Tegernsee Steg, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

Sagenspaziergang

Der Spaziergang  führt vom Bahnhof zum Hotel „Der Westerhof“ (1.), von dort über den Lieberhof (2.) hinunter über die Bahnhofstraße zum Schlossplatz des Klosters Tegernsee (3.). Vom Kloster sind es nur wenige Schritte zur ehemaligen Hoffischerei (4.), an der sich auch der Hoffischereiweg anschließt (5.). Weiter entlang an der Seestraße biegt man rechts in den Überfahrtweg ein und läuft hinunter bis zur Point (6.). Über Ludwig-Ganghofer-Weg und Seestraße erreicht man die Leebergstraße, die man bis zum Leeberghof hochläuft (7.). Wenige hundert Meter entfernt ist der Große Paraplui am Leeberg gelegen (8.). Die gesamte Strecke umfasst ca. 7 km und dauert ungefähr 2 Stunden.

Westerhof - Antichrist, © Der Tegernsee

1. Station: Der Westerhof

Das Spiel vom Antichrist

Der Ludus de Antichristo ist ein lateinisches Drama in 414 Versen vom Kampf zwischen dem christlichen Endkaiser, der die Herrschaft über die Welt gewinnt, und dem Antichrist. Die Entstehung fällt in die Zeit um 1160. Die Legende besagt, dass im Westerhof bereits im 12. Jahrhundert dieses wohl bekannteste Drama des Mittelalters vor Kaiser Friedrich I. Barbarossa uraufgeführt wurde ─ ein Umstand, von dem ein meisterliches Fliesenkunstwerk am Nebengebäude zeugt.

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Ort:

Das Hotel „Der Westerhof“ galt einst als der größte Klosterhof des Tegernseer Tals, zudem als Ort der Erholung für die Tegernseer Mönche. Nach Aufhebung des Klosters wechselte das Anwesen in weltlichen Besitz. 1953 wurde hieraus eine Privatklinik. 2005 fand der Westerhof als „Hotel garni“ seine erste Verwendung als Hotelbetrieb am Tegernsee.

Wegbeschreibung:

Bahnhof – Der Westerhof
Vom Bahnhof läuft man in die Neureuthstraße und biegt nach 150 m ab, um über den Lindenhügel wieder die Neureuthstraße zu passieren. Nach weiteren 160 m gelangt man zur Westerhofstraße, biegt links ab und erreicht zur Linken das Hotel „Der Westerhof“.

Der Lieberhof Gästeraum, © Der Lieberhof

2. Station: Lieberhof

Der tapfere Bub vom Lieberhof

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) marschierten schwedische Truppen unter Gustav Adolf in München ein und durchschwärmten das bayerische Oberland. Eines Nachts drangen zwei marodierende Soldaten in das Haus des Bauern vom Lieberhof ein, verlangten Geld und Schmuck und wollten den Bauern und seine Familie foltern. Die Sage erzählt, wie auf wunderliche Weise der tapfere Sohn des Bauern alle vor dem Tod bewahrte.

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Ort:

Der Lieberhof diente einst als landwirtschaftliche Einrichtung für die Mönche von Tegernsee. Nach Schließung des Klosters blieb er ein Bauernhof, bis im Jahr 1918 durch die Landgemeinde Tegernsee ein Gasthaus sich daraus entwickelte. Heute ist der Lieberhof ein Bergbauernhof mit Übernachtungsmöglichkeit.

Wegbeschreibung:

Der Westerhof – Lieberhof
Vom Westerhof läuft man nach rechts in die Olaf-Gulbransson-Straße. Nach 350 m biegt man wieder rechts ab in die Neureuthstraße. Wenige Schritte weiter steht der Lieberhof.

Klosterkirche Tegernsee, © Der Tegernsee, Isabelle Munstermann

3. Station: Kloster Tegernsee

Der fromme Abt vom Tegernsee

Von einem der gottesfürchtigsten oberen Mönche, die im Kloster gelebt haben und von denen man sagt, sie können „himmlische Gesichte“ schauen, erzählt die Geschichte des bayerischen Schriftstellers Heinrich Noë (1835-1896): „Eines Tages – es war der Vorabend des Festes Mariä Verkündigung – erschien der fromme Abt weder beim Mittag- noch beim Abendessen im Refectorium. Endlich wurden die Mönche unruhig; sie fürchteten, es sei ihm etwas Uebles begegnet. [...].“

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Ort:

Das vielleicht bedeutendste Kloster im alten Bayern wurde im 8. Jahrhundert von den beiden adligen Brüdern Adalbert und Otkar am Ostufer des Tegernsees gegründet. Neben der kulturellen Blüte des Klosters im Hohen Mittelalter als Schreib- und Malschule, als Entstehungs- und Überlieferungsort für literaturgeschichtlich bedeutsame Werke war auch seine politische und wirtschaftliche Stellung entscheidend. Seit der Säkularisation 1803 befindet sich das Kloster im Besitz des Hauses Wittelsbach.

