Tegernseer Hütte Textblock 5

Welchen Weg sollen Ungeübte für den Aufstieg wählen?

Für Leute ohne Bergerfahrung ist der Aufstieg zur Tegernseer Hütte generell anspruchsvoll. Wer wenig Erfahrung hat oder unsicher ist, sollte den Aufstieg über die Buchsteinhütte nehmen. Dort hat man ganzjährig die Möglichkeit zu pausieren. Der Weg ist auch anstrengend und anspruchsvoll, erfordert aber im Gegensatz zum seilgesicherten Südanstieg keine Schwindelfreiheit. Nicht zu unterschätzen ist auch der sogenannte Altweibersteig, mit dem man die seilgesicherte Strecke am Roßstein umgehen kann. Im Frühjahr liegt dort oft noch Schnee, bei Nässe ist er rutschig.

Wird auch das Wetter unterschätzt?

In den letzten Jahren haben wir immer wieder lange Trockenphasen und glühende Hitze. Die Leute kommen hier in dieser Hitze hoch, haben nicht genügend zu trinken dabei und keine Kopfbedeckung. Da sehen wir eine größere Gefahr als in schlechten Turnschuhen, denn die meisten gesundheitlichen Probleme sind Herz-Kreislaufprobleme und Hitzeschlag. Man sollte früh losgehen, nicht erst am Mittag, und genügend zu trinken dabeihaben, denn unterwegs kann man kein Wasser auffüllen. Wir haben hier auch kein fließendes Trinkwasser, man kann aber Wasser kaufen. Und Sonnencreme gibt es bei uns immer frei, unter dem Motto „Schütze dich“.

Von jedem verkauften Kaffee gehen 50 Cent an die Bergwacht?

Wir machen das, weil wir die Arbeit der Bergwacht gern unterstützen. Inzwischen haben sich schon andere Hütten bei uns gemeldet, die es übernehmen wollen. In dieser Saison haben wir schon knapp tausend Euro gesammelt.

Beide habt ihr eine spannende Lebensgeschichte im Gepäck. Andi, was hast du gemacht, bevor es dich auf die Hütte zog?

Ich habe Hebräisch und Griechisch studiert, Philosophie und Theologie und eine Ausbildung als Fachpfleger für Palliativpflege absolviert. Ich habe auch in der Flüchtlingshilfe gearbeitet und war zwischendurch immer wieder sporadisch auf der Hütte. Nebenher arbeite ich für’s Radio – für Bayern2 Radio Wissen und SWR Kultur. Außerdem halte ich Reden zu Hochzeiten, Beerdigungen und Vernissagen. Seit drei oder vier Jahren bin ich jetzt fest hier – zusammen mit Sebastian. Und im Winter in meinem kleinen Häusel im Wald bei Ellwangen.