Tegernsee Steg, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

Sagenspaziergang

Der Spaziergang  führt vom Bahnhof zum Hotel „Der Westerhof“ (1.), von dort über den Lieberhof (2.) hinunter über die Bahnhofstraße zum Schlossplatz des Klosters Tegernsee (3.). Vom Kloster sind es nur wenige Schritte zur ehemaligen Hoffischerei (4.), an der sich auch der Hoffischereiweg anschließt (5.). Weiter entlang an der Seestraße biegt man rechts in den Überfahrtweg ein und läuft hinunter bis zur Point (6.). Über Ludwig-Ganghofer-Weg und Seestraße erreicht man die Leebergstraße, die man bis zum Leeberghof hochläuft (7.). Wenige hundert Meter entfernt ist der Große Paraplui am Leeberg gelegen (8.). Die gesamte Strecke umfasst ca. 7 km und dauert ungefähr 2 Stunden.

Sagenspaziergang - Station Westerhof, © Dr. Peter Czoik

1. Station:

Der Westerhof – Das Spiel vom Antichrist

Der Ludus de Antichristo ist ein lateinisches Drama in 414 Versen vom Kampf zwischen dem christlichen Endkaiser, der die Herrschaft über die Welt gewinnt, und dem Antichrist. Die Entstehung fällt in die Zeit um 1160. Die Legende besagt, dass im Westerhof bereits im 12. Jahrhundert dieses wohl bekannteste Drama des Mittelalters vor Kaiser Friedrich I. Barbarossa uraufgeführt wurde ─ ein Umstand, von dem ein meisterliches Fliesenkunstwerk am Nebengebäude zeugt.

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Ort:

Das Hotel „Der Westerhof“ galt einst als der größte Klosterhof des Tegernseer Tals, zudem als Ort der Erholung für die Tegernseer Mönche. Nach Aufhebung des Klosters wechselte das Anwesen in weltlichen Besitz. 1953 wurde hieraus eine Privatklinik. 2005 fand der Westerhof als „Hotel garni“ seine erste Verwendung als Hotelbetrieb am Tegernsee.

Wegbeschreibung:

Bahnhof – Der Westerhof
Vom Bahnhof läuft man in die Neureuthstraße und biegt nach 150 m ab, um über den Lindenhügel wieder die Neureuthstraße zu passieren. Nach weiteren 160 m gelangt man zur Westerhofstraße, biegt links ab und erreicht zur Linken das Hotel „Der Westerhof“.

Einkehrmöglichkeit:

  • Der Westerhof

Der Lieberhof Gästeraum, © Der Lieberhof

2. Station: Lieberhof

Der tapfere Bub vom Lieberhof

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) marschierten schwedische Truppen unter Gustav Adolf in München ein und durchschwärmten das bayerische Oberland. Eines Nachts drangen zwei marodierende Soldaten in das Haus des Bauern vom Lieberhof ein, verlangten Geld und Schmuck und wollten den Bauern und seine Familie foltern. Die Sage erzählt, wie auf wunderliche Weise der tapfere Sohn des Bauern alle vor dem Tod bewahrte.

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Ort:

Der Lieberhof diente einst als landwirtschaftliche Einrichtung für die Mönche von Tegernsee. Nach Schließung des Klosters blieb er ein Bauernhof, bis im Jahr 1918 durch die Landgemeinde Tegernsee ein Gasthaus sich daraus entwickelte. Heute ist der Lieberhof ein Bergbauernhof mit Übernachtungsmöglichkeit.

Wegbeschreibung:

Der Westerhof – Lieberhof
Vom Westerhof läuft man nach rechts in die Olaf-Gulbransson-Straße. Nach 350 m biegt man wieder rechts ab in die Neureuthstraße. Wenige Schritte weiter steht der Lieberhof.

Einkehrmöglichkeit:

Klosterkirche Tegernsee, © Der Tegernsee, Isabelle Munstermann

3. Station: Kloster Tegernsee

Der fromme Abt vom Tegernsee

"Von einem der gottesfürchtigsten oberen Mönche, die im Kloster gelebt haben und von denen man sagt, sie können „himmlische Gesichte“ schauen, erzählt die Geschichte des bayerischen Schriftstellers Heinrich Noë (1835-1896)."

