Winkler Textblock 3
Zwei Generationen von Schneidermeistern arbeiten gemeinsam im Atelier: Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Die funktioniert definitiv sehr gut! Jeder hat sein Spezialgebiet, daher ergänzen wir uns. Wir haben beide daheim gelernt, weil unsere Mama uns natürlich alles beigebracht hat. Sie ist zugleich Chefin, Mentorin und das große Vorbild. Man strengt sich mehr an, damit die Mama zufrieden ist. Und noch ein Vorteil: Im eigenen Familienbetrieb bekommt man die Familiengeheimnisse im Handwerk weitergegeben. Nachdem sie uns alles beigebracht hatte, meinte sie, jetzt müssten wir mal woanders hin gehen. Auch der Opa hatte außerhalb Kreuths Erfahrungen gesammelt, bei Max Dietl in München, das war damals das erste Haus am Platz.
Verena und Josef, ihr habt beide in London gearbeitet und Verena arbeitet immer mal wieder in Paris?
Durch einen glücklichen Zufall kamen wir in Londons berühmter Schneiderstraße Savile Row zu einem Herrenmaßschneiderbetrieb, der auch für Prinz Philipp gearbeitet hat: Kent, Hast & Lachter. Als sie ein Stück von uns sahen, sagten sie: Bei dieser Verarbeitung – da könnt ihr sofort bei uns anfangen! Die deutsche Herrenschneiderausbildung ist in anderen europäischen Ländern generell hoch angesehen. In dem Fall ist der deutsche Perfektionismus förderlich. In Paris an der Oper kann jeder in der Verarbeitung arbeiten, die er gelernt hat, teils sind dort 30 Schneider. Verena arbeitet dort immer wieder projektbezogen mit, und dann wieder zu Hause im Familienbetrieb.
Zu Hause, das ist Kreuth. Und im Sommer ist Kreuth für seine Waldfeste berühmt. Was trägt „Mann“ dann?
Eine Lederhose mit Hosenträgern von Federkielsticker Karl Stecher, ein Erhardt-Hemd, eine Weste, gescheite Strümpfe und Haferlschuh. Und natürlich eine Joppe von uns!
… und zwar nicht irgendeine Joppe! Wer eine „Tegernseer Joppe“ tragen möchte, geht seit Generationen zu den Winklers. Was für eine Joppe ist das und was ist das Besondere daran?
Die Tegernseer Joppe verdanken wir Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern, der so etwas in der Steiermark gesehen hatte. Der Enkel des berühmten "Zither Maxl" hatte eine künstlerisch begabte Frau, die Entwurfsskizzen nach der steierischen Joppe zeichnete. Der Herzog kam damit zu unserem Vorfahren Josef Winkler, dem Gründer der Maßschneiderei im Jahr 1903, und ließ solche Joppen für seine Jäger und Angestellten schneidern. Bald fanden seine adeligen Verwandten und Freunde Gefallen daran und auch die Leute aus dem Tegernseer Tal. So wurde die sogenannte Tegernseer Joppe ein fester Bestandteil unserer oberbayrischen Tracht. Damen wie Herren sind damit immer gut gekleidet.





