Winkler Textblock 5

Beim Erstbesuch wird Maß genommen…

Da haben wir ein spezielles Lenassi System, das der Opa noch verfeinert hat. Die Maße werden 3-D genommen, und zwar von Hand mit der Wasserwaage. Anhand der vielen Maße, die dabei erfasst werden, sieht man genau die jeweilige Figur. So wie ein Schuster die Leisten seiner Kunden lagert, heben wir alle Schnitte auf. Da kann man Schnittveränderungen dazuschreiben, wenn sich die Figur verändert. Und man hat den Schnitt gleich da, wenn jemand eine zweite Jacke bestellt.

Wenn man eine Tegernseer Joppe in Auftrag gibt – wie lange dauert es, bis sie fertig ist?

Wenn ein Kunde Stoff und Modell ausgesucht hat und Maß genommen wurde, kommt die längste Wartezeit. Es dauert zunächst auftragsbedingt acht bis zehn Monate, bis wir anfangen können. Aber dann geht es schnell. Nach etwa zehn Stunden Arbeitszeit machen wir zeitnah die erste sogenannte Roh-Anprobe und die zweite Anprobe kurz darauf. An reiner Arbeitszeit dauert eine Joppe einundvierzig Stunden, ein Sakko 50 Stunden.

Was macht die Maßschneiderei so aufwändig?

Es steckt immens viel Handarbeit drin – vom Maß nehmen bis zu den Knopflöchern. Dann kommt es auch auf die Taschen an. Pattentaschen sind am aufwändigsten. Bei der Erstanprobe sieht das Ganze noch etwas chaotisch aus mit den vielen Heftfäden, mit denen wir die unterschiedlichen Lagen zusammennähen. Wenn wir da die Form nicht richtig drin haben, passt’s auch später nicht. Das ist daher das wesentliche Ziel der ersten Anprobe. Erst dann kommt der ganze Part mit Paspolierung, Taschenverarbeitung und Futter – alles per Hand. Bei der zweiten Anprobe werden die Schultern perfekt angepasst. Darauf folgt der Feinschliff, das Einnähen der Ärmel und der Kragen, das ist auch alles noch mal sehr komplex.