Federkielsticker Textblock 4
Ein prächtig verziertes Pferdegeschirr ist auch in Ihren Werkstatträumen ausgestellt…
Ludwig hat die ganze Bandbreite bei mir in der Ausbildung gelernt, darum haben wir auch für unsere eigenen Kaltblüter eins gemacht. Es ist ein traditionelles Arbeitsgeschirr mit Spitzkummet, wie es bei uns im Oberland gefahren wird. Das Geschirr ist komplett in Leder gearbeitet. Ein richtiges, g‘scheites Geschirrleder – das muss auch etwas aushalten, das sind ja große Pferde. Geschmückt ist es mit einer Lederstickerei. Die Technik ist ähnlich wie die Federkielstickerei, aber eben viel größer. Das Tegernseer Seelaub ist unter anderem eingestickt.
Ihre Geschirre sieht man auch beim traditionellen Rosstag in Rottach-Egern und zur Leonhardi in Kreuth?
Da laufen schon einige von uns mit, die der Vater und ich gemacht haben.
Die Hofsattlerei wurde als Familienbetrieb 1834 begründet, steht an der Hausfassade…
In alten Chroniken von Gmund haben wir entdeckt, dass unser Ur-Urgroßvater Anton Stecher bereits 1825/26 mit der Eröffnung einer Sattlerei erwähnt ist. Deshalb feiern wir in diesem Jahr das 200-jährige Bestehen. Der Urgroßvater hat später 1899 den Titel „Herzoglich bayrischer Hofsattler“ von der Herzoglichen Familie erhalten. „Hofsattlerei und Tapeziergeschäft“ steht an der Fassade. Sattler und Tapezierer war früher ein und derselbe Beruf. Wir haben auch Sofas und Kastenmatratzen bezogen, klassische Polsterungen gemacht, Teppiche verlegt und tapeziert. Daraus ist später der Raumausstatter geworden. Meine erste Lehre war auch Raumausstatter, danach habe ich Sattler gelernt.
Während wir hier sitzen, klingelt zweimal das Telefon mit Anfragen, die Sie ablehnen müssen. Was machen Sie alles nicht?
Koffer- und Taschenreparaturen! Dafür gibt’s den Täschner. Ich repariere auch keine Schuhe, dafür gibt’s den Schuster. Und keine Autoverdecke oder -sitze, das macht der Autosattler. Manchmal freuen sich die Leute, wenn sie irgendwo etwas günstig kaufen. Das geht dann entweder schnell kaputt oder passt nicht gescheit, wie Landhaus- oder Trachtengürtel. Dann möchten sie es richten lassen. Dafür habe ich nicht die Zeit und vor allem: Ich möchte es auch nicht. Ich mache meine eigenen Arbeiten, übe ein traditionelles Kunsthandwerk aus, damit bin ich ausgelastet, glücklich und zufrieden.