Eines Tages – es war der Vorabend des Festes Mariä Verkündigung – erschien der fromme Abt weder beim Mittag- noch beim Abendessen im Refektorium. Endlich wurden die Mönche unruhig; sie fürchteten, es sei ihm etwas Übles begegnet. Doch wagte es keiner, an seiner Zelle anzuklopfen – denn es war doch möglich, dass sie ihn bei irgendeiner frommen Verrichtung störten. Zuletzt, als es schon spät in der Nacht war, vermochte es der älteste Pater, an seiner Türe zu pochen. Es erfolgte keine Antwort. Der Pater trat ein und was sah er? Auf dem Boden kniete der Abt, die Blicke nach dem Bilde der allerseligsten Jungfrau gerichtet. Sein Arm war ausgestreckt, die Hand zusammengeballt, als ob sie etwas hielte. Aus ihrer Höhlung drang ein heller Schein. Es war das Licht vom Reste einer Wachskerze, welche soweit herabgebrannt war, ohne dass es ihr Träger an irgendwelchem Schmerz verspürte.

Der Pater rüttelte ihn und rief. Erst nach langer Zeit kam er zu sich und fragte verwundert, was man von ihm wolle. Es währte abermals geraume Weile, bis man ihm klar machte, wie lange Zeit er da in Verzückung gelegen haben müsse, da die Wachskerze so weit in seine Hand hinein gebrannt war. Der fromme Abt vermeinte, er habe sich vor wenigen Augenblicken nieder gekniet. Doch wusste er von unsäglichen Herrlichkeiten des Himmels zu erzählen, welche seinem begnadigten Blick begegnet seien. Darum wurde er vom Volke wie ein Heiliger verehrt. Als man bei Anlegung des herrschaftlichen Eiskellers die Grüfte des Klosters zerwühlte und die morschen Gebeine in großen Fuhren fortschaffte, fand man auch die wohlerhaltende Leiche dieses Frommen. Sie war an dem goldenen Kreuze kenntlich, welches den Namen des berühmten Abtes trug. Dieses Kreuz wanderte auf irgendeinen Trödelmarkt.

Quelle: (Heinrich Noë: Baierisches Seebuch. München: Schöpping, 1865, S. 280f.)

Ort:

Das vielleicht bedeutendste Kloster im alten Bayern wurde im 8. Jahrhundert von den beiden adligen Brüdern Adalbert und Otkar am Ostufer des Tegernsees gegründet. Um die Entstehung und Zerstörung des Klosters ranken sich eigene Sagen. So soll der Sohn des Frankenkönigs Pippin den Sohn des Otkar beim Schachspiel aus Jähzorn erschlagen haben, worauf die beiden Brüder das Kloster gründeten und damit einen ungewollten Krieg vermieden. Auch pilgerten sie nach Rom und brachten die Reliquien des Märtyrers Quirinus (gest. 269) nach Tegernsee. Neben der kulturellen Blüte des Klosters im Hohen Mittelalter als Schreib- und Malschule, als Entstehungs- und Überlieferungsort für literaturgeschichtlich bedeutsame Werke wie den ersten Ritterroman Ruodlieb, das Spiel vom Antichrist (Ludus de Antichristo) und den Tegernseer Liebesgruß („Dû bist mîn, ich bin dîn“) war auch seine politische und wirtschaftliche Stellung entscheidend: Das Reichskloster erhielt kaiserliche Privilegien. Erst die Misswirtschaft, Lockerung der Ordensdisziplin und Kriege führten im 14. Jahrhundert zu einem Niedergang. Die Tegernseer Reform im 15. Jahrhundert, die in Kloster Melk ihren Ausgang nahm und Tegernsee erstmals auch für Bürgerliche öffnete, brachte dann einen Aufschwung, der bis zur Säkularisation 1803 anhielt. Seit dieser Zeit befindet sich das Kloster im Besitz des Hauses Wittelsbach. Die wichtigsten Kunstwerke und einige tausend Bände kamen in staatliche Sammlungen. Das „Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee“ und zwei Gaststätten sorgen für das leibliche Wohl der Besucher. In den 1970er-Jahren erwarb der Freistaat Bayern zwei Trakte des Schlosses für das dort ansässige Gymnasium.

Wegbeschreibung:

Lieberhof – Kloster Tegernsee
Will man nicht denselben Weg zurückgehen, kann man über Lieberhofweg und Max-Josef-Straße die Bahnhofstraße erreichen. In diese biegt man links ab, überquert den Alpbach und läuft hinunter bis zum Museum Tegernseer Tal. Jetzt passiert man die Seestraße und erreicht den Schlossplatz des Klosters.

