Tegernseer Hütte Textblock 2
Pächterwechsel nach 31 Jahren im „Adlernest“ und damit eure erste Saison als Wirte auf der Tegernseer Hütte – wie geht’s euch?
Wir haben beide schon ein paar Jahre mit dem vorherigen Pächter Michl Ludwig gearbeitet, wir wussten, was uns erwartet. Die ersten Monate sind sehr gut gelaufen. Wir haben die ganze Zeit immer leicht nervös drauf gewartet, dass etwas passiert, dass es Streit gibt oder irgendwelche Katastrophen, aber nichts dergleichen. Was auch toll ist: Die Leute unten im Tal, mit denen wir zusammenarbeiten, sind alle supernett und unkompliziert, auch wenn wir mal Wünsche außer der Reihe haben. Da sind wir dankbar, denn selbstverständlich ist das nicht – wir kommen beide nicht von hier.
Habt ihr Neuerungen eingeführt?
Wir haben die Grundstruktur gelassen, aber auch einiges umgestellt. Beispielsweise gab es früher eine riesige Karte, die hat aber Wartezeiten und Stress beim Personal produziert. Jetzt haben wir tagsüber eine einfache, schnelle Karte, auch mal kalte Speisen wie Wurstsalat, Käse- und Wurstbrot. Abends gibt es etwas Größeres, das haben wir beibehalten. Vegan und vegetarisch ist ein großes Thema, da sind wir jetzt etwas vielseitiger. Wir schauen, dass wir es so machen, wie wir es uns selbst wünschen würden, Andi isst beispielsweise schon seit 30 Jahren kein Fleisch.
Wie kommen die Lebensmittel auf die Hütte hinauf?
Dienstag und Freitag sind die Einkaufstage. Morgens um vier läuft Andi im Dunkeln hinunter und am frühen Nachmittag ist er zurück. Er fährt die Lebensmittel bis zur Buchsteinhütte, lädt sie in den Lastenaufzug und läuft wieder nach oben. Bei den Lieferanten bleiben wir möglichst regional. Wir arbeiten mit dem Metzger Killer in Gmund, haben Obst und Gemüse vom Wunderlich, Brot vom Sanktjohanser in Kreuth, wir arbeiten mit der Naturkäserei und dem Herzoglichen Brauhaus Tegernsee zusammen.
Wie habt ihr die Arbeit unter euch aufgeteilt?
Theoretisch machen wir beide alles. Der Andi hat durch die Einkaufstouren eher Kontakt mit den Leuten unten im Tal und ist hier in der Hütte mehr hinterm Schank. Außerdem ist er eher für das Organisatorische zuständig und ich für den laufenden Tagesbetrieb, den Kontakt mit den Leuten hier in der Hütte, draußen beim Bedienen.
Andi, der Arbeitsplatz hat ja seine Herausforderungen …
Es ist ein Spezifikum bei uns hier oben, dass wir auf sehr engem Raum arbeiten. In der Hauptsaison bei Schönwetter an Wochenenden sind wir manchmal zu sechst oder siebt… Wir arbeiten und leben zusammen, das muss gut funktionieren. Darum geht es bei der Personalsuche nicht nur darum, ob jemand bereit ist, viel zu arbeiten – es muss auch menschlich passen. Es gibt quasi keinen Feierabend und du gehst auch nicht nach Hause, sondern bist immer in Bereitschaft. Ich bin eigentlich nicht so der WG-Typ, aber mit den richtigen Leuten passt es.
Neben der Enge, was ist noch herausfordernd für dich, Sebastian?
Für mich ist eine der großen Herausforderungen, dass jeden Tag so viele Leute vorbeikommen und ich jedes Mal aufs Neue versuche, mit ihnen einen persönlichen Kontakt aufzubauen, vor allem die Übernachtungsgäste, damit sie nicht nur Gesichter sind. Ich sehe jeden Tag zwei- bis vierhundert Leute und möchte sie auch ein bisschen kennenlernen. Das wird gegen Ende der Saison schwieriger. Dann macht sich irgendwann doch eine gewisse Erschöpfung breit, aber nichtsdestotrotz versuche ich, das gleich beizubehalten.





