Thomas Plettenberg
Fotograf & Kuhflüsterer
12 Monate, 12 Kühe – mehr braucht ein Jahr nicht
Als Pressefotograf für den Merkur ist Thomas Plettenberg von Termin zu Termin unterwegs. Immer in Eile und stets mit dem Anspruch, auch bei Routineterminen „das besondere Bild“ zu liefern. Geradezu entschleunigend wirkt auf ihn hingegen sein Herzensprojekt: die Kuhfotografie. Seit mehr als zwanzig Jahren bringt er den Kalender „Meine Kühe“ heraus. Weit über Kuhporträts geht seine fotografische Dokumentation der Almwirtschaft hinaus, wo das Leben und die Arbeit der Almbauern im Mittelpunkt steht. Viele andere Projekte begleitet er über Jahrzehnte als Chronist mit der Kamera und für uns porträtiert er regelmäßig die Interviewpartner des TegernseeTalks. Darum ist es an der Zeit, auch ihn einmal zu interviewen.
Steckbrief:
Name: Thomas Plettenberg
Geburtstag: 17.04.1966
Geburtsort: München
Wohnort: Warngau
Worum geht’s? Leidenschaft für Fotografie
Superpower: kann mit Menschen und Kühen
Vervollständige den Satz: Heimat ist für mich …
… was mir seit Jahrzehnten vertraut ist, ob Mensch oder Landschaft. Das muss nicht unbedingt der Ort sein, an dem ich aufgewachsen bin, sondern ist dort, wo ich zur Ruhe komme. Als Pressefotograf bin ich öfters in Containerdörfern bei Geflüchteten… Dort ist das Thema präsent: Was ist Heimat? Und ich spüre Dankbarkeit, dass ich hier aufgewachsen bin, dass ich hier arbeiten und leben darf und dass ich es mir leisten kann, hier zu leben – auch das ist ein Thema.
Wie bist du zur Kuhfotografie gekommen?
Ich war bei einem Pressetermin zur Wegesanierung im Rotwandgebiet und musste noch etwas warten. Dort hat mich plötzlich eine Kuh angeschleckt und so ist das erste Kuhbild entstanden, mit der Kuh, die mir ihre Zunge herausstreckt. Daraufhin habe ich dieses Faible für Kühe entwickelt. 1998 hatte ich eine große Ausstellung am Spitzingsee – im Stall auf einer Alm, wo normalerweise die Kühe stehen. Das war eine besondere Atmosphäre und die Idee entstand, mehr aus diesen Kuhbildern zu machen – beispielsweise den Kalender „Meine Kühe“.
Deine Philosophie ist seitdem: „12 Monate, 12 Kühe – mehr braucht ein Jahr nicht“. Erzähl uns was zu deinem Kalender „Meine Kühe“…
Ich mache ihn seit 23 Jahren. Die Bilder sind bewusst immer schwarz-weiß, weil ich damit den Blick schärfer auf das Motiv lenken kann. Ich versuche jedes Mal, etwas Neues zu schaffen, beispielsweise über die Kulisse: Es gibt Bilder aus dem Tegernseer Tal, dem Landkreis, aus Österreich, Italien und der Schweiz. Hier im Tal liegt mir ein Ort besonders am Herzen: die „Arche“. So nenne ich das Gebiet in Kreuth zwischen Parkplatz Königsalm und der Trifthütte, weil dort viele unterschiedliche Rinderrassen weiden. Wenn ich in Kreuth unterwegs bin, schau ich immer wieder bewusst dort vorbei. Da gibt es eine richtig schnelle Kuh und die habe ich erwischt, wie sie um einen Baum herum eingelaufen kommt. Das sind Momente, die kannst du nie planen, nur dir wünschen. Das Bild ist jetzt im aktuellen Kalender.
Der 3. Preis beim Fotowettbewerb Bayern 2000 war der Initialfunke für dein Buchprojekt: „Ein Sommer auf der Alm – Bilder und Geschichten einer Lebensweise“. Wie ist das Buch entstanden und worum geht’s?
Es waren die Begegnungen mit den Menschen auf den Almen, die mich beeindruckt haben, beispielsweise Maria und Willy auf der Schönfeldalm am Spitzingsee. Von ihnen war das Bild beim Fotowettbewerb. Ich hatte auch Kontakte zum Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern und war mit Helmut Silbernagel viel auf den Almen unterwegs – daraus wurde 2003 das Buchprojekt mit unterschiedlichen Almtypen, Menschenschlägen und Geschichten zwischen Garmisch und Berchtesgaden. Rückblickend sieht man einen Wandel: Inzwischen wird viel seltener auf den Almen gemolken und gekäst.