Einkehrmöglichkeiten:

 

Museum:

 

Fischerei Tegernsee, © Der Tegernsee, Ines Wagner

4. Station: Fischerei Tegernsee

Der Fisch mit dem goldenen Ring

Der Sage nach soll es zwischen Tegernsee und Schliersee eine unterirdische Verbindung geben, die von einem Erdbeben (gemeint ist möglicherweise das schwere Erdbeben von Lissabon von 1755, das bis in die Alpen noch spürbar gewesen sein soll) ausgelöst wurde. Seither tragen beide Seen die Wasser des jeweils anderen.

Einmal habe der Abt von Tegernsee den silbernen Schlüssel zum Tabernakel der Klosterkirche im See verloren. Der Schlüssel konnte nicht mehr gefunden werden. Wenige Zeit später entdeckte man in den Eingeweiden einer im Schliersee gefangenen riesigen Forelle den Schlüssel.

Ein anderes Mal soll ein Fischer aus Schliersee beim Auslegen des Netzes seinen goldenen Ehering im See verloren haben. Dieser fand sich nach einigen Tagen im Inneren eines schweren Saiblings, der im Tegernsee gefangen worden war. Der eingravierte Namensbuchstabe und das Datum der Hochzeit des Fischers bestätigten den Wahrheitsgehalt des Fundes.

Ort:

Der Tegernsee ist einer der saubersten Seen in Bayern. In ihm finden sich u.a. Renken, Forellen, Saiblinge, Hechte, Barsche, Brachsen und Aale. Etwa zwei Tonnen werden jährlich im See geangelt. Die Aufzucht erfolgt in Kreuth, wo die Fische herangezüchtet werden, und im Bruthaus in Bad Wiessee, wo sie herangezogen und im See ausgesetzt werden: jedes Jahr bis zu 1,5 Millionen Renken, 150.000 Seeforellen und 50.000 Saiblinge. So sorgt die Fischzucht für den Erhalt des Fischbestands. In der um 1821 errichteten ehemaligen Hoffischerei werden die fangfrischen Fische zu Delikatessen veredelt und verkauft; das Gebäude selbst wird großenteils vom Yachtclub Tegernsee genutzt. In der Fischerei ist auch eines von fünf Holzmodellen in natürlicher Größe von besonders großen Fischen aus dem See an der Wand angebracht. Bereits der Historiker und Universalgelehrte Johann Nepomuk Sepp (1816-1909) wusste: „Im Tegernsee liegt ein großer Schatz versenkt, und großmächtige Fische tummeln sich auf dem Grunde.“ Die restlichen vier Holzmodelle sind inzwischen von Holzwürmern zerfressen. (Quelle: Johann Nepomuk Sepp: Altbayerischer Sagenschatz zur Bereicherung der indogermanischen Mythologie. München: Ernst Stahl, 1876, S. 351)

Wegbeschreibung:

Kloster Tegernsee – Fischerei Tegernsee
Vom Kloster geht man nach Süden Richtung Schlosspromenade. Nach ca. 170 m erreicht man die ehemalige Hoffischerei.

Einkehrmöglichkeit:

Hochzeitsschiff, © Der Tegernsee, Stefanie Pfeiler

5. Station: Hoffischereiweg

Das unglückliche Hochzeitsschiff

Die Überlieferung berichtet, dass im Jahr 1544 in der Egerner Kirche eine Hochzeit stattgefunden hat, bei der ein junges Brautpaar mit allen Verwandten anwesend war. Nach der Trauung fuhr die Hochzeitsgesellschaft mit den damals üblichen Bauernschiffen, flachen Holzbooten, über den See nach Tegernsee, wo in einem Gasthof das Hochzeitsmahl angerichtet wurde.

Bei der Heimfahrt zurück nach Egern gerieten die Hochzeiter in einen schweren Sturm und kenterten. Insgesamt 14 Insassen – darunter auch das Brautpaar – ertranken bei dem Unwetter oder strandeten an dem Felsenriff am Ufer der Point. Das Boot jedenfalls verschwand in den Fluten des Sees. Die Tuffsteinkreuze wurden zum Gedenken an beiden Ufern errichtet.

