Willy Kravanja Schneeschuhwandern 002, © Thomas Plettenberg

Willy Kravanja

… auf großem Fuß unterwegs mit dem Tegernseer Heimatführer

Willy Kravanja ist nicht nur Tegernseer Heimatführer – er ist ein echter Bergfex! Als Naturschutzranger ist er im Gebiet um den Wendelstein unterwegs und das Fernweh führt ihn regelmäßig hinauf auf die Berggipfel des Himalayas – als Bergführer. Seit vielen Jahren lebt er nach dem Leitsatz von Marcel Proust: „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen.“ Wir sind mit ihm auf Schneeschuhwanderung im Suttengebiet. Es knirscht und glitzert rings umher, während wir durch den Schnee tapsen.

Steckbrief:
Name: Willy Kravanja
Geburtstag: 21. August 1955
Geburtsort: Hausham
Wohnort: Bayrischzell
Worum geht’s? Schneeschuhwandern
Superpower: Energie tanken in der Schönheit der Natur

Wie vervollständigst du den Satz: Heimat bedeutet für mich …?

Das ist für mich der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, wo Familie und Freunde leben und ich mich rundum wohlfühle. Wir haben Seen, wir haben blauen Himmel und wir haben die Berge – das klingt geradezu kitschig. Ich bin in meinem Leben oft längere Zeit im Ausland gewesen und habe das Heimkommen immer besonders genossen. Die wunderbaren Berge hier! Auch mal unkompliziert im Biergarten sitzen – das gehört alles dazu. Ich tu‘ mich hier leicht, weil ich die Berge liebe.

Wo ist es schöner, im Himalaya oder hier?

Also, du hast dort eine wahnsinnig faszinierende Bergwelt. Es gibt in Nepal acht Achttausender, 50 Siebentausender und 600 Sechstausender – das ist das Gewaltige! Je höher du steigst, umso mehr Gipfel siehst du. Aber die Schönheit der Berge gibt es auch hier. Was wir gerade jetzt machen, eine kleine Tour und dann in einer Almwirtschaft einkehren, das ist doch fantastisch! Ich finde unsere Berge keine Spur weniger faszinierend. Das Großartige ist doch, du kannst sie ganz schnell erreichen – und die Luft ist nicht so dünn. Zugleich sollte man nicht vergessen: Sie können auch gefährlich sein.

Inwiefern können die Berge gefährlich sein?

Wenn man unachtsam oder schlecht vorbereitet ist, kann man auch in unseren Bergen tödliche Fehler machen. Beispielsweise wird im Winter bei Ski- oder Schneeschuhtouren die Lawinengefahr oft unterschätzt. Gerade Schneeschuhgänger sind meist blauäugig unterwegs, nach dem Motto „das ist doch bloß ein Spaziergang“. Im Sommer ist es zusätzlich lebensnotwendig, das Gewitterrisiko einzuschätzen – für eine sichere Bergtour ist deshalb eine gute Tourenplanung dringend notwendig. Und gute Bergschuhe sind das A und O!

Sicherheit und eine gute Vorbereitung sind das Hauptthema für jede Bergtour – auch beim Schneeschuhwandern? Was rätst du den Leuten auf deiner Tour?

Wer alpinere Schneeschuhtouren gehen möchte, sollte unbedingt einen Lawinenkurs machen. Da gibt es unterschiedliche Anbieter, beispielsweise über das Lawinencamp Bayern oder den Alpenverein. Über die Lawinengefahr informiert auch der Lawinenwarndienst Bayern. In viele Apps ist ein Lawinenwarndienst integriert, beispielsweise vom DAV oder Outdooractive. Wetter und Lawinenwarnberichte anzuschauen, ist Pflicht! Außerdem gibt es freiwillige Wald-Wild-Schongebiete und verbindliche Schutzgebiete, wo Betreten verboten ist. Da muss man sich zuvor schlau machen.

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 006, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 006

© Thomas Plettenberg

Für wen eignet sich eine Schneeschuhwanderung?

Bei der Schneeschuhwanderung sind wir schon im sportlicheren Bereich. Da ist eine gute Kondition wichtig. Bevor wir losgehen, frage ich noch einmal alle Gäste nach ihrem Gesundheitszustand. Manche unterschätzen nach einer starken Erkältung die Zeit, die sie zur Genesung brauchen und haben dann bergauf Atemprobleme. Man sollte sich vorher überlegen: Bin ich gesund und habe ich eine ausreichende Kondition? Wir gehen etwa 200 Höhenmeter. Das ist nicht viel, kann aber im Schnee anstrengender sein als im Sommer beim Wandern. Deshalb ist auch wichtig, dass man nicht zu dick angezogen ist. Hier gilt die Faustregel: Wenn man beim Losgehen leicht fröstelt, ist es genau richtig. Man wärmt sich schnell auf.

Welche Kleidung empfiehlst du für die Schneeschuhwanderung?

