Federkielsticker Textblock 5
Ludwig ist in die Werkstatt hineingewachsen, so wie Sie einst bei Ihrem Vater?
Als Kind hat er schon mithelfen dürfen, droben auf dem Pferdebock, die Pferdegeschirre mit Pinsel und Lederfett schmieren, die Kanten von den Riemen färben. Letztes Jahr hat er die Ausbildung abgeschlossen. Die genaue Berufsbezeichnung ist Reitsportsattler. Zur Gesellenprüfung musste er einen Reitzaum machen. Bei den Reitsport-Zaumzeugen ist die Konkurrenz aus China und Indien viel zu billig. Es werden daher später eher Einzelanfertigungen sein. Der Schwerpunkt seiner zukünftigen Arbeit wird sich ergeben.
Ludwig, war es für dich immer klar, dass du den Familienbetrieb weiterführen möchtest?
Ich hatte es daheim dauernd vor der Nase und dachte eigentlich, dass ich das nicht als Ausbildungsberuf lernen brauche. Daher habe ich zuerst ein Praktikum bei einem Mechaniker gemacht, danach aber bei einem Sattler. Dort habe ich noch mal andere Aspekte des Handwerks gesehen, da hat es Klick gemacht und ich wusste: Ich lern‘ es auch von der Pike! Die Familientradition möchte ich weiterführen, eigentlich käme gar nichts anderes infrage.
Mit der Hand zu Arbeiten bedeutet für Sie…
Dass es nichts von der Stange ist, sondern etwas das langsam entsteht, etwas mit Seele. Und ich habe es bei meinem Vater gesehen: Die Leute schätzen Handarbeit. Für bestimmte Arbeiten braucht man eine Nähmaschine und manches lässt sich auch mal am Schwung herrichten, wie die Riemen für die Hosenträger oder die Gürtel. Aber dann ist es wieder reine Handarbeit, die ganze Federkielstickerei vom Herrichten der Federn bis zum Sticken selbst.





