Nicole Mahler
Dirndlschneiderin
Bayerisches Lebensgefühl mit Nadel und Faden
„Jede Frau sieht im Dirndl gut aus“, sagt Nicole Mahler. Ob klassisch, verspielt oder rustikal – Tracht ist der Ausdruck eines urbayerischen Lebensgefühls, das von Traditionsbewusstsein und Heimatliebe erzählt. Wir sprechen mit der Dirndlschneiderin über das Tegernseer Dirndl, ihre Liebe zu Stoffen und die Brauchtumsfeste der Trachtenvereine. Wer im Sommer am Tegernsee eines der berühmten Waldfeste besucht, ist in Dirndl und Lederhosen immer richtig angezogen. Oder doch nicht? Von den Tücken der „do’s“ und „don’ts“ weiß Nicole Mahler auch zu berichten…
Steckbrief:
Name: Nicole Mahler
Jahrgang: 1980
Geburtsort: Tegernsee
Wohnort: Gmund a. Tegernsee
Worum geht’s? Dirndlschneiderin und Mitglied im Trachtenverein d'Neureuther
Was bedeutet für dich „Heimat“? Und was bedeutet für dich die Tracht?
Heimat siehst du, wenn wir hier aus dem Fenster schauen: die Berge und der See! Und mit der Tracht bin ich groß geworden. Als Kind habe ich natürlich schon Dirndl getragen und später bin ich Mitglied im Trachtenverein geworden. Etwas anderes wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen.
Du bist beim Trachtenverein d`Neureuther. Welche Rolle spielt dabei die Tracht?
D`Neureuther in Gmund gehören natürlich auch zur Heimat. Es war schon immer mein Wunsch, einen Schalk zu tragen – das hat sich mit dem Verein erfüllt. Ich habe einen gebrauchten Schalk übernommen, weil ich es schön finde, etwas von einer anderen Frau, die mit unserer Heimat verwurzelt ist, weiter zu tragen. Seitdem trage ich ihn zu allen wichtigen Festen in der Region. Das gehört bei uns dazu und es ist wichtig, dass dieses Erbe weitergetragen wird und nicht verloren geht.
Können wir noch einmal definieren: Was ist Tracht?
Tracht ist der Überbegriff der traditionellen Bekleidung. Das Dirndl ist wohl das bekannteste Stück über den Alpenraum hinaus (neben der Lederhose) – aber nicht das Wichtigste! Sprechen wir zunächst einmal über die Festtagstracht, wie sie in den Trachtenvereinen getragen wird. Für die verheiratete Frau ist das kostbarste Festtagsgewand der Schalk. Die jungen Mädchen ab 16 Jahren tragen ein sogenanntes Seidenmieder, die jüngeren Mädchen einen Boinkittl mit Spenzer. Diese weiten, gestreiften Röcke sieht man bei den Trachtentänzen kreiseln. Die Männer tragen einen Trachtenanzug oder Lederhose mit Joppe, Hemd, Gilet und Hut mit Gamsbart. Die Farben der Joppen variieren von Trachtenverein zu Trachtenverein.
Der Schalk gilt als „Königin der Tracht“. Was macht dieses Gewand so besonders?
Erstens ist es bodenlang, das macht schon mal ein besonderes Bild. Wenn man den Schalk trägt, steht man da wie eine Königin. Die Haare sind festlich frisiert und mit Silbernadeln hochgesteckt, auf dem Kopf der Hut mit der Goldschnur, man trägt kostbaren Schmuck. Das Gewand ist aus Seide oder Halbseide, es glänzt im Sonnenschein. Und dann ist der Schalk selbst, also die Kurzjacke, mit den rings um den Ausschnitt gelegten Rosettchen unglaublich aufwändig gearbeitet. Im Ausschnitt trägt man frische Blumen, beispielsweise Almrausch mit Nelken oder Rosen. Wenn bei einem Trachtenumzug die Schalkfrauen mitgehen, das ergibt einfach ein ganz besonderes Bild. Ein komplettes Schalkgewand mit allem Drum und Dran kann gut über 5.000 Euro kosten und wird daher meist weitervererbt.
