Dicke Wintermäntel oder Parkas sind ungeeignet. Am besten ist der sportliche „Zwiebellook“, damit man gegebenenfalls eine Schicht an- oder ausziehen kann. Ich bin ein großer Fan von Merino. Das Material ist atmungsaktiv, wärmend und geruchsneutral. Man kann auch mal schwitzen, ohne dass man gleich riecht. Ein leichter Langarmpulli, vielleicht eine praktische Weste, darüber am besten eine Hardshell-Jacke – drei Schichten sind optimal. Bei den Schneeschuhwanderungen muss die Jacke nicht zwingend wasserfest sein, aber gegen Wind schützen. Und ein Shirt zum Wechseln sollte man prinzipiell immer dabeihaben.

Zu uns stoßen bei der Rast auf der Lukasalm zwei weitere Tegernseer Heimatführer, die im Wechsel mit Willy Schneeschuhwanderungen anbieten: Rudi Hauptvogel und Sepp Meißauer. Da fragen wir doch die „gebündelte Kompetenz am Berg“ die entscheidende Frage: Welches Schuhwerk ist für die Schneeschuhwanderung geeignet? Alle sind sich einig:

Es kommen nur knöchelhohe Bergschuhe infrage! Damit schlüpft man in den Schneeschuh. Keinesfalls gehen Moonboots oder gar Turnschuhe. Achtung, bei uns kann man auch keine Bergschuhe leihen! … die Frage taucht manchmal bei Führungen auf. Ein Paar gute Bergschuhe und professionelle Beratung findet man in unseren regionalen Sportgeschäften.

Wie läuft die Schneeschuhwanderung ab?

Es ist eine abwechslungsreiche Tour. Wir starten unweit des Suttensees mit einer kleinen Einführung und gehen gemütlich zur Wechselalm. Man kann mit den Schneeschuhen normal gehen, nicht etwa besonders breitbeinig. Man gewöhnt sich schnell an das Tapsen im Schnee. Von der Wechselalm mit ihrer wunderschönen, verschneiten Almwiese hat man einen herrlichen Blick auf den Risserkogel und den Schinder. Wir gehen weiter auf der Sonnenseite des Berghangs bis zur Lukasalm. Das ist für viele das Highlight – man sitzt auf der Sonnenterrasse und stärkt sich mit bayerischen Schmankerln. Von dort geht’s dann wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 004, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 004

© Thomas Plettenberg

Welche Tipps gibst du während der Schneeschuhwanderung an die Teilnehmenden weiter?

Technische Tipps und Hinweise zum Miteinander in den Bergen. Wenn wir mit den Schneeschuhen auf Skihängen unterwegs sind, gehen wir beispielsweise immer neben der Spur am Rand, niemals in der Aufstiegsspur der Skifahrer. Aus Rücksicht. Das trifft auch für Fußgänger bei den Langlaufloipen zu – die Loipen sind tabu! Dass man sich in der Gruppe gegenseitig helfen kann, merkt man beim Aufwärtsgehen. Da kann man dem Vordermann die Steighilfe beim Schneeschuh ausklappen. Ich vermittle auch gern anhand der Schneebeschaffenheit, wie der Schnee aufgebaut ist und wie Lawinen entstehen. Sicherheitshinweise gehören sowieso immer dazu.

Was ist das Besondere am Suttengebiet?

Auch wenn unten in den Orten der Schnee bereits getaut ist, haben wir hier noch beste Bedingungen zum Schneeschuhwandern. Das kann man sich oft gar nicht vorstellen, wenn man am See steht. Die Sutten liegt abgelegen und bedeutet Natur pur – ein einsames Tal, in dem meist auch kein Handyempfang ist. Es ist landschaftlich wunderschön, ein Hochmoor und Biotop, nicht nur im Winter. Der Suttensee ist besonders in den schneefreien Monaten sehenswert. Und auf der Tour, die wir mit Schneeschuhen gehen, sind sogar im Sommer recht wenig Menschen unterwegs. So nah am Tegernseer Tal und doch so still, idyllisch und geradezu weltentrückt. Das ist das Besondere.

Wie wurdest du Tegernseer Heimatführer?

Es ist eine umfangreiche Ausbildung, für die man richtig lernen muss. Das war eine Herausforderung, die mich reizte. Seitdem habe ich gutes Geschichtswissen, Jahreszahlen, Ereignisse… Das finde ich interessant und das möchte ich weitergeben.

Wer kann Heimatführer oder Heimatführerin werden?

Man braucht eine gewisse soziale Kompetenz und Persönlichkeit, Liebe zur Bergwelt, Neugier auf Regionalgeschichte, Wissbegier und die Lust, mit Gruppen zu arbeiten. Das erfordert wiederum Teamgeist. Man sucht sich sein Gebiet, kann sich spezialisieren und jederzeit weiterbilden. Da lernt man nie aus.

