Rudi Gritsch Textblock 2

Du bietest aber noch mehr an…

…und zwar geführte Wanderungen rund um den Tegernsee. Außerdem gibt es „Tegernsee von oben“ – eine Führung auf den Höhenwegen, bei denen es mir weniger um die Details in Tegernsee geht als vielmehr um das ganze Tegernseer Tal. Andere Heimatführer haben andere Themen, beispielsweise Toni Wackersberger seine Steinadlerwanderungen.

Heut geht’s auf Ortsführung durch Tegernsee – was erwartet uns?

Bei der Ortsführung ist es wichtig, dass ich etwas über das Benediktinerkloster erzähle, weil das Kloster über 1.000 Jahre die Geschichte des Tegernseer Tals bestimmt hat. Danach geht es fast nahtlos über zu den Wittelsbachern. Beide haben viele Spuren hinterlassen und diese gehen wir ab. Aber wir bleiben nicht in der Vergangenheit stehen, sondern ich stelle auch aktuelle Sorgen und Nöte in Tegernsee vor – Verkehrs- und Wohnraumprobleme, die Enge zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern. Wir werfen also einen Blick in die Vergangenheit, auf heutige Herausforderungen und vielleicht auch darauf, wo es Lösungsansätze gibt für die Zukunft.

Welche drei Highlights in Tegernsee sollte man unbedingt ansehen?

Das eine ist das ehemalige Kloster und unsere wunderschöne Barockkirche – vom baulichen her und der Bedeutung für Tegernsee. Das zweite ist die Rosenstraße mit den schönen Gebäuden im Heimatstil, weil man daran sehen kann, wie man hier gelebt und gearbeitet hat. Und als drittes sucht man sich einen schönen Aussichtspunkt – an der Länd oder oben am Berg, beispielsweise unterhalb des Hotels Das Tegernsee, um einmal das Tegernseer Tal als Ganzes in sich aufzunehmen. Der Gesamteindruck entsteht sehr gut, wenn man sich mal diese drei Dinge anschaut.

Welche drei Fakten über Tegernsee sollte jeder wissen?

Erstens, dass wir hier eine über 1.250-jährige Geschichte haben. Sie hat Spuren, Gebäude, Straßen, Strukturen und Landschaften hinterlassen, die langsam gewachsen sind. Zweitens, dass im Tegernseer Tal gar nicht so viele Menschen leben. In der Stadt Tegernsee sind es etwa 4.000, im gesamten Tal etwa 25.000. Aber jedes Jahr kommen um die vier Millionen Tagesgäste her. Das ist eine echte Herausforderung. Und drittens: Das Kloster hat in seiner über tausendjährigen Geschichte nur zweimal kurz vor der Auflösung gestanden. Dazwischen gab es immer wieder Jahrhunderte der Kontinuität. Wir tragen die Verantwortung, diese Geschichte weiterzuschreiben und dabei die Balance zu finden zwischen bewusster Bewahrung und aktiver Erneuerung, denn Stillstand bedeutet Rückschritt.

Anlässlich des 80. Jahrestages zum Ende des II. Weltkrieges ist noch eine neue Tour dazu gekommen: „Leben zwischen Idyll und Ideologie - Der Tegernsee in der Zeit des Nationalsozialismus.“ Worum geht es?

Die Führung nimmt eine Zeitspanne zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Fokus, zu der es bisher kaum öffentliche Angebote gab. Die Gäste erfahren, wie die Zeit sich vor Ort dargestellt hat – bis hin zu einem spannenden Kriegsende, als das Tal durch den Mut einiger Männer friedlich an die Amerikaner übergeben werden konnte, statt bombardiert zu werden. Es geht auch darum, wie jüdische Bürger das Tal verlassen mussten und sich zugleich immer mehr Nazigrößen – deshalb „Lago di Bonzo“ – niederließen. Die starke nationalsozialistische Präsenz wurde auch durch Hitlers mehrmalige Auftritte unterstrichen. Wir zeigen außerdem, wie diese Zeit vor Ort aufgearbeitet wird, etwa vom Hotel Blyb, den Schulen, dem Olaf Gulbransson Museum und Museum Tegernseer Tal sowie dem Tegernseer Tal Verlag.