Wegbeschreibung:

Lieberhof – Kloster Tegernsee
Will man nicht denselben Weg zurückgehen, kann man über Lieberhofweg und Max-Josef-Straße die Bahnhofstraße erreichen. In diese biegt man links ab, überquert den Alpbach und läuft hinunter bis zum Museum Tegernseer Tal. Jetzt passiert man die Seestraße und erreicht den Schlossplatz des Klosters.

 

Fischerei Tegernsee, © Der Tegernsee, Ines Wagner

4. Station: Fischerei Tegernsee

Der Fisch mit dem goldenen Ring

Der Sage nach soll es zwischen Tegernsee und Schliersee eine unterirdische Verbindung geben, die von einem Erdbeben (gemeint ist möglicherweise das schwere Erdbeben von Lissabon von 1755, das bis in die Alpen noch spürbar gewesen sein soll) ausgelöst wurde. Seither tragen beide Seen die Wasser des jeweils anderen.

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Ort:

Der Tegernsee ist einer der saubersten Seen in Bayern. Etwa zwei Tonnen Fisch werden jährlich im See geangelt. In der um 1821 errichteten ehemaligen Hoffischerei werden die fangfrischen Fische zu Delikatessen veredelt und verkauft; das Gebäude selbst wird großenteils vom Yachtclub Tegernsee genutzt. In der Fischerei ist auch eines von fünf Holzmodellen von besonders großen Fischen aus dem See an der Wand angebracht.

Wegbeschreibung:

Kloster Tegernsee – Fischerei Tegernsee
Vom Kloster geht man nach Süden Richtung Schlosspromenade. Nach ca. 170 m erreicht man die ehemalige Hoffischerei.

Hoffischereiweg, © Der Tegernsee

5. Station: Hoffischereiweg

Das unglückliche Hochzeitsschiff

Die Überlieferung berichtet, dass im Jahr 1544 in der Egerner Kirche eine Hochzeit stattgefunden hat, bei der ein junges Brautpaar mit allen Verwandten anwesend war. Nach der Trauung fuhr die Hochzeitsgesellschaft mit den damals üblichen Bauernschiffen über den See nach Tegernsee, wo in einem Gasthof das Hochzeitsmahl angerichtet wurde. Bei der Heimfahrt zurück nach Egern gerieten die Hochzeiter in einen schweren Sturm und kenterten.

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Ort:

An der Uferpromenade, ca. 100 m östlich vom ehemaligen Kloster, steht ein Tuffsteinkreuz mit der Jahreszahl 1544. Das Kreuz entspricht seiner Form und Entstehungsgeschichte nach einem weiteren, ebenfalls mit der Jahreszahl 1544 beschrifteten Steinkreuz am Egerner Seeufer. Beide Kreuze erinnern an „ein Unglück in vergangener Zeit“ und markieren den „Tanzplatz der Windsbraut“.

Wegbeschreibung:

Fischerei Tegernsee – Hoffischereiweg
Von der Fischerei keine hundert Meter entfernt befindet sich am nahegelegenen Hoffischereiweg ein altes Tuffsteinkreuz.

Point, © Der Tegernsee

6. Station: Point

Das Rockadirl vom Tegernsee

An der schmalsten Stelle des Tegernsees trug sich vor vielen Jahrhunderten folgende Sage zu: Der Überfahrer Martl aus Egern soll nach einer Bauernhochzeit in einer stürmischen Nacht eine alte Frau, das Rockadirl, ans andere Ufer gefahren und erlöst haben. Dieses sei ein adliges Mädchen gewesen, das als Sühne für eine Freveltat ihrer Familie ins Kloster geschickt wurde. Aus Verzweiflung darüber habe es sich in den See gestürzt und sitzt nun an einem Spinnrocken, um Flachs zu spinnen.

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Ort:

Die Point ist eine Landspitze, die mit der gegenüberliegenden, auf der sich der Ortsteil Rottach-Egern befindet, eine Bucht bildet, die der Egernwinkel genannt wird. Von der Point aus blickt man über eine sanft emporsteigende Wiese hinauf zu einer Reihe der schönsten Landhäuser. Die Ruderbootfähre zwischen Point und Egern gibt es seit 500 Jahren.

Wegbeschreibung:

Hoffischereiweg – Point
Den Hoffischereiweg läuft man zu Ende, bis man zur Seestraße wieder herauskommt. Nach einigen hundert Metern biegt man rechts ab in den Überfahrtweg. Vorbei am Sportplatz Point Tegernsee erreicht man unten die Anlegestelle.

Riederstein, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

7. Station: Leeberghof

Wie das Riedersteinkirchlein entstand

Zwei Legenden ranken sich um die Entstehung der Riedersteinkapelle. Die eine besagt, dass die Riedersteinkapelle aus Dank für die glückliche Errettung der Pferde des Bauern vom Leeberghof erbaut worden sei. Die andere Legende besagt, dass zur Zeit, als es noch wilde und gefährliche Tiere in der Gegend gab, ein Jäger eine Bärenspur verfolgte, die ihn vom Hang der Baumgartenschneid hinunter zum Riederstein führte.

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Ort:

Die Riedersteinkapelle ist eine kleine neugotische Kapelle, belegt mit rotem Tegernseer Marmor, deren Entstehungszeit bis aufs Jahr 1841/42 zurückgeht: Ein Diener des Schlosses Tegernsee namens Hupfauer errichtete den Vorgängerbau und erweiterte die Kapelle 1850/51. 1897 wurden auch die 14 Kreuzweg-Tafeln aufgestellt, die auf über 500 Treppenstufen zur Kapelle führen.

Wegbeschreibung:

Point – Leeberghof
An der Point biegt man rechts ab Richtung Ludwig-Ganghofer-Weg. Diesen läuft man hoch und überquert die Seestraße Richtung Leebergstraße. Rechts und links gehen Werinher- und Froumundstraße ab, die an prominente Tegernseer Mönche erinnern: Von Froumund (ca. 960-1008) stammt eine bedeutende Brief- und Liedersammlung, von Werinher die Überlieferung des wohl ältesten Liebesgedichts in deutscher Sprache „Dû bist mîn, ich bin dîn“ (um 1170). Weiter die Leebergstraße hoch biegt man links ab in die Ellingerstraße. Von dort sind es nur wenige hundert Meter, bis man den Leeberghof erreicht.

Leeberg, © Der Tegernsee

8. Station: Leeberg

Klosterschatz der Tegernseer Mönche

Einstmals verband ein unterirdischer Gang den Leeberg mit dem Kloster Tegernsee. Der Gang diente als Verbindungstrakt für die Schätze des Klosters, die in Kriegszeiten in geheimen Höhlen des Leebergs versteckt wurden. Als einmal das Schloss zur Schatzkammer kaputtging, holte man einen Schlosser. Um den Ort weiterhin geheim zu halten, wurden diesem die Augen verbunden. Der Sage nach soll er daraufhin die Stelle eines geheimen Schatzwächters eingenommen haben.

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Ort:

Auf dem Leeberg oberhalb der Schwaighofstraße steht das Haus des bayerischen Schriftstellers Ludwig Ganghofer (1855-1920), die „Villa Maria“. Was nur wenige wissen: Dem ersten Teil des Namens Leeberg, also „Lee“, liegt das althochdeutsche „lêo“ für Hügel oder Grabhügel zugrunde.

Wegbeschreibung:

Leeberghof – Großer Paraplui am Leeberg
Vom Leeberghof bewegt man sich nach Westen Richtung Leeberg-Höhenweg. Nach 140 m biegt man rechts ab und erreicht den Asamweg. Am Stieler-Denkmal vorbei gelangt man zum Großen Paraplui am Leeberg. Der Holzpavillon bietet eine wunderbare Aussicht auf den Tegernsee und erinnert mit einem Gedenkstein an das „Dreikönigstreffen“ vom 8. Oktober 1822 (König Max I. Joseph von Bayern, Franz I. Kaiser von Österreich, Alexander I. Kaiser von Russland).

Ergänzende Literatur zu diesem Thema: 

Sagen und Legenden um Miesbach und Holzkirchen: aus dem Gebiet des Landkreises Miesbach mit Tegernsee, Schliersee, Spitzingsee, Seehamer See gesammelt und neu erzählt von Gisela Schinzel-Penth. 8 Federzeichnungen von Heinz Schinzel. Andechs-Frieding: Ambro Lacus, Buch- und Bildverl. 1995.

Tegernseer Sagen. Nacherzählt und mit Holzschnitten illustriert von Sepp Mohr. München: Volk Verlag 2016.

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