Welches ist dein Schwerpunkt?

Das sind die Bergtouren – im Sommer wie Winter. Naturwahrnehmung steht dabei immer im Vordergrund.

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 005, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 005

© Thomas Plettenberg

Was möchtest du den Gästen deiner Führungen generell mitgeben?

Viele Menschen haben verlernt, die Natur zu genießen, weil es im Leben meistens um Leistung geht. Aber man sollte am Berg nicht immer rein sportlich unterwegs sein, das möchte ich vermitteln. Auch die Achtung vor der Natur, dass wir Gäste sind, neben den hier lebenden Wildtieren und Nutztieren auf der Alm und vor allem auch den Menschen, die hier arbeiten. Auch Achtsamkeit und Langsamkeit…, wahrzunehmen, wo wir hier sind. Ich mache das bewusst bei meinen Führungen, dass wir mal stehenbleiben und lauschen, was wir gerade hören: Vogelgezwitscher oder das Rauschen eines kleinen Baches, oder auch, dass wir nichts hören. Und dass wir naturverträglich unterwegs sind – die Gäste sollen spüren, was das bedeutet.

Du hast angefangen mit einer Flugschule für Drachenflieger und bist heute Inhaber von „Summits Outdoor Adventures“ – wie hat sich das entwickelt?

Ich war ein leidenschaftlicher Drachenflieger und einer der ersten in Deutschland überhaupt, der eine Drachenflugschule hatte. Später habe ich auch Gleitschirmflieger ausgebildet. Ende der 1980er Jahre habe ich drei Jahre lang Expeditionen mit dem Gleitschirm in Nepal angeboten. Ich kenne mich gut aus mit Wind und Wetter, aber ich habe festgestellt: Im Himalaya sieht die Welt ganz anders aus. Die Berge sind höher und es gibt überraschende Wetterphänomene. Mit dem Fliegen habe ich inzwischen ganz aufgehört. Bei „Summit Outdoor Adventures“ arbeite ich mit einem Team aus staatlich geprüften Berg- und Wanderführern sowie zertifizierten Coaches. Wir möchten Sport und Natur in vielen unterschiedlichen Bereichen erfahrbar machen.

Und weiterhin führst du auch Touren im Himalaya…

Ich biete Trekkingtouren auf Höhen bis zu knapp über 5.000 Metern in kleinen Gruppen von fünf bis maximal zwölf Leuten in Nepal an. Dabei ist mir wichtig, auch die Kultur und Sichtweise der Einheimischen kennenzulernen, die mich dort so fasziniert, und die unendlich weite Bergwelt. Ich merke immer wieder, es macht mir Spaß mit Gruppen unterwegs zu sein. Ich schätze den Austausch, lerne neue Sichtweisen kennen. Das ist eine Herausforderung, die ich sehr gern mag.

Verrätst du deinen Lieblingsplatz im Tegernseer Tal?

Die Neureuth! Den Bayernweg hinauf, aber am besten nicht am Wochenende, wenn alle hochgehen. Das ist im Winter am schönsten, dann hast du von der Sonnenterasse den freien Blick über den Tegernsee und auf die Berge.

Was empfiehlst du Besuchern des Tegernseer Tals?

Wer nicht gut zu Fuß gehen kann, sollte mit der Bahn auf den Wallberg hinauffahren. Dort hat man eine Aussicht, die ist ein Geschenk! Auch ein Besuch im Bräustüberl gehört unbedingt dazu. Wer nicht die höchsten Gipfel erklimmen kann, genießt vielleicht die leichtere Wanderung entlang des Höhenweges mit seinen schönen Aussichten. Und spannend ist eine Besichtigung von Gmund Papier mit der ältesten in Betrieb befindlichen Papiermaschine Europas von 1886 und dem Lager mit seinen vielen farbigen Papierrollen. Hier geht’s übrigens zu den TegernseeTalks mit Bräustüberl-Wirt Peter Hubert und mit Florian Kohler von Gmund Papier.

Dein Motto?

Getreu nach dem tibetischen Sprichwort: Wenn du schnell auf einen Gipfel kommen möchtest, geh langsam – und das gilt nicht nur für die Berge.

Der Fotograf dieses Fotoshootings mit Willy Kravanja ist Thomas Plettenberg – der Kuhflüsterer.

Hier sind alle buchbaren Touren der Tegernseer Heimatführer.

Zu den individuellen Angeboten der Tegernseer Heimatführer geht es hier.

Weitere Infos über Willys Angebote auf der Seite von Summits Outdoor Adventures.

Impressionen

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 001, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 001

© Thomas Plettenberg

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 007, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 007

© Thomas Plettenberg

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 009, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 009

© Thomas Plettenberg

Willy Kravanja Schneeschuhwandern 003, © Thomas Plettenberg
Willy Kravanja Schneeschuhwandern 003

© Thomas Plettenberg