Ort:

An der Uferpromenade, ca. 100 m östlich vom ehemaligen Kloster, steht ein Tuffsteinkreuz mit der Jahreszahl 1544. Das Kreuz entspricht seiner Form und Entstehungsgeschichte nach einem weiteren, ebenfalls mit der Jahreszahl 1544 beschrifteten Steinkreuz am Egerner Seeufer. Beide Kreuze erinnern an „ein Unglück in vergangener Zeit“ und markieren den „Tanzplatz der Windsbraut“, jenen Ort im See, wo immer wieder todbringende Böen einfallen. Noch in neuerer Zeit sind bei der Überfahrt der Hoffotograf von Tegernsee Joseph Reitmayer (1862-1891) sowie zwei seiner Begleiter im See ertrunken. Aber auch der Operettensänger Fritz Sturmfels (1872-1913) ertrank während eines Segelausflugs mit dem weltberühmten Tenor und Schauspieler Leo Slezak (1873-1946). Letzterer konnte gerettet werden.

Wegbeschreibung:

Fischerei Tegernsee – Hoffischereiweg
Von der Fischerei keine hundert Meter entfernt befindet sich am nahegelegenen Hoffischereiweg ein altes Tuffsteinkreuz.

Einkehrmöglichkeit:

Sagenspaziergang - Station Point, © Dr. Peter Czoik

6. Station: Point

Das Rockadirl vom Tegernsee

An der schmalsten Stelle des Tegernsees trug sich vor vielen Jahrhunderten folgende Geschichte zu: Der Überfahrer Martl aus Egern soll nach einer Bauernhochzeit in einer stürmischen Nacht eine alte Frau, das Rockadirl, ans andere Ufer gefahren und erlöst haben.

Im Gasthof zur Überfahrt in Egern war eine große Bauernhochzeit. Martl, der schneidigste Tänzer, hörte eine Frauenstimme laut rufen: „Hol über, überführn!“ Er verstand es als seine Pflicht, trotz des Unwetters der Frau zu helfen, und schiffte den schweren Kahn über den von mächtigen Wellen aufgeschäumten See. An der Point angekommen, sieht er im grellen Schein des Blitzes eine alte Frau stehen, die er wegen ihrer Hässlichkeit für die Wallberghexe hält. Dennoch ergreift er nicht die Flucht, als er sie sieht, und willigt in ihren Wunsch ein, sie bzw. eine andere Frau zu erlösen: „Willst du einem armen, unglücklichen Dirndl helfen und es aus seiner Not befreien?“

Das „arme Dirndl“ ist in Wirklichkeit das Rockadirl. Die Geschichte besagt, dieses sei ein adliges Mädchen gewesen, das als Sühne für eine Freveltat ihrer Familie von seinen Eltern ins Kloster geschickt werden sollte. Aus Verzweiflung darüber habe es sich in den See gestürzt und sitzt nun an einem Spinnrocken und muss Flachs spinnen. Daher der Name Rockadirl (Rockendirndl). Nur ein rechtschaffener Jüngling könne es aus seiner Not befreien und an die Oberfläche bringen.

Die vermeintliche Hexe führt den Überführer Martl an den Grund des Tegernsees, wo er gegen giftige Schlangen und Gewürm aller Art ankämpfen muss; einem gewaltigen Wasserstrudel, der ihn hineinziehen will, trotzt; ein Untier – halb Fisch, Drache oder Schlange – in die Schranken weist; bis er vor einem hellen prächtigen Saal steht, wo ihn ein mit blutigen Fingern am Spinnrocken sitzendes blondes, blasses Mädchen erwartet. Martl stößt im Nu das Spinnrad mit seinem Ruder um – und der Zauber ist gebrochen. Sofort kehrt Leben in das Mädchen zurück. Aus Freude und Dank für die schöne Tat hat Martl drei Wünsche frei, die ihm das Rockadirl erfüllen will. Martl zögert nicht lange und wünscht sich, dass er seine Braut Mariedl, die Tochter des Klosterjägers, heiraten kann, dass er und sie gesund bleiben und sich ein Haus bauen können. Von den im Saal herumliegenden Goldschätzen darf er sich zusätzlich etwas mitnehmen.

Am Egerner Ufer angekommen, kauft der Überführer sich ein Grundstück am See und erbaut ein kleines Wohnhaus. Zur Hochzeit, die wieder im Gasthof zur Überfahrt stattfindet, erscheint, wie es weiter heißt, das Rockadirl in lichter Gestalt und bringt dem frisch vermählten Paar einen ansehnlich vollen Geldbeutel als Hochzeitsgeschenk mit.

