Schloss Tegernsee im Sommer, © Thomas Linkel

Tegernseer LiteraTouren

Die Vermittlung literarischer Kulturschätze am Ursprung

Literatur am Ursprung sichtbar machen und erleben: Dort wo Literatur geschrieben wurde, soll sie erinnert und präsentiert werden.

Zu wenig ist bekannt über den mehr als ein Jahrtausend alten literarischen Kulturschatz, über die spektakuläre Literatur, die im Tegernseer Tal bis 1803 entstanden ist. In Vergessenheit geraten ist auch, dass das Kloster Tegernsee einst das benediktinische und literarische Zentrum Altbayerns sowie ein Mittelpunkt deutscher Glas- und Buchmalerei sowie Musiktheorie war.

Heute konzentriert sich die Erinnerungskultur im Tegernseer Tal nur noch auf die Zeit zwischen 1933-1945 sowie auf das Wirken und die Werke einiger weniger Künstler und Schriftsteller. Ziel ist es, den bedeutenden literarischen Kulturschatz ins allgemeine kulturelle Bewusstsein, sowohl der Landbevölkerung als auch Besuchern der Region, zu rufen, in der freien Natur zu präsentieren und die Menschen vor Ort zur aktiven Teilhabe zu motivieren.

Dies soll in Form von literarischen Spaziergängen geschehen. Geplant sind ca. 12 Literaturpfade, flankiert durch kulturelle Aktivitäten, die alle der Nachhaltigkeit, Erinnerungskultur und Stärkung der kulturellen Identität der Region dienen:

  • Theater
  • Poetry Slams
  • Festivals
  • Workshops
  • Seminare
  • Vorträge
  • Lesungen
  • Ausstellungen
  • Schulprojekte
  • kommentierte lesefreundliche Ausgaben
  • Anthologien
  • Apps.

 

Das Vorhaben eignet sich deswegen als Modell-Projekt, weil in der Tegernseer Region seit dem Mittelalter bis heute eine so vielfältige bedeutende Literatur entstanden ist, an der sich exemplarisch Literaturpfade und Aktivitäten entwickeln und in weiteren Schritten auf Landes- und Bundesebene übertragen lassen. Denn tatsächlich sind seit dem Mittelalter in allen ländlichen Gegenden, insbesondere in den Klöstern und Fürstenhöfen, bedeutende Werke der Literatur entstanden. Da viele Literatur- und Kulturschätze im Zuge von Säkularisationen in meist staatliche Bibliotheken ausgelagert wurden, ist das Wissen über sie verloren gegangen.

Gestartet wird im Frühjahr 2019. Eine Vielzahl von Kooperationen und Partnerschaften ist für das Projekt anvisiert. Eine enge Zusammenarbeit besteht bereits mit dem Museum Tegernseer Tal und soll mit weiteren Partnern vor Ort und bayernweit erfolgen. 

 

„TELITO“ ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben im Rahmen des „Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE)“ und der Bekanntmachung „LandKULTUR – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen“.

Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziert. Mit dem Bundesprogramm leistet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung beispielhafter Projekte der ländlichen Entwicklung. Ziel dieses auf Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit angelegten Pilot-Projektes ist es, die ländlichen Regionen als Wohn-, Arbeits- und Lebensräume attraktiv zu gestalten, um gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland zu schaffen. 

Durchgeführt wird „TELITO“ vom Literaturschloss Edelstetten e.V. unter der Leitung seines Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus Wolf. Er lehrt als Professor für Deutsche Literatur und Sprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit mit dem Schwerpunkt Bayern an der Universität Augsburg. Zuletzt erschien von ihm sein Buch Bayerische Literaturgeschichte. Von Tassilo bis Gerhard Polt (C.H. Beck Verlag, 2018). 

Seine beiden Projektmitarbeiter sind die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Ingvild Richardsen (München/Augsburg) und der Literaturwissenschaftler Dr. Peter Czoik (München). 

Dr. Ingvild Richardsen.
Promotion im Jahr 2000 an der LMU München in Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Neuere Deutsche Literatur, Philosophie. Arbeitet als Dozentin, Autorin und Kuratorin für Universitäten, Akademien, Film und Fernsehen sowie für Bildungsinstitutionen. Seit 2002 freie Mitarbeiterin der Stiftung Lesen, 2005-2009 freie Mitarbeiterin des Goethe-Instituts München und Kiew. 2006-2014 Dozentin für Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit am Institut für Deutsche Philologie (LMU München), seit 2009 bis heute Dozentin an der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte. 2013-2016 zudem Dozentin an der medienakademie münchen. Autorin zahlreicher Publikationen zur Erinnerungskultur und zu vergessenen Schriftstellerinnen, u.a. Carry Brachvogel, Emma Haushofer-Merk und Marie Haushofer. Zuletzt erschienen: Die Fraueninsel. Auf den Spuren der vergessenen Dichterinnen von Frauenchiemsee (Volk Verlag, 2017) und Evas Töchter. Münchner Schriftstellerinnen und die moderne Frauenbewegung. 1894-1933 (Volk Verlag, 2018). Seit 2017 Herausgeberin der Reihe „Vergessenes Bayern“ (LMU, Arbeitsstelle für Literatur in Bayern, Prof. Dr. Waldemar Fromm). 2018 Kuratorin der Ausstellung Evas Töchter in der Monacensia im Hildebrandhaus (16. März bis 16. September). 

Dr. Peter Czoik.
Studium der Neueren deutschen Literatur, Germanistischen Mediävistik und Englischen Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Promotionsstudiengang Literaturwissenschaft mit einer Arbeit über Franz Kafka. 2000-2003 Tätigkeit im Hochschulwesen, u.a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seitdem staatlicher Bibliotheksdienst. Seit 2012 Redaktionsleiter, seit 2017 Koordinator des Literaturportals Bayern. Darin zahlreiche Blogbeiträge, Artikel zu bayernrelevanten literarischen „Themen“ (z.B. Schriftsteller in Oberbayern und der Erste Weltkrieg; Ödön von Horváth) und „Spaziergängen“ (z.B. „Oskar Maria Graf am Starnberger See“; „Helmut Dietl und sein München“) sowie über 600 Einzelporträts zu bayerischen Autorinnen und Autoren. Weitere Publikationen u.a. zu Jean Paul, Isabella Braun, Hans Carossa, Friedrich Reck-Malleczewen, Karl Wolfskehl und zu biblischen Themen (u.a. in der Encyclopedia of the Bible and Its Reception). Seit 2018 Operativer Leiter des bavarikon-Projekts Bayerische Schriftstellerinnen vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, welches die Digitalisierung und Erschließung der Werke bayerischer Schriftstellerinnen zwischen 1644 und 1945 zum Ziel hat. 

Impressionen

Prof. Dr. Klaus Wolf (Leitung) QuellePrivat, © Klaus Wolf
Prof. Dr. Klaus Wolf (Leitung) QuellePrivat

© Klaus Wolf

Dr. Peter Czoik QuellePrivat, © Dr. Peter Czoik
Dr. Peter Czoik QuellePrivat

© Dr. Peter Czoik

Dr. Ingvild Richardsen QuellePrivat, © Dr. Ingvild Richardsen
Dr. Ingvild Richardsen QuellePrivat

© Dr. Ingvild Richardsen

Kombimarke, © Kombimarke
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