Thomas Plettenberg Textblock 2
Da sind wir wieder bei „Heimat“… Weil du einige Themen über Jahrzehnte fotografisch begleitest, wirst du zum Chronisten …
Eines der spannendsten Projekte war für mich, dass ich vor ein paar Jahren das Buch vom Tegernseer Bräustüberl bebildern durfte – und jetzt den TegernseeTalk mit Bräustüberlwirt Peter Hubert. Ein Ort der Geselligkeit, wo sich die unterschiedlichsten Menschen begegnen. Und auch da sieht man einen Wandel: Das Bräustüberl selbst hat sich nicht so gewandelt, aber die Menschen und auch die Bedienungen. Man merkt, dass manches verloren geht, weil die Zeit so schnelllebig geworden ist. Wenn ich heute das Bräustüberlbuch und das Almbauernbuch mit der Gegenwart vergleiche, gibt es weniger vom Menschentypus „echte Charaktere“. Das kann man auch auf die Kühe übertragen.
Wie haben sich die Kühe verändert?
Zum einen haben wir die Thematik mit den Laufställen: Mit der neuen Verordnung gehen weniger Kühe auf die Weide. Aber ganz entscheidend ist für die Betrachter vor außen, dass es mehr und mehr hornlose Kühe gibt. Ganz klar, sie schauen schöner und stattlicher mit Hörnern aus. Es gibt noch den einen oder anderen Charakterkopf darunter. Aber trotzdem fehlt mir was, nicht nur fotografisch gesehen.
Mit welcher Haltung begegnest du Menschen und Tieren auf der Alm?
Mit Respekt. Und zwar sehe ich das so: Wenn du die Alm betrittst, dann betrittst du sozusagen den Garten des Almerers. Du darfst da zwar hindurchlaufen, aber der Almbauer möchte nicht, dass du einfach in seine Hütte hineingehst oder eine abgezäunte Fläche betrittst. Das ist genau wie unten im Tal.
Was würdest du aus deiner Sicht und Erfahrung den Besuchern auf den Almen mitgeben?
Ich glaube, die Leute denken oft: Mei, wie schön, die Berge. Auf der Alm ist es wie bei Heidi! Das ist aber keine Naturlandschaft, sondern von den Almbauern über Jahrhunderte mühevoll gepflegte Kulturlandschaft. Sie machen das auch für die Allgemeinheit und davon profitiert der Tourismus, aber das heißt nicht, dass alles frei zugänglich ist. Daraus entstehen auch die Problematiken, wenn es zu Zwischenfällen mit Kühen auf der Alm kommt. Die Kälber, die aus der Anbindehaltung nach oben kommen, die sind schon an die Menschen gewöhnt, nicht aber die Kühe, die aus einem Laufstall kommen.
Wie gehst du auf die Tiere zu?
Zum Fotografieren begebe ich mich erst im August auf die Almen, dann haben sich die Tiere schon den ganzen Sommer lang an die Alm und die Menschen gewöhnt. Viele Almbesucher gehen von Haustieren aus, die sie kennen, und meinen, man kann da einfach so hingehen und sie streicheln. Das ist nicht so! Die Tiere haben ihren Charakter und sie haben auch Ängste. Und wenn dann noch ein Hund dabei ist, geraten sie in Panik, vor allem Jungviecher, die den ersten Almsommer erleben. Wenn man auf einen fremden Menschen trifft, würde man ihm auch nicht sofort ganz nahetreten. Jeder hat um sich herum eine Schutz- und Komfortzone. Auch die Tiere. Ich lebe in Reitham auf dem Bauernhof im Zuhäusl vom Bauern. Daher bin ich schon den Umgang mit Kühen gewohnt, das ist für mich ein Vorteil.