Ort:

Die Point ist eine Landspitze, die mit der gegenüberliegenden, auf der sich der Ortsteil Rottach-Egern befindet, eine Bucht bildet, die der Egernwinkel genannt wird. Von der Point aus blickt man über eine sanft emporsteigende Wiese hinauf zu einer Reihe der schönsten Landhäuser. Auf der Point steht auch das Kleine Paraplui. Im Sommer lockt sie Scharen von Badegästen an den Tegernsee. In früheren Zeiten war sie weniger beschaulich, zumal sie von 1920 bis Ende der 1950er-Jahre als Mülldeponie diente. Das Überführen von einem Ufer zum anderen ist dagegen bis heute erhalten geblieben: Die Ruderbootfähre zwischen Point und Egern gibt es seit 500 Jahren. Über die Sage vom Rockadirl berichtet schon der Sagensammler Friedrich Panzer (1794-1854): „Auf dem see schwimmt nachts eine jungfrau, das Rockadirl genannt.“ (Quelle: Friedrich Panzer: Bayerische Sagen und Bräuche. Beitrag zur deutschen Mythologie. Bd. 1. München: Christian Kaiser, 1848, S. 20)

Wegbeschreibung:

Hoffischereiweg – Point
Den Hoffischereiweg läuft man zu Ende, bis man zur Seestraße wieder herauskommt. Nach einigen hundert Metern biegt man rechts ab in den Überfahrtweg. Vorbei am Sportplatz Point Tegernsee erreicht man unten die Anlegestelle.

Einkehrmöglichkeit und Museum:

Riederstein, © Der Tegernsee, Dietmar Denger

7. Station: Leeberghof

Wie das Riedersteinkirchlein entstand

Zwei Legenden ranken sich um die Entstehung der Riedersteinkapelle.
Die eine besagt, dass die Riedersteinkapelle aus Dank für die glückliche Errettung der Pferde des Bauern vom Leeberghof erbaut worden sei. Dieser ließ eines Tages auf dem Galaun, dem Sattel auf dem Rücken zwischen Riederstein und Kleinem Tegernseer Berg, unterhalb der steilen Felswand seine kostbaren Rappen weiden. Als er nach den Tieren schauen wollte, sah er sie unruhig herumspringen, als seien sie von einem Raubtier bedroht – schon stand ein Ross gefährlich nah über dem Abgrund! In dieser Schrecksekunde gelobte der Bauer der Heiligen Maria eine Kapelle zu bauen, wenn seine Tiere verschont blieben. Sein Gebet wurde erhört, die Rappen kamen alle vollzählig den Abhang hinunter und der Bauer errichtete noch im selben Jahr die Bergkapelle.

Die andere Legende besagt, dass zurzeit, als es noch wilde und gefährliche Tiere in der Gegend gab, ein Jäger eine Bärenspur verfolgte, die ihn vom Hang der Baumgartenschneid hinunter zum Riederstein führte. Auf dem hohen Felssporn sah er sich plötzlich einem mächtigen Bären gegenüber, der sich drohend vor ihm aufrichtete. Noch ehe dieser ihm gefährlich werden konnte, riss der Jäger sein Gewehr in die Höhe und schoss auf das wilde Tier. Der Bär wankte und stürzte schließlich in den Abgrund, wo er verschied. Der Jäger, noch ganz außer sich und mit zitternden Knien, schaute dem Tier nach und verlor dabei den Halt. Wie auf wundersame Weise blieb er jedoch unversehrt, denn er fiel genau auf den dicken, weichen Pelz des Bären. Zum Dank für seine Errettung errichtete der Jäger eine der Gottesmutter geweihte Kapelle hoch oben auf dem Riederstein.

Ort:

Die Riedersteinkapelle ist eine kleine neugotische Kapelle, belegt mit rotem Tegernseer Marmor, deren Entstehungszeit bis aufs Jahr 1841/42 zurückgeht: Ein Diener des Schlosses Tegernsee namens Hupfauer errichtete den Vorgängerbau und erweiterte die Kapelle 1850/51. Nach weiteren Bauphasen, die 1864 abgeschlossen wurden, gründeten Tegernseer Bürger 1897 den „Verein Riederstein“ zum Erhalt des Gebäudes. Im selben Jahr wurden auch die 14 Kreuzweg-Tafeln aufgestellt, die auf über 500 Treppenstufen zur Kapelle führen. Neben prominenten Gästen der Kapelle wie König Johann von Sachsen (1829) und Julius Kardinal Döpfner (1968) birgt deren Geschichte aber auch eine eigene Ortslegende. Diese ist in zwei Lesarten überliefert. Eine stammt vom Leeberghof, die andere vom Riederstein selbst.

