Federkielsticker Textblock 3

Wer sind Ihre Kunden und was bestellen sie bei Ihnen?

Viele sind Einheimische, aber viele Kunden kommen auch von anderswoher. Manche besitzen eine Zweitwohnung am Tegernsee und für die Waldfeste möchten Sie beispielsweise auch einen traditionell gearbeiteten Gürtel haben. Diese Kunden schätzen die hiesigen Traditionen, das alte Handwerk – und meine Arbeit. Man muss ja auch sehen: Das ist nicht ganz billig. Nicht, weil ich so einen horrenden Stundenlohn habe, sondern weil diese Stickereien viele Stunden Arbeitszeit erfordern. Der Materialeinsatz ist dabei das Wenigste. Bei einem Hosenträger liegt das Material vielleicht bei etwa 150 Euro, aber mit der Stickerei kostet der Hosenträger am Ende etwa 2.000 Euro. Die Kunden wissen, dass es ein altes, traditionelles und zeitintensives Handwerk ist und lassen es sich auch etwas kosten.

Wer bei Ihnen etwas bestellt, nimmt gern eine Wartezeit in Kauf. Wie lange etwa dauert das Besticken eines Gürtels oder Hosenträgers?

Es kommt darauf an, wie aufwändig die Stickerei ist, aber auf einen bestickten Gürtel muss man schon mal ein halbes Jahr warten. In einem bestickten Hosenträger stecken etwa 40 Stunden Arbeitszeit.

Ihre Jagdrucksäcke sind weit über Bayern hinaus beliebt bei Kunden mit Rang und Namen…

Die gehen nach ganz Deutschland und in die ganze Welt. Die normale Ausstattung ist mit Lederriemen, wie es bei den Jägern üblich ist. Wir verwenden ein stabiles grünes Leinen aus Österreich für den Rucksack. Auf den Trägern ist eine einfache Verzierung in Form einer Lederstickerei. Das ist unsere Handschrift, so haben es schon der Vater und der Großvater gemacht – Verzierungen, wie sie auch bei den Pferdegeschirren vorkommen. Die edle Variante ist dann mit Federkielstickerei. Da sticke ich oft Initialen und Familienwappen ein.

Was gehört zur Arbeit eines Sattlers?

Der Beruf ist aufgeteilt in zwei Spezialisierungen: Reitsportsattel und Pferdegeschirre. Mein Vater und ich haben 30 Jahre gemeinsam in der Werkstatt gearbeitet und in dieser Zeit auch einige Pferdegeschirre gemacht. Heute konzentriere ich mich mehr auf die Federkielstickerei. Große Brauereipferd-Geschirre brauchen viel Zeit, wenn man allein daran arbeiten würde, bliebe alles andere liegen. Mit meinem Sohn fertige ich momentan aber einen Zweispänner für uns selbst an, zu zweit geht es halt dann doch besser