

Der bestickte Hosenträger gehört zur oberbayerischen Tracht…

Das hat sich so eingebürgert. Die aufwändigen federkielgestickten Hosenträger haben allerdings erst nach dem Krieg durch meinen Vater Einzug gehalten, vorher waren es einfachere Stickereien. Ganz früher gab es auch bei uns die breiten Gürtel zur Tracht. Das sieht man beispielsweise auf alten Stichen von den Schützentreffen. Das waren vermutlich die „Geldigeren“, etwa die Brauereibesitzer – je prunkvoller der Gürtel, desto reicher der Träger. Die Tracht hat sich über die Jahrhunderte entwickelt. D’Neureuther hier in Gmund tragen beispielsweise den flachen Samthut – „Scheiberling“ genannt – mit Gamsbart, dazu dunkelblaue Joppen und eine Lodenhose. Wird aber die Lederhose getragen, gehört der Hosenträger dazu. Viele tragen darauf eine Federkielstickerei von den Stechers. Manchmal muss ich für den Enkel die Hosenträger oder Gürtel des Großvaters ändern – den hatte dann einmal mein Vater gemacht. Das sind ja Investitionen, und die werden weitervererbt.