Wegbeschreibung:

Point – Leeberghof
An der Point biegt man rechts ab Richtung Ludwig-Ganghofer-Weg. Diesen läuft man hoch und überquert die Seestraße Richtung Leebergstraße. Rechts und links gehen Werinher- und Froumundstraße ab, die an prominente Tegernseer Mönche erinnern: Von Froumund (ca. 960-1008) stammt eine bedeutende Brief- und Liedersammlung, von Werinher die Überlieferung des wohl ältesten Liebesgedichts in deutscher Sprache „Dû bist mîn, ich bin dîn“ (um 1170). Weiter die Leebergstraße hoch biegt man links ab in die Ellingerstraße. Von dort sind es nur wenige hundert Meter, bis man den Leeberghof erreicht.

Einkehrmöglichkeit:

Sagenspaziergang - Leeberg, © Dr. Peter Czoik

8. Station: Leeberg

Klosterschatz der Tegernseer Mönche

Einstmals verband ein unterirdischer Gang den Leeberg mit dem Kloster Tegernsee. Der Gang diente als Verbindungstrakt für die Schätze des Klosters, die in Kriegszeiten in geheimen Höhlen des Leebergs versteckt wurden. Als einmal das Schloss zur Schatzkammer kaputtging, holte man einen Schlosser, der das Schloss richten sollte. Um den Ort weiterhin geheim zu halten, wurden diesem die Augen verbunden. Man führte ihn im Klosterhof stundenlang herum, über Stiegen und durch enge, kühle Gänge, bis er nicht mehr wusste, aus welcher Richtung er kam und wohin er gehen sollte. Als er seine Arbeit zur Zufriedenheit der Mönche verrichtet hatte, kamen ihnen jedoch Bedenken, dass der Schlosser sich doch vielleicht den Weg gemerkt haben könnte, und sie beschlossen, ihn nicht mehr lebend aus dem Berg gehen zu lassen. Seither soll er wie gebannt am Eingang zur Höhle des Klosterschatzes stehen und diesen bewachen.

Die Sage geht aber noch weiter: Zwei Holzknechte kamen eines Abends nach getaner Arbeit auf dem Leeberg den steilen Bergwald herunter und trafen auf den greisen, alten Mann, der mit Hellebarde bewaffnet und im altertümlichen Gewand stumm vor einem Eisentor, das in den Berg hineinführte, vor ihnen stand. Sie erschraken dabei so sehr, als sie ihn sahen, dass sie sich die Stelle nicht merken konnten, und liefen davon. Seitdem wurden die Stelle des geheimen Schatzwächters und er selbst nicht mehr gesehen und bleiben bis heute verschollen.

Ort:

Auf dem Leeberg oberhalb der Schwaighofstraße steht das Haus des bayerischen Schriftstellers Ludwig Ganghofer (1855-1920), die „Villa Maria“. Was nur wenige wissen: Dem ersten Teil des Namens Leeberg, also „Lee“, liegt das althochdeutsche „lêo“ für Hügel oder Grabhügel zugrunde. Unter einem solchen Hügel sollen der Sage nach die Mönche vom Tegernsee in Kriegszeiten ihre Klosterschätze verborgen haben. Ein Schatzhüter soll am Eingang zur Höhle, wo die Reichtümer liegen, noch heute Wache halten.

Wegbeschreibung:

Leeberghof – Großer Paraplui am Leeberg
Vom Leeberghof bewegt man sich nach Westen Richtung Leeberg-Höhenweg. Nach 140 m biegt man rechts ab und erreicht den Asamweg. Am Stieler-Denkmal vorbei gelangt man zum Großen Paraplui am Leeberg. Der Holzpavillon bietet eine wunderbare Aussicht auf den Tegernsee und erinnert mit einem Gedenkstein an das „Dreikönigstreffen“ vom 8. Oktober 1822 (König Max I. Joseph von Bayern, Franz I. Kaiser von Österreich, Alexander I. Kaiser von Russland).

Einkehrmöglichkeit:

Ergänzende Literatur zu diesem Thema: 

Sagen und Legenden um Miesbach und Holzkirchen: aus dem Gebiet des Landkreises Miesbach mit Tegernsee, Schliersee, Spitzingsee, Seehamer See gesammelt und neu erzählt von Gisela Schinzel-Penth. 8 Federzeichnungen von Heinz Schinzel. Andechs-Frieding: Ambro Lacus, Buch- und Bildverl. 1995.

Tegernseer Sagen. Nacherzählt und mit Holzschnitten illustriert von Sepp Mohr. München: Volk Verlag 2